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Zwölfjährige pflegt ihre Mutter: TV-Doku zeigt erschütternde Zustände

Eva ist zwölf Jahre alt. Vormittags besucht sie die sechste Klasse, nachmittags kümmert sie sich um ihre pflegebedürftige Mutter. "37°" zeigte am Dienstagabend, welchen Belastungen Kinder wie Eva tagtäglich ausgesetzt sind.

Eva (links) lebt mit der ständigen Angst, ihre kranke Mutter Chrissy zu verlieren. (Bild: ZDF / Kirsten Kofahl)
Eva (links) lebt mit der ständigen Angst, ihre kranke Mutter Chrissy zu verlieren. (Bild: ZDF / Kirsten Kofahl)

Die Menschen hierzulande werden immer älter, und nur die wenigsten von ihnen befinden sich jenseits der 80 noch in guter körperlicher und geistiger Verfassung. Viele sind auf Hilfe angewiesen, auf Pflegedienste, auf Institutionen wie "Essen auf Rädern" und nicht zuletzt auch auf ihre (erwachsenen) Kinder. Doch was, wenn die pflegebedürftigen Eltern noch gar kein hohes Alter erreicht haben - und die pflegenden Kinder selbst noch nicht einmal volljährig sind?

"Große Last auf schmalen Schultern"

Mit dem für die "37°"-Reportagereihe üblichen Feingefühl erzählten Wibke Kämpfer und Mechthild Gassner am Dienstagabend in ihrem Film "Große Last auf schmalen Schultern" von Kindern wie Eva und Pascal. Sie sind "Young Carers": So nennt man Minderjährige, die die Betreuung ihrer Mütter oder Väter übernommen haben. Knapp eine Viertelmillion Kinder und Jugendliche sollen in Deutschland Schätzungen zufolge von einem solchen Schicksal betroffen sein.

Für die zwölfjährige Eva und ihren 17-jährigen Bruder Pascal ist es selbstverständlich, sich um ihre schwer an Multipler Sklerose erkrankte Mutter Chrissy zu kümmern. "Ich wollte eigentlich in eine andere Stadt ziehen, aber das hat sich erledigt. Ich will in der Nähe bleiben und da sein", sagt Pascal. Mit gerade einmal 38 ist Chrissy körperlich stark eingeschränkt: Die meiste Zeit verbringt sie im Rollstuhl, und ihr tägliches Gehtraining mit Krücken - und der Hilfe von Pascal - ist unumgänglich. Um die Hausarbeit kann sie sich längst nicht mehr kümmern; vieles davon übernehmen ihre Kinder, nachdem sie nachmittags aus der Schule kommen.

Ein Projekt für Kinder kranker Eltern hilft Eva (links) dabei, abzuschalten. (Bild: ZDF / Kirsten Kofahl)
Ein Projekt für Kinder kranker Eltern hilft Eva (links) dabei, abzuschalten. (Bild: ZDF / Kirsten Kofahl)

"Seit dem Schlaganfall meiner Mutter bin ich nicht nur Tochter"

Vor allem Eva belastet die familiäre Situation. Sie hat Angst, ihre Mutter zu verlieren. Und trotzdem: Oft träumt sie davon, ab und zu ein ganz gewöhnliches zwölfjähriges Mädchen sein zu können, das sich unbeschwert mit Freunden trifft. Auch Mutter Chrissy befürchtet, "dass die Multiple Sklerose Eva von ihrer eigenen Jugend abhält". Ein Lichtblick ist ein Projekt für Kinder kranker Eltern, in dem Jugendliche wie Eva ihren verantwortungsvollen Alltag zumindest für kurze Zeit ausblenden können.

Ein ganzes Jahrzehnt älter als Eva und trotzdem auf den ersten Blick viel zu jung, um ihre Eltern zu pflegen, ist Alexa. "Seit dem Schlaganfall meiner Mutter bin ich nicht nur Tochter, sondern auch ein bisschen Logopädin, ein bisschen Physiotherapeutin, ein bisschen Ergotherapeutin und ein bisschen Krankenschwester", erzählte die 23-Jährige im Film. Sie betreut neben ihrer Ausbildung ihre Mutter Beate, die als schwerer Pflegefall weder sprechen noch laufen kann. 24 Stunden am Stück dauert eine Pflegeschicht für Alexa, danach löst ihr Vater Patrick sie ab. Die Vollzeitpflege durch Beates Familie sollte lediglich eine Zwischenlösung sein, doch der Personalmangel lässt Alexa und Patrick keine Wahl.

Evas Bruder Pascal unterstützt seine Mutter Chrissy (Bild) regelmäßig bei ihrem Lauftraining. (Bild: ZDF / Kirsten Kofahl)
Evas Bruder Pascal unterstützt seine Mutter Chrissy (Bild) regelmäßig bei ihrem Lauftraining. (Bild: ZDF / Kirsten Kofahl)

"Dafür ist die Familie doch da"

Wie Pascal und Eva kennt auch Alexa das Gefühl, sich permanent verantwortlich zu fühlen - und ihre eigenen Interessen hinten anzustellen. Viel Unterstützung durch den Staat, so zeigte die berührende Reportage eindrücklich, erhalten die pflegenden Familien nicht. Auch auf der Facebook-Seite der Sendereihe "37°" sorgte das mangelnde Engagement der zuständigen Behörden für Empörung. "Wie zermürbend muss das alles sein", schreibt beispielsweise eine Userin. Eine andere Nutzerin findet: "Die Sendung hat mich sehr mit genommen. Ich habe große Hochachtung vor den pflegenden Angehörigen. Doch sie müssten mehr Unterstützung in jeder Hinsicht bekommen!"

Bleibt zu hoffen, dass den jungen "Helden" - so werden Pascal, Eva und Alexa in der Facebook-Kommentarspalte bezeichnet - bald mehr unter die Arme gegriffen wird. Bis dahin stellen sie ihr eigenes Leben weiter hinten an. Denn "dafür", wie Pascal im Film betonte, "ist die Familie doch da".

Seit die 38-jährige Chrissy (rechts) an Multipler Sklerose erkrankt ist, müssen ihre Kinder Pascal (links) und Eva viel Verantwortung übernehmen. (Bild: ZDF / Kirsten Kofahl)
Seit die 38-jährige Chrissy (rechts) an Multipler Sklerose erkrankt ist, müssen ihre Kinder Pascal (links) und Eva viel Verantwortung übernehmen. (Bild: ZDF / Kirsten Kofahl)