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„Zweifelhafte Verträge“: Was bei „Die Höhle der Löwen“ falsch läuft

Christian Henschel
Unternehmer Christian Henschel sieht die Investment-Show „Die Höhle der Löwen“ kritisch.

Christian Henschel ist Co-Founder des Berliner AdTech-Unternehmens Adjust. Das Startup unterhält neben dem Hauptsitz in Berlin weitere Büros in San Francisco, New York, São Paulo, London, Paris, Istanbul, Tokio, Shanghai, Singapur, Jakarta und Moskau. In einem Gastbeitrag schreibt er über die VOX-Erfolgsserie „Höhle der Löwen“ aus der Sicht eines Gründers.

Der KfW-Gründungsmonitor 2017 zeichnet ein Bild, das mit der gefühlten Realität nicht viel zu tun hat: Es gibt so wenig Existenzgründungen wie nie zuvor — die Quote sinkt seit 2003. Jedes Jahr. Dem entgegen steht die Entdeckung der „Startup-Formate“ und der Versuch, diese in den Medien zu etablieren und das Thema Unternehmensgründung im Privatfernsehen einer breiten Masse greifbar zu machen. Die Investoren — Löwen — werden dabei als gottesgleiche Entscheider über persönliches Scheitern oder die Zukunft als erfolgreiche Unternehmer stilisiert.

Natürlich habe ich die erste Staffel der „Höhle der Löwen“ (DHDL) genau verfolgt, war neugierig, wie dieses Format funktionieren würde. Vor allem: welchen Einfluss es auf die Startup- und Unternehmer-„Szene“ und darüber hinaus haben würde. Vier Staffeln später: der positive Einfluss auf das aktive Unternehmertum hält sich — sagen wir es vorsichtig — in Grenzen.

Niemand kann ernsthaft erwarten, dass eine druck-komprimierte TV-Sendung zum Anstieg der Gründerquote beiträgt, aber an dieser Stelle muss ich als Unternehmer anfangen, Fragen zu stellen: Wer sitzt in der Jury und bewertet wen? Mit welcher Befähigung werden Teilnehmer durch Fragen bewusst verunsichert oder durch schnelle Schnitte bloßgestellt? Jeder Investor im Technologie-Bereich, der einen Umgang wie die Löwen pflegen würde, wäre nicht mehr tragbar.  Und viel wichtiger: Wer sind die wirklichen Gewinner und Verlierer dieses Formates?

Das Vorbild der Castingshows — Kann eine ganze Industrie profitieren?

Nicht, dass wir das alles nicht schon gesehen hätten, ich erinnere hier nur an die unsäglichen Casting-Shows, die ab einem bestimmten Zeitpunkt selbst die Programmplanung der öffentlich-rechtlichen Sender bestimmt haben. Auch hier sei die Frage erlaubt, welchen Einfluss diese Shows eigentlich auf die Musikindustrie hatten, kurzfristig sicherlich kommerziell erfolgreich (für Sender und Label). Insgesamt sind eben auch viele Parallelen zu DHDL sichtbar: vergleichbares Gefälle zwischen Jury und Kandidaten, kurzfristig orientierte Gewinnmaximierung zu Lasten der Bewerber und zweifelhafte Verträge.

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