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„Zukunft der Veranstalter sieht nicht nur düster, sondern schwarz aus“

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Bund und Länder verlängern und verschärfen den Corona-Lockdown bis Ende Januar. Damit stirbt die Hoffnung der Veranstalter, im Frühjahr wieder durchzustarten. Immer mehr geben auf.

Jens Michow ist geschäftsführender Präsident des Bundesverbands der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft (BDKV). Der BDKV vertritt die Interessen von über 420 Unternehmen der Veranstaltungsbranche.

WirtschaftsWoche: Bund und Länder haben eine Verlängerung des Lockdowns beschlossen. Herr Michow, wie wirkt sich das auf die Veranstaltungsbranche aus?
Jens Michow: Die Hoffnung auf einen Neustart rückt zunehmend in die Ferne. Viele Veranstalter haben ihre aufgrund des ersten Lockdowns im vergangenen Frühjahr abgesagten Konzerte in der Hoffnung auf eine Erholung zunächst in den Herbst gelegt – und als die Lage sich erneut verschärfte in das Frühjahr dieses Jahres. Nun werden sie wohl noch ein drittes Mal umplanen müssen. Wobei sich die Frage stellt, auf welchen Zeitpunkt.

Wie gehen die Veranstalter denn mit dieser Ungewissheit um?
Wir erleben es jetzt schon, dass vor allem kleinere Unternehmen aufgeben. Das wird erhebliche Auswirkungen auf die zukünftige Vielfalt des Kulturangebots haben. Den populären Mainstream wird es zwar weiterhin geben, aber Veranstalter von Jazz-, Blues- oder Singer-Songwriter-Konzerten oder Kabarett-Veranstaltungen, mit denen sich nicht so viel Geld verdienen lässt, haben spätestens jetzt die Hoffnung auf bessere Zeiten verloren.

Wenn der Lockdown bis zum Frühling geht – rechnen Sie dann damit, dass auch die großen Unternehmen im Sommer sterben?
Eigentlich wären die Unternehmen schon lange gestorben. Sie hielten sich bisher wie ein Ertrinkender über Wasser, da die Insolvenzantragspflicht bis Ende des Jahres ausgesetzt war. Unternehmen hoffen nach wie vor, dass die Hilfsangebote des Bundes als Rettungsanker dienen können. Aber auch hier sinkt die Hoffnung von Tag zu Tag. Den Überbrückungshilfen und der November-/Dezemberhilfe liegen komplexe Ausführungsbestimmungen zugrunde, die wöchentlich verändert und ergänzt werden. Anstatt Hoffnung macht sich zunehmend Enttäuschung breit.

Wie sollte der Bund vorgehen?
Die Verbände der Veranstaltungswirtschaft fordern seit Mitte vergangenen Jahres ein konkret auf den Wirtschaftszweig zugeschnittenes Hilfsprogramm. Die Veranstaltungsbranche erbringt – wie kein anderer Wirtschaftszweig – seit dem ersten Lockdown ein außerordentliches Sonderopfer zur Bewältigung der Pandemie. Da kann doch niemand erwarten, dass wir, um überhaupt einen Antrag stellen zu können, wochenlang über die Auslegung hochkomplexer Regelwerke brüten, deren Details weder von den Steuerberatern oder Rechtsanwälten noch von der Politik selbst hinreichend transparent gemacht werden können. Es ist ohnehin ein Trugschluss, dass die Politik offenbar immer noch hofft, mit Pauschalprogrammen den unterschiedlichsten Wirtschaftszweigen quasi mit einem Schlag helfen zu können. Sinnvoller wäre es gewesen, für vergleichbare Branchen spezifische Hilfsprogramme anzubieten, die hinreichend verständlich sind und den tatsächlichen Anforderungen gerecht werden. Stattdessen sind alle Programme mit sehr heißer Nadel gestrickt worden, was sich nun zunehmend rächt. Viel zu wenige Gespräche mit Branchenexperten wurden durchgeführt, politische Zielsetzungen scheiterten an den erforderlichen Absprachen mit der EU-Kommission und für die Umsetzung der Programme fehlen häufig Personal und Ressourcen. Die Zeit, die bei der Programmerarbeitung gespart wurde, muss nun doppelt und dreifach in deren Umsetzung investiert werden.

Sehen Sie für die Branche denn noch Hoffnung?
Ohne substanzielle und vor allem auch schnelle Nachbesserungen der Hilfsangebote sieht die Zukunft der Veranstalter nicht nur düster, sondern schwarz aus. Wir haben dem Bundesminister für Wirtschaft ebenso wie dem Bundesfinanzminister seit Mitte vergangenen Jahres mehrfach detailliert in ausführlichen Ausarbeitungen dargelegt, wie unserem Wirtschaftszweig zielgerichtet geholfen werden könnte. Und dabei geht es nicht nur um wirtschaftliche Hilfen, sondern auch um eine Diskussion darüber, wie denn eine Perspektive für einen Neustart aussehen könnte. Man hat uns zugehört und den Wirtschaftszweig endlich auch angemessen wahrgenommen. Herausgekommen sind allerdings leider Programme, die jedenfalls die Veranstaltungsbranche nicht retten werden.

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