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Zweiter Lockdown trifft die angeschlagenen Veranstalter hart

·Lesedauer: 4 Min.

Private Theater, Kinos und Konzertanbieter leiden unter dem Lockdown. Die Messewirtschaft sieht sich zu Unrecht als „Freizeiteinrichtung“ eingestuft.

Die Initiatoren fordern neben angemessenen Umsatzentschädigungen für Firmen mehr Unterstützung für Unternehmer und Soloselbstständige der Branche. Foto: dpa
Die Initiatoren fordern neben angemessenen Umsatzentschädigungen für Firmen mehr Unterstützung für Unternehmer und Soloselbstständige der Branche. Foto: dpa

Ab kommendem Montag sind bundesweit „Veranstaltungen, die der Unterhaltung dienen“, für vier Wochen untersagt. Theater, Kinos, Tanzklubs und Konzertsäle müssen erneut schließen. „Gottesdienste sind aber weiter erlaubt“, wundert sich René Heinersdorff vom Deutschen Bühnenverein. „Dabei hat sich noch niemand nachweislich im Theater mit Corona angesteckt – anders als in der Kirche.“

Der Theaterchef betreibt Häuser in Düsseldorf, Köln und Essen und betont: „Bei uns wird die Luft zehnmal in der Stunde komplett erneuert.“

Das Dramatischste am zweiten Lockdown sind für ihn nicht die wirtschaftlichen Folgen. „Am schlimmsten ist: Das wiedererwachte zarte Vertrauen der Zuschauer wird zerstört.“ Die Hälfte der rund 200 Privattheater in Deutschland sei nun in ihrer Existenz bedroht, schätzt Heinersdorff.

90 Prozent der Häuser arbeiteten ohnehin eng an der schwarzen Null. Mit jedem Monat Schließung etwa seines „Theaters an der Kö“ in Düsseldorf verliert er rund 120.000 Euro Einnahmen. Fixkosten von etwa 25.000 Euro bleiben.

Die in Aussicht gestellten Umsatzentschädigungen für den November begrüßt Heinersdorff. „Allein mir fehlt der Glaube.“ Bis heute gebe es etwa für die zugesagten 30 Millionen Euro Hilfen für Privattheater noch nicht einmal Antragsformulare. „Dabei kommt es für die Veranstaltungsbranche nun auf jeden Tag an.“ Denn viele Künstler lebten von der Hand in den Mund.

Auch der Bundesverband Schauspiel kritisierte die Schließung von Theatern als unsinnig. „Gerade kleinere und nicht öffentlich geförderte Häuser werden diesen erneuten und vollkommen unnötigen Schlag vor den Bug nicht überleben“, heißt es in einem offenen Brief. „Ein kultureller Kahlschlag ohne Beispiel wird die Folge sein.“

Das GOP Varieté mit sonst 800.000 Gästen im Jahr trifft das Verbot extrem hart. „Unser Geschäft findet bis Weihnachten statt, und das wurde uns jetzt genommen. Nun wird es wirklich eng“, sagt Dennis Grote, Familienunternehmer in dritter Generation. Er muss seine sieben Häuser von München bis Bremen wieder schließen.

Die Politik erzeuge eine enorme Unsicherheit, die die Menschen von Buchungen abhalte, meint Grote. „Bis jetzt wurden viele Hilfen versprochen, aber nur wenig kommt an.“ Die Varieté-Gruppe gelte als Unternehmensverbund und mit mehr als 1000 Mitarbeitern auch nicht zu den Mittelständlern, die besonders unterstützt werden. „Wir hoffen, dass wir dennoch in die 70-Prozent-Kategorie für Umsatzentschädigungen fallen.“

Der Chef der Varieté-Gruppe, die vor Corona ohne Subventionen auskam, fordert auch für die vergangenen und künftigen sechs Monate eine feste Umsatzentschädigung. „Das würde helfen.“

Tausende Beschäftigte der Veranstaltungsbranche, die seit acht Monaten so gut wie ohne Einnahmen ist, hatten am Mittwoch in Berlin erneut protestiert. Das Aktionsbündnis „#AlarmstufeRot“ vertritt rund eine Million Erwerbstätige, darunter viele Selbstständige wie Schauspieler, Musiker, DJs, Bühnentechniker oder Fotografen.

Die Initiatoren fordern neben angemessenen Umsatzentschädigungen für Firmen mehr Unterstützung für Unternehmer und Soloselbstständige der Branche. Mit rund 130 Milliarden Euro Umsatz ist der Wirtschaftszweig der sechstgrößte in Deutschland.

Messen sehen sich falsch eingestuft

Die Messebranche fällt ebenfalls unter den zweiten Lockdown. Der Branchenverband Auma äußerte Unverständnis darüber, dass Messen als „Freizeiteinrichtungen“ eingestuft wurden, und verlangte eine Korrektur. Ein Großteil der Messen seien Business-to-business-Veranstaltungen, und auch Publikumsmessen dienten in erster Linie dem Verkauf und der Kundeninformation.

Messen sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Sie tragen normalerweise rund 28 Milliarden Euro zur deutschen Wirtschaftsleistung bei. Davon sind laut Auma schon jetzt rund 20 Milliarden Euro durch die Corona-Pandemie verloren gegangen.

„Die deutsche Messewirtschaft braucht dringend Planungssicherheit, auch damit ihre internationale Bedeutung nicht beschädigt wird“, fordert Auma-Geschäftsführer Jörn Holtmeier. Eine Gleichstellung von Messen mit dem Groß- und Einzelhandel sei mehr als berechtigt. Beides finde in ähnlich strukturierten Räumen statt und habe weitgehend identische Funktionen.

Auch die Messedienstleister müssen weiterdarben. „Wir haben seit März einen Stillstand und erheblichen Einbruch unserer Umsätze zu verzeichnen“, berichtet Hendrik Coers, Co-Chef von Aventem aus Hilden. Der Anbieter von Standbau und Veranstaltungstechnik hat 51 Beschäftigte.

„Mitarbeiter mussten wir bislang noch nicht entlassen, haben aber große Teile der Belegschaft in Kurzarbeit“, sagt Coers. Der Messebauer begrüßt die in Aussicht gestellten Entschädigungen, appelliert aber daran, dass diese nun auch kurzfristig umgesetzt werden. „Denn bislang ist die Unterstützung für die Veranstaltungswirtschaft sehr gering ausgefallen.“