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Zwei CEOs statt einem: So hat dieses Startup davon profitiert

Das Führungsteam von Gitpod mit CTO Christian Weichel und den beiden Gründern und Co-CEOs Sven Efftinge sowie Johannes Landgraf (vl.n.r.).
Das Führungsteam von Gitpod mit CTO Christian Weichel und den beiden Gründern und Co-CEOs Sven Efftinge sowie Johannes Landgraf (vl.n.r.).

Ein Gastbeitrag von Sven Efftinge und Johannes Landgraf, Gründer der Coding-Plattform Gitpod. Das Kieler Startup hat seit der Gründung 2018 mehr als 15 Millionen Euro eingesammelt. Dieser Text ist zuerst auf dem Gitpod-Blog erschienen.

Über die Frage, ob ein Co-CEO-Setup gut ist oder nicht, wurde in den letzten Jahren viel gestritten. Es ist zwar noch etwas ungewöhnlich, aber wir sehen immer mehr sehr erfolgreiche Unternehmen wie den Software-Hersteller Atlassian, Salesforce und Netflix, die mit zwei CEOs arbeiten. Wir glauben, dass, wenn es richtig gemacht wird, zwei CEOs einem einzigen CEO überlegen sind. Im Folgenden gehen wir auf die Vorteile einer modernen Doppelspitze ein, erörtern typische Vorurteile und erläutern, was unserer Meinung nach den Erfolg dieser Struktur für Gitpod ausmacht.

Vorteile der Unternehmensführung mit zwei CEOs

Wenn es um die Menschen geht, mit denen man zusammenarbeitet, zählt Qualität mehr als Quantität. Daher ist ein sehr guter CEO besser als zwei mittelmäßige. Umgekehrt gilt: Wenn beide Geschäftsführer zu ähnlich denken und sich um die gleichen Bereiche des Unternehmens kümmern, kommen viele der unten genannten Vorteile nicht zum Zuge. Wenn ihr euer Unternehmen jedoch mit zwei CEOs führt, die mit großem Vertrauen und voller Transparenz arbeiten, in Bezug auf Vision und Kultur übereinstimmen und sich in ihren Fähigkeiten ergänzen, wird euer Unternehmen von vielen Vorteilen profitieren:

  • Weniger Qualifikationsdefizite. Wir alle haben unsere Stärken und Schwächen. Wir sind unterschiedlich motiviert und widmen uns mehr oder weniger leidenschaftlich den verschiedenen Aufgaben eines CEOs. Mit zwei sich ergänzenden CEOs könnt ihr viel mehr Aufgabenbereiche effektiv abdecken.

  • Verschiebt den Aufbau einer traditionellen C-Suite. Wenn ein Unternehmen wächst, müssen Strukturen ausgebaut werden, damit der Informationsfluss effizient und effektiv bleibt. Director-, VP- und C-Level-Ebenen sind die Standardantwort auf die Skalierung von Unternehmen. Jede weitere Ebene hat jedoch seinen Preis: Informationen fließen langsamer. Mit einem CEO werdet ihr viel früher das Bedürfnis verspüren, an einen CFO, COO usw. zu delegieren. Mit zwei CEOs könnt ihr diese Ebene aufschieben, weil ihr mehr Bereiche abdeckt und so gibt es weniger Kompetenzlücken. Zusammen mit unserem CTO Chris besteht unser Führungsteam aus drei Personen, die sehr gut aufeinander abgestimmt sind und gleichzeitig unterschiedliche Perspektiven in die Entscheidungsfindung einbringen.

  • Fundierte Entscheidungen. Ein gängiges Vorurteil ist, dass die Entscheidungsfindung mit zwei CEOs weniger effizient wäre. Das Gegenteil ist der Fall, wenn man es richtig macht. Mit zwei CEOs muss jeder einen klaren Zuständigkeitsbereich (AOR) haben. So wird es für jeden, der die Entscheidung trifft, einfach. Es gibt jedoch auch einige gemeinsame AORs. In diesen kritischen Bereichen könnt ihr fundiertere Entscheidungen treffen. Wenn wir eine größere Veränderung anstreben, weiß das gesamte Team, dass wir die Entscheidung zumindest zu zweit getroffen haben (natürlich ziehen wir auch andere in den Entscheidungsprozess mit ein).

