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Warum in Zukunft weltweit Milliardenschäden durch Naturkatastrophen drohen

·Lesedauer: 4 Min.

Nach Berechnungen der Rückversicherer war 2020 eines der teuersten Schadensjahre. Der Klimawandel könnte die Summen künftig weiter in die Höhe treiben.

Der Rückversicherer appelliert etwa an bessere Frühwarnsysteme und widerstandsfähige Baumaterialen. Foto: dpa
Der Rückversicherer appelliert etwa an bessere Frühwarnsysteme und widerstandsfähige Baumaterialen. Foto: dpa

Zerstörte Häuser, mehrere Tote, ein 700 Meter breiter Erdkrater: Der dramatische Erdrutsch in Ask, der sich kurz vor Jahreswechsel nordöstlich der norwegischen Hauptstadt Oslo ereignete, hält die Helfer noch immer in Atem.

Noch sind die genauen Ursachen des Unglücks unklar. Doch grundsätzlich spricht einiges dafür, dass sich die Menschheit in Zukunft mehr denn je auf Katastrophen wie diese einstellen muss.

„Die Naturkatastrophenschäden des Jahres 2020 lagen deutlich über denen des Vorjahres“, sagt Torsten Jeworrek, zuständiger Vorstand des weltgrößten Rückversicherers Munich Re, zu dessen Kerngeschäft es gehört, finanzielle Absicherungen gegen Großschäden zu verkaufen. „Ob die besonders heftige Hurrikansaison, extreme Waldbrände oder Gewitterserien in den USA: Bei all diesen Gefahren wird langfristig der Klimawandel eine zunehmende Rolle spielen“, erklärt der Topmanager.

Selbst ohne Berücksichtigung der Corona-Pandemie dürfte das Jahr 2020 für die Rückversicherer damit zu einem der teuersten Schadensjahre in der Geschichte werden. Nach vorläufigen Berechnungen des Munich-Re-Rivalen Swiss Re ist das Jahr 2020 das fünftteuerste für die Versicherungsindustrie seit 1970.

Insgesamt verursachten Wirbelstürme, Überschwemmungen, Erdbeben und Waldbrände weltweit Schäden von 210 Milliarden Dollar, wie die Munich Re in ihrem am Donnerstag veröffentlichten jährlichen Naturkatastrophen-Bericht mitteilte. Etwa 82 Milliarden Dollar der Schäden seien davon versichert, schätzt der Dax-30-Konzern.

Die Swiss Re kalkuliert ähnlich und rechnet mit 83 Milliarden Euro. Damit lagen die Gesamtschäden ebenso wie die versicherten Schäden deutlich über denen des Vorjahres.

Glimpfliche Bilanz in Europa

Verantwortlich war dafür vor allem eine Rekordzahl schwerer Gewitter mit Tornados, Überschwemmungen und Hagel sowie Waldbrände in den USA. So entfielen von den Gesamtschäden 45 Prozent und von den versicherten Schäden knapp 82 Prozent auf Naturkatastrophen in den Vereinigten Staaten.

In Europa fiel die Naturkatastrophen-Bilanz dagegen einigermaßen glimpflich aus. Die Gesamtschäden betrugen 2020 laut dem Bericht der Munich Re rund zwölf Milliarden Dollar.

Dennoch: Auch Deutschland und Mitteleuropa müssen gemäß den Prognosen des Rückversicherers in den nächsten Jahren mit mehr und stärkeren schweren Gewittern rechnen – „obwohl in der Tendenz die Sommer immer trockener werden und sich die Niederschläge in den Winter verlagern“, wie Ernst Rauch, Klima- und Geowissenschaftler bei Munich Re, dem Handelsblatt sagte.

Weltweit seien Maßnahmen wie bessere Frühwarnsysteme, widerstandsfähige Baumaterialien und Infrastrukturmaßnahmen deshalb wichtig, um einen langfristigen Anstieg der Schäden zu dämpfen, erklärte Rauch.

Die Experten erwarten eine steigende Zahl von Schäden und verstärkte Wetterturbulenzen, unabhängig davon, ob es sich dabei vermehrt um lokale Überflutungen, sintflutartige Regenfälle, lange Trockenperioden, heftige Waldbrände oder andere Wetterextreme handelt.

Die gute Nachricht: Laut den Daten der Munich Re gehen die Opferzahlen bei Naturkatastrophen kontinuierlich zurück. 8200 Menschen verloren 2020 demnach bei derartigen Ereignissen ihr Leben, die meisten davon bei Überschwemmungen in Pakistan, die rund 400 Todesopfer forderten. 2019 lag die Zahl der Todesopfer noch bei 9400. „Ein wesentlicher Grund für diesen Rückgang ist, dass die Vorwarnsysteme immer besser werden und die Menschen über SMS und Ähnliches schneller erreicht werden können“, sagte Rauch.

Gleichwohl gibt es keinen Anlass für Entwarnung. Den größten Einfluss auf wetterbedingte Naturkatastrophen hätten sozioökonomische Faktoren, führt der Experte an. Die Bevölkerungszahlen würden weltweit wachsen, zudem vielerorts an potenziell gefährdeten Stellen Gebäude errichtet, wie beispielweise nahe am Wasser, also in Küstengebieten und an Flüssen.

Sorgenvoller Blick nach Asien

Rauch ergänzt: „Es gibt aber einen damit nicht erklärbaren weiteren Effekt, der zudem mit der Entwicklung bestimmter Wettermuster einhergeht.“ Dieser Anteil sei ohne Klimawandel kaum zu erklären. „Wenn wir das abmildern wollen, müssen wir mehr Anstrengungen unternehmen, um die Folgen des Klimawandels zu begrenzen“, meint Rauch.

Es seien mehr Anpassungsmaßnahmen notwendig, um etwa Gebäude weniger anfällig für Schäden zu machen. Ein möglicher Ansatz sei es beispielsweise, in ausgewiesenen Hochwassergebieten keine Neubauten mehr zuzulassen.

Eine positive Tendenz kann der Munich-Re-Experte allerdings nicht erkennen. „Ernüchternd ist auch, dass gerade in Regionen Asiens die Lücke zwischen den Schäden und dem Versicherungsschutz in den letzten Jahren nicht kleiner geworden ist“, erklärte Rauch. Das könne in betroffenen Regionen auch zu einem Wohlstandsproblem werden.

Munich-Re-Vorstand Jeworrek appelliert vor diesem Hintergrund offen an die Politik. „Vor fünf Jahren hat sich die Welt in Paris das Ziel gesetzt, die Erderwärmung deutlich unter zwei Grad zu halten“, sagt er. „Es ist Zeit zu handeln.“

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