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Chaos nach Thalys-Zugausfall verärgert Bahnreisende

Verkehrschaos, verärgerte Passagiere und improvisierte Nachtlager in Zügen: Nach dem Zusammenprall eines Thalys-Schnellzugs mit einem Tier in Belgien am Freitag haben Tausende Reisende ein Wochenende mit langen Wartezeiten und ungeplanten Übernachtungen erlebt. Ab Samstag näherte sich der Thalys-Verkehr zwischen Frankreich und Belgien zwar wieder dem Normalzustand an, Reisende mussten sich aber teils in überfüllte Züge drängen, um ihr Ziel am Wochenende noch zu erreichen.

Viele Bahnpassagiere äußerten Verärgerung über mangelnde Hilfe und Kommunikation seitens der Zuggesellschaft. "Wir stehen vor einer wahnsinnigen Inkompetenz", empörte sich der 23-jährige Wirtschaftsstudent Thimothé, der seit einem Umstieg in Brüssel im Stehen weiter Richtung Amsterdam reisen musste. Thalys habe keinerlei Informationen ausgegeben. "Es ist eine Schande, man zahlt viel Geld und bekommt eine untragbare Leistung", sagte er.

Der in der belgischen Hauptstadt Brüssel gestartete Zug war nach Angaben der Thalys-Gesellschaft am Freitagnachmittag nahe der westbelgischen Stadt Tournai mit einem Tier zusammengestoßen. "Es ist Rauch ausgetreten und der Zusammenprall hat zu einem technischen Problem im Triebwagen geführt", sagte ein Sprecher.

Der Zug habe deswegen nicht mehr weiterfahren können. Tausende Gäste blieben vorübergehend in Zügen auf der Strecke stecken oder mussten an Bahnhöfen warten, häufig ohne zu wissen, ob und wann es für sie weitergeht.

In Paris wurden schließlich alle sechs geplanten Abfahrten gestrichen. In umgekehrter Richtung schaffte es zumindest ein in Amsterdam gestarteter Zug am späten Freitag nach Paris.

Die Passagiere des von dem Unfall betroffenen Thalys wurden nach zwei Stunden aus dem Zug und zurück nach Brüssel gebracht. Passagieren in Brüssel oder Paris wurde nach Angaben der Thalys-Gesellschaft angeboten, mit dem Taxi nach Hause zu fahren, in einem Hotel unterzukommen oder in zwei Thalys-Zügen zu übernachten. Zwischen 700 und 800 Menschen verbrachten so die Nacht im Thalys im Bahnhof Brüssel-Midi, sagte eine Sprecherin. Andere schliefen in Paris im Zug.

"Infolge des gestrigen Zwischenfalls ist auch heute noch mit Störungen zu rechnen", hieß es am Samstagmorgen auf der Website der in Brüssel ansässigen Thalys-Gesellschaft. In Brüssel-Midi hatten die Züge am Morgen zwischen 10 und 50 Minuten Verspätung, berichteten Reporter der Nachrichtenagentur AFP.

Die belgischen Passagiere Sarah Duray und ihr Ehemann kamen aus Paris, wo sie die Nacht nach dem Ausfall ihrer Thalys-Zugverbindung in einem Hotel verbringen mussten. "Wir können verstehen, dass es Unfälle gibt", sagte Duray, die wegen der ungeplanten Übernachtung auf ihre gewohnten Medikamente verzichten musste. "Was wir Thalys vorwerfen, ist die mangelnde Kommunikation."

Auch Jurgen Thysmans und seine Familie übernachteten in Paris, nachdem sie am Freitag sechs Stunden am Gare du Nord gewartet hatten. "Wir waren auf uns allein gestellt, um Lösungen zu finden", sagte er der AFP.

Die Niederländerin Cathleen Parsons bemängelte die ausschließlich französischen Informationstafeln am Gare du Nord. "Die Ausländer konnten nichts verstehen", sagte sie.

oer/cp

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