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Zwei Kölner entwickeln einen Ring, mit dem ihr kontaktlos bezahlen könnt

·Lesedauer: 5 Min.
Die Kölner Steffen Kirilmaz und Lukas Schmitz (v.l.) haben einen Ring zum kontaktlosen Bezahlen entwickelt.
Die Kölner Steffen Kirilmaz und Lukas Schmitz (v.l.) haben einen Ring zum kontaktlosen Bezahlen entwickelt.

Die Funktion sieht man Pago nicht sofort an. Eher unauffällig wirken die schwarzen Ringe, die Lukas Schmitz und Steffen Kirilmaz um ihre Finger tragen. Dabei steckt hinter dem neun Millimeter breiten Keramikring mehr als nur Schmuck: In dem Gehäuse ist ein NFC-Chip verbaut, um mit dem Ring im Supermarkt oder Restaurant kontaktlos zahlen zu können. Sämtliche Transaktionen sind verschlüsselt.

Das Material sei robust, hypoallergen, halte Erschütterungen und Wasser stand und störe kein Antennensignal, damit Transaktionen problemlos ausgeführt werden, so das Versprechen der Gründer. Zwar ist die Idee, Wearables wie Smartwatches oder das Smartphone selbst für Bezahlvorgänge zu nutzen, nicht neu, den Gründern ging es aber vor allem um mehr technische Unabhängigkeit:

„Wir wollten ein Produkt bauen, das ohne Akku funktioniert und ständig einsatzbereit ist“, sagt Kirilmaz. Zudem bleiben die Hände frei für andere Dinge: „So muss ich nicht beim Einkaufen oder Besuch im Café vollbepackt den Geldbeutel oder das Handy rauskramen“, meint Schmitz.

Seit der Pandemie bezahlen mehr Deutsche kontaktlos

Der Trend zum kontaktlosen Bezahlen macht sich in Deutschland vor allem seit Corona in steigenden Nutzungszahlen bemerkbar. Laut einer repräsentativen Umfrage des Digitalverbands Bitkom gaben 79 Prozent von rund 1.000 Befragten an, im Herbst 2020 mindestens einmal kontaktlos via Karte, Smartphone oder Smartwatch bezahlt zu haben. Für tägliche Transaktionen nutzen zwar nur sieben Prozent ein kontaktloses Mittel, fast jeder Dritte gab aber an, mehrmals pro Woche Rechnungen ohne Einstecken der Karte zu begleichen.

Das Startup nutzt die Bezahl-App Vimpay als Plattform, um Geld vom eigenen Bankkonto erst auf eine virtuelle Prepaid-Mastercard und anschließend auf den Ring zu übertragen.

Gründer müssen Daten noch von Hand eintragen

Wenn sich Kunden bei Vimpay registrieren, erstellt die App eine virtuelle Karte, auf die User – wie bei gewöhnlichen Online-Transaktionen – Geld von ihrem Wunschkonto per IBAN überweisen können. Ist die Karte aufgeladen, kann sie mit Wearables wie Smartwatches oder den Pago über den Tech-Dienstleister Fidesmo verbunden werden. Zuvor müssen die Pago-Gründer die Kontodaten allerdings händisch auf jeden Ring spielen. Wenn die Kunden ihren Ring erhalten, müssen sie ihr Konto noch einmal verifizieren, um Geld aufladen und abbuchen zu können.

Dann gilt es, beim Bezahlvorgang den Ring im richtigen Winkel und mit einem Abstand von drei Zentimetern an das Terminal zu halten, sonst wird eine Zahlung abgelehnt. Die Sicherheitsvorkehrungen dienen dazu, Daten-Diebstahl zu verhindern. Auf den ersten Blick erscheint das Prozedere eher umständlich, als praktisch. Langfristig sei daher denkbar, auch mit Kreditinstituten direkt zu kooperieren, sodass Kunden Geld von ihrer eigenen Kreditkarte nur noch auf den Ring transferieren. „Das ist aber noch Zukunftsmusik“, gesteht Kirilmaz.

Von der Nachfrage überrascht: Besonders Senioren interessieren sich für Pago

Die nach eigenen Angaben hohe Nachfrage haben die Studienkollegen seit dem Launch im September nicht erwartet. „Das war eine Lawine, die bei uns eingebrochen ist“, erzählt Kirilmaz. „Wir saßen da nachts um zwölf Uhr und haben ungläubig auf unsere Handys gestarrt, als im Minutentakt Bestellungen eingingen.“ Der 28-Jährige war davon ausgegangen, dass das Startup erst langsam seinen Bekanntheitsgrad steigern würde.

Doch Zeit für eine Verschnaufpause blieb den Kölnern nicht. Vor dem offiziellen Verkaufsstart zählten die Gründer über 800.000 Videoaufrufe auf TikTok, wo sie den Ring erstmals vorstellten. „Die Liste für den Newsletter war da schon so fett – wir waren ein bisschen erschrocken“, erinnert sich Schmitz. Rund 2.000 Ringe haben sie bisher verkauft. Der Preis liegt bei 89 Euro.

Erstaunt hat die BWLer auch, dass gerade die ältere Generation Interesse am Bezahlring bekundet. „Einmal kam eine 81-jährige Frau, die supertrendy und mit dem neusten IPhone ausgestattet war, zu uns, um sich den Ring erklären zu lassen“, erzählt Schmitz. Auch Eltern, die den Bezahlring für ihre Kinder als Taschengeld-Tool einsetzen wollen oder Studenten, die ihre WG-Kasse über ein gemeinsames Konto abwickeln, gehören zum Kundenkreis.

Bisher haben die Gründer ihr Startup ohne Fremdkapital aufgebaut. Obwohl sie regelmäßig Anfragen von Investoren – darunter auch Kunden – bekämen, lehnen sie die Angebote ab.

Damit Kunden die Pagos live ausprobieren und anfassen können, wollen die Gründer ab Anfang 2022 ein eigenes Ladenlokal in der Kölner Innenstadt eröffnen. Und auch an neuen Designs und Schmuckstücken feilen Schmitz und Kirilmaz. Zurzeit gibt es den Pago in fünf verschiedenen Varianten zu kaufen: rosa, blau, weiß, schwarz glänzend und schwarz matt. Ein nachhaltiges Holz-Design bringen die Kölner in den kommenden Monaten heraus.

Unterschiede zu asiatischen Billigprodukten

Mit einem Preis von 89 Euro ist der Pago kein Schnäppchen – jedoch beruft sich Schmitz darauf, technisch das beste Produkt am Markt zu bieten. Unter dem Titel „NFC“ verkaufen gerade asiatische Anbieter auf Marktplätzen wie Ali-Express smarte Ringe für wenige Euros.

Allerdings würden diese nur einfache Speicherdaten wie Visitenkarten und URLs verarbeiten, sich zum kontaktlosen Bezahlen aber nicht eignen, so der Gründer. Der Pago-Ring sei hingegen mit einer Kreditkarte vergleichbar, da sein Chip dank eines eingebauten Krypto-Controllers schwierig zu hacken sei und als sicheres Zahlungsmittel von Visa und Mastercard geprüft und zertifiziert worden ist.

Gute Kontakte zur Chip-Branche pflegen die Gründer dank ihres dritten Geschäftspartners Bernhard Wernberger, der in Oldenburg sitzt und ein eigenes Chipkarten-Unternehmen führt. Trotz der angespannten Lage am globalen Markt, die selbst Mega-Konzerne wie Apple mit ihrer Produktion ins Wanken bringen, sei das Startup weniger von Chip-Lieferengpässen betroffen und habe vorgesorgt.

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