  • Team vor Individuum. Die Unternehmenskultur ist für ein modernes Startup extrem wichtig. Nicht nur, um die besten Talente anzuziehen, sondern auch, um sicherzustellen, dass alle Beteiligten Freude daran haben, ein hervorragendes Produkt für die Nutzer zu entwickeln. Unsere Kultur bei Gitpod basiert auf Offenheit, Bescheidenheit, Empathie und einem generell Ego-losen Teamgeist. Eine doppelte Führung betont diese Werte.

  • Geringeres Burnout. Ein Unternehmen zu leiten und aufzubauen, kann sehr anstrengend sein. Als alleiniger CEO seid ihr nicht nur für alles verantwortlich, was passiert und schiefgeht, sondern müsst euch auch um so viele Dinge kümmern und den Überblick behalten. Einstellung, Mittelbeschaffung, Unternehmensaufbau, Betrieb, Finanzen, und vor allem konstant dafür sorgen, dass das Produkt besser wird und mehr Wert bietet. Das alles alleine zu machen, kann den Stresspegel stark erhöhen. Ihr solltet euch Hilfe von Coaches, Freunden und Beratern holen, aber nichts ist besser als eine Person, der man komplett vertraut und mit der ihr alles teilen könnt.

  • Minimiert den Busfaktor. Ein einziger CEO bedeutet auch eine einzige Schwachstelle. Das muss nicht unbedingt der Bus oder das vorherrschende Burnout sein, sondern kann etwas so Einfaches und Unkompliziertes sein wie eine zweiwöchige Auszeit, um sich zu erholen und Zeit mit der Familie zu verbringen.

Hat das Ganze also nur Vorteile? Fast. Ein Nachteil ist, dass es viele Vorurteile gegenüber einer solchen Co-Führungsstruktur gibt, vor allem im Risikokapitalbereich. Folgende Argumente werden oftmals genannt.

Typische Vorurteile über zwei CEOs

Wenn ihr im Internet nach Meinungen über die Führung eines Unternehmens mit zwei CEOs sucht, werdet ihr einige Artikel finden. Point-Nine-Partner Christoph Janz hat kürzlich seine Meinung niedergeschrieben, in der er drei Gründe aufzählt, warum ein einzelner CEO besser ist.

  • Schnellere Entscheidungsfindung. "Wenn man zwei Leute braucht, um eine Entscheidung zu treffen, …" Das wäre in der Tat sehr ineffizient. Aber man braucht nicht zwei Leute. Bei zwei Geschäftsführern braucht man Vertrauen, sodass jeder von ihnen Entscheidungen selbst treffen kann, ohne sich gegenseitig abzustimmen. Das funktioniert hervorragend, solange ihr in Bezug auf Unternehmensvision und Richtung übereinstimmt. Wenn kein vollständiges Vertrauen zwischen den Geschäftsführern besteht, wird es nicht funktionieren. Das Gleiche gilt übrigens für jedes leistungsstarke Team.

  • Klare Zuständigkeiten. "Ein weiterer Nebeneffekt von zwei CEOs ist, dass es weniger klar ist, wer was macht.“ Das ist kein Nebeneffekt von zwei CEOs, sondern Unklarheit entsteht, wenn ihr die Zuständigkeiten nicht eindeutig klärt. Ihr müsst die Zuständigkeiten mit klaren Entscheidungsrichtlinien klären - auch dies muss zwischen den CEOs und dem gesamten Unternehmen geschehen.

