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Zweiter landesweiter Corona-Lockdown in Israel vor Neujahrsfest in Kraft

Rosie SCAMMELL
·Lesedauer: 3 Min.
Mäner mit und ohne Maske auf Markt in Jerusalem
Mäner mit und ohne Maske auf Markt in Jerusalem

Wenige Stunden vor dem jüdischen Neujahrsfest ist am Freitag in Israel erneut ein landesweiter Corona-Lockdown in Kraft getreten. Drei Wochen lang bleiben Schulen und die meisten Geschäfte geschlossen. Damit gilt der umstrittene zweite landesweite Lockdown über das Neujahrsfest Rosch Haschana hinaus auch während der Feiertage Jom Kippur und Sukkot. In europäischen Ländern wie Frankreich und Großbritannien wurden ebenfalls neue Corona-Restriktionen verhängt.

Der Corona-Lockdown in Israel begann nur wenige Stunden vor Beginn des dreitägigen jüdischen Neujahrsfestes. Abgesehen von der Schließung der Schulen und der meisten Geschäfte werden soziale Kontakte eingeschränkt: In geschlossenen Räumen dürfen nur noch höchstens zehn Menschen zusammen sein, im Freien höchstens 20 Menschen. Außerdem dürfen sich die Menschen in Israel nicht weiter als 500 Meter von ihren Wohnungen entfernen. 

Nach dem ersten Auftreten von Corona-Fällen in Israel hatte das Land die Pandemie gut in den Griff bekommen. Nach der weitgehenden Aufhebung der Corona-Restriktionen verzeichnete Israel in den vergangenen zwei Wochen aber eine der höchsten Infektionsraten weltweit. 

Viele Bürger werfen Regierungschef Benjamin Netanjahu vor, die Corona-Restriktionen zu rasch gelockert und so eine zweite Infektionswelle verursacht zu haben. Seit Wochen gibt es Proteste gegen den Ministerpräsidenten, am Donnerstagabend demonstrierten in Tel Aviv etwa 400 Menschen gegen den erneuten Lockdown. 

Netanjahu warb in einer Fernsehansprache um Verständnis. "Das Gesundheitssystem hat die rote Fahne gehisst", sagte er mit Blick auf stark steigende Krankenhauspatienten-Zahlen. Seit Beginn der Pandemie wurden in Israel mit seinen neun Millionen Einwohnern rund 177.000 Infektions- und 1169 Todesfälle verzeichnet.

Auch in einigen europäischen Ländern bereitet der Wiederanstieg der Infektionszahlen weiter Sorgen. Der britische Gesundheitsminister Matt Hancock sagte am Freitag dem Sender BBC: "Wir wollen einen nationalen Lockdown vermeiden, aber wird sind darauf vorbereitet, wenn wir es tun müssen."

Er verwies darauf, dass sich die Zahl Covid-19-Patienten in britischen Krankenhäusern derzeit alle acht Tage verdoppele. "Also müssen wir handeln." In großen Teilen von Nordostengland wurden am Freitag Restriktionen für soziale Kontakte verschärft. Die Regeln sollen am Dienstag auf Liverpool und weitere Gebiete in Nordwest- und Mittelengland ausgedehnt werden.

Großbritannien ist mit 42.000 Todesopfern das am schwersten von der Corona-Pandemie betroffene Land in Europa. Der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan sagte wegen der Pandemie am Freitag das große Silvester-Feuerwerk in der britischen Hauptstadt ab.

In Frankreich verschärfte nach Marseille und Bordeaux auch die Mittelmeer-Stadt Nizza ihr Corona-Vorschriften. Großveranstaltungen mit mehr als tausend Teilnehmern sind ebenso untersagt wie private Zusammenkünfte von mehr als zehn Personen am Strand oder in Parks, wie die Stadtverwaltung mitteilte. Zudem ist der Alkoholausschank ab 20.00 Uhr verboten.

Am Donnerstag war in Frankreich ein neuer Höchststand von fast 10.600 Neuinfektionen binnen 24 Stunden verzeichnet worden. Frankreichs Großrabiner Haïm Korsia ermahnte die Juden im Land zum Neujahrsfest zur Vorsicht. Gegenüber der Nachrichtenagentur AFP betonte er, dass für die Neujahrsfeiern in Synagogen strenge Vorschriften gelten.

Hunderte an der belarussisch-ukrainischen Grenze festsitzende ultra-orthodoxe jüdische Pilger traten am Freitag die Heimreise an, nachdem ihnen die ukrainischen Behörden unter Verweis auf die Coronavirus-Pandemie die Einreise in die Stadt Uman verweigert hatten. Dort wollten sie das Neujahrsfest am Grab von Rabbi Nachman begehen.

In Spanien wird mit strengeren Corona-Restriktionen für die Hauptstadtregion Madrid gerechnet. Die Regionalregierung verschob ihre Ankündigung am Freitag auf den "Nachmittag". Aus Tschechien wurden derweil 3130 Corona-Infektionen binnen 24 Stunden gemeldet - etwa so viele wie im ganzen Monat März.

Weltweit wurden bereits mehr als 30 Millionen Corona-Infektionen nachgewiesen, etwa 950.000 Infizierte starben.

yb/jes