  • Eine Co-CEO-Konstellation macht es schwieriger, Top-VPs zu gewinnen. "Ihr könnt euch fragen, ob ihr euch von eurem Ego davon abhalten lasst, das Beste für das Unternehmen zu tun, und ob ihr in der Lage seid, schwierige Entscheidungen zu treffen." Wir führen Gitpod nicht mit zwei CEOs, weil beide CEOs ein zu großes Ego haben und es nicht in den Griff bekommen könnten. Ganz im Gegenteil: Sven war früher der einzige CEO und hat beschlossen, dass es ein besseres Setup für Gitpod gibt, also hat er Johannes gebeten, ihm zu helfen. Das Ego ist der Feind.

Christoph Janz betrachtet dieses Thema aus einem bestimmten Blickwinkel: Viele Mitgründer vermeiden es, schwierige Gespräche zu führen, um zu klären, wer das Unternehmen leitet. In solchen Konstellationen ist die Doppelspitze keine bewusste Entscheidung, sondern eher ein Erbe der Vergangenheit, das durch große Egos bedingt ist. Wenn ihr nicht offen darüber sprecht, warum zwei CEOs für euer Unternehmen zum jetzigen Zeitpunkt geeignet sind, werdet ihr es wahrscheinlich auch nicht zum Erfolg führen. Letztendlich ist es eure Aufgabe, in einem von Venture Capital finanzierten Unternehmen den langfristigen Shareholder Value zu maximieren und nicht an eurer Hybris zu arbeiten.

Wenn ihr es tut, dann tut es richtig

Bei Gitpod haben wir uns im Laufe der Zeit auf natürliche Weise in das Co-Leadership-Setup eingearbeitet und praktizieren es schon seit einiger Zeit erfolgreich. Es gibt eine Reihe von Gründen, warum dies für uns gut funktioniert hat:

  • Komplementäre Fähigkeiten - Sven hat in den letzten 15 Jahren Entwicklertools und Programmiersprachen entwickelt und Open-Source-Communities aufgebaut. Seine Leidenschaft, Stärke und Energie liegen in der Entwicklung von Gitpod, dem Produkt. Johannes kennt den Markt für Entwickler-Tools sehr gut und hat vor Gitpod im Bereich Venture Capital gearbeitet. Er eignet sich hervorragend für den Aufbau von Gitpod, dem Unternehmen, und kümmert sich um alle Bereiche, von der Markteinführung über das Fundraising und den Betrieb bis hin zu den Finanzen.

  • Hohes Vertrauen - in den letzten Jahren sind wir Freunde und Partner geworden. Ohne absolutes Vertrauen und psychologische Sicherheit funktioniert Co-Leadership nicht, und man kann die jeweiligen Stärken der einzelnen Personen nicht nutzen. Wir helfen uns immer gegenseitig, können unsere Meinung sagen und vertrauen auf die Entscheidungen des anderen. Wenn es Probleme gibt, sprechen wir sie schnell an, holen uns relevanten Input und finden praktische Lösungen.

  • Vollständige Transparenz - der menschliche Verstand ist hervorragend darin, sich selbst etwas vorzumachen, indem er eine unerwünschte Realität auf bequeme Weise schönredet. Wir teilen alles offen miteinander und geben ständig konstruktives Feedback, um so nah wie möglich an der Realität zu bleiben. Keine Information wird zurückgehalten.

  • Klare Zuständigkeitsbereiche - wenn sich mehrere Personen die Verantwortung für eine Aufgabe oder einen Prozess teilen, wird diese Aufgabe oft nicht gut oder gar nicht durchgeführt. Wir verhindern dies durch klare Verantwortungsbereiche.

  • Klare Zielsetzung - Wir verfolgen einen vierteljährlichen Zielsetzungsprozess, der Erwartungen setzt, Fokus und Verantwortlichkeit schafft, um unser Geschäft voranzutreiben – sowohl zwischen den Führungskräften als auch im gesamten Unternehmen.

Führungsentscheidungen sind immer spezifisch für das Unternehmen, das ihr aufbaut. Dennoch sind wir der Meinung, dass viele der Gründe, die für ein duales Führungsmodell sprechen, auch für andere Unternehmen gelten.

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