Werbung
Deutsche Märkte schließen in 3 Stunden 57 Minuten
  • DAX

    18.451,53
    -179,33 (-0,96%)
     
  • Euro Stoxx 50

    4.990,29
    -44,14 (-0,88%)
     
  • Dow Jones 30

    38.712,21
    -35,21 (-0,09%)
     
  • Gold

    2.326,60
    -28,20 (-1,20%)
     
  • EUR/USD

    1,0790
    -0,0025 (-0,23%)
     
  • Bitcoin EUR

    62.942,92
    +92,82 (+0,15%)
     
  • CMC Crypto 200

    1.426,50
    +13,55 (+0,96%)
     
  • Öl (Brent)

    77,95
    -0,55 (-0,70%)
     
  • MDAX

    26.348,44
    -424,48 (-1,59%)
     
  • TecDAX

    3.435,57
    -26,02 (-0,75%)
     
  • SDAX

    14.773,27
    -275,90 (-1,83%)
     
  • Nikkei 225

    38.720,47
    -156,24 (-0,40%)
     
  • FTSE 100

    8.180,95
    -34,53 (-0,42%)
     
  • CAC 40

    7.776,43
    -88,27 (-1,12%)
     
  • Nasdaq Compositive

    17.608,44
    +264,89 (+1,53%)
     

Zins-Kater wird Risiko des Jahres 2024: Fünf Themen des Tages

(Bloomberg) -- Boris Groendahl über Straffungsfolgen. — Abonnieren Sie unseren Newsletter Fünf Themen des Tages täglich direkt in ihre Mailbox.

Weitere Artikel von Bloomberg auf Deutsch:

Der lange Hangover

Die Übertragung der im Rekordtempo gestrafften Geldpolitik in die Realwirtschaft wird immer deutlicher sichtbar. Auf der Positivseite zeigt sich das daran, dass die Zielinflationsrate der EZB von 2% jetzt schon Anfang 2025 erreicht werden soll (siehe unten), glaubt man der Mehrheit der von Bloomberg befragten Analysten. Die Kehrseite der Medaille freilich ist, dass bei den Unternehmen eine Finanzierung nach der anderen aus der Ära des billigen Geldes abläuft, und die höheren Kreditkosten sich damit nicht mehr nur in Sekundärmarktrenditen zeigen, sondern sich direkt bei den Firmen niederschlagen. Analysten sehen darin für das kommende Jahr “eines der Hauptrisiken” für europäische Aktien, so etwa Joachim Klement von Liberum.

WERBUNG

Experten von Goldman Sachs haben errechnet, dass die Refinanzierung die Unternehmen bereits jetzt mehr als doppelt so viel kostet, wie der Durchschnittskupon der aktuell noch ausstehenden Verbindlichkeiten. Das Aufwärtspotential für die Kosten beziffern sie mit mehr als 2 Prozentpunkten. Ein Problem dürfte das für Small Caps werden, für Unternehmen mit schwächeren Bilanzen und für zyklische Sektoren mit üblicherweise kürzeren Kreditlaufzeiten wie Autobauer, Fluggesellschaften oder Industrieunternehmen.

Die Unternehmensgewinne könnte das um etwa ein Zehntel vermindern, meint Goldman Sachs. Ihre Kollegen von SocGen weisen allerdings darauf hin, dass europäische Firmen nicht im selben Ausmaß verschuldet sind wie jene in anderen Regionen, was den Schlag zumindestens im Vergleich relativieren könnte. Ob Schadenfreude reicht, europäische Treasurer aufzuheitern?

Was Marktteilnehmer heute noch bewegen könnte, berichten Ihnen Rainer Bürgin, Boris Groendahl und Alexander Kell: Alles nicht so einfach, Zentralbank-Dissens, steigende Opferzahlen, scharf aufs Geschäft, und olivgrüne Spendierhosen.

Alles nicht so einfach

“Auf diesem falschen Gleis fahren wir keinen Meter mehr”, hieß es 2018 in einem Brandbrief des Ex-Conti-Chefs Elmar Degenhart. Am Finanzmarkt werde an operativer Leistungsfähigkeit gezweifelt und am Kostenbewusstsein des Managements. Angesichts der Auto-Zeitenwende hin zur E-Mobilität hat der Zulieferer seither mehrfach an der Konzernstruktur geschraubt, inklusive des 2020 angekündigten Abbaus von 30.000 Stellen und des Börsengangs der Antriebssparte Vitesco. Eine wirkliche Trendwende indessen scheint nicht in Sicht. Heute konstatierte das inzwischen von Nikolai Setzer geleitete Management signifikanten Verbesserungsbedarf im Kernbereich Automotive — beim Vertrieb, in der Entwicklung, und der Produktion sowieso. Für Verschlankung und schnelle Entscheidungsprozesse werde alles “ergebnisoffen” unter die Lupe genommen. Die Verwaltungskosten sollen um jährlich 400 Millionen Euro runter. Personaleinschnitte im Bereich dürften im mittleren vierstelligen Bereich liegen.

Zentralbank-Dissens

Von Bloomberg befragte Ökonomen sehen einen Rückgang der Eurozonen-Inflation unter die Zielmarke von 2% Anfang 2025 — früher als von der EZB erwartet. Die Inflationsrate soll im ersten Quartal 2025 bei durchschnittlich 1,9% liegen, ein Rückgang gegenüber der letzten Umfrage, in der noch 2,2% erwartet wurden. Die interne Stabsprojektion der EZB geht davon aus, dass das Ziel erst in der zweiten Jahreshälfte 2025 erreicht wird. EZB-Vize de Guindos sieht einen Trend mittelfristig rückläufiger Inflation, kurzfristig jedoch wegen abklingender Basiseffekte einen vorübergehenden Anstieg. Die Energie- und Nahrungsmittelpreise seien aber “eine große Quelle der Unsicherheit”. Über Zinssenkungen zu sprechen, verbiete sich derzeit. Wie viel geldpolitische Lockerung in den USA einzupreisen ist, darüber gehen die Erwartungen in der Ökonomenzunft weit auseinander. Morgan Stanley prognostiziert, dass die Fed in den nächsten zwei Jahren deutliche Zinssenkungen vornehmen wird und Ende 2025 bei 2,375% landet. Goldman Sachs sieht dann nur 4%-4,25%, was eher auf Höhe der Fed-eigenen Erwartung von 3,9% liegt.

Steigende Opferzahlen

Israel hat seine Offensive gegen die von den USA und der EU als Terrororganisation eingestufte Hamas fortgesetzt und Angriffe im nördlichen Gazastreifen nahe des Flüchtlingslagers Shati durchgeführt, dem drittgrößten der Enklave. Nach israelischen Angaben wurden in dem Gebiet, das sich in einer Zone befindet, die von der Zivilbevölkerung verlassen werden soll, Kämpfer getötet. Laut UN nahm auch der Beschuss in der Nähe von Krankenhäusern zu, von denen Israel behauptet, dass sie der Hamas als Kommandozentralen dienen. Die australische Außenministerin Wong hat Israel aufgefordert, solche Angriffe einzustellen, und rief zu Schritten in Richtung eines Waffenstillstands auf. In London nahmen am Samstag, dem Remembrance Day, mehr als 300.000 Menschen an einer pro-palästinensischen Protestveranstaltung teil, die von rechten Gegendemonstranten gewaltsam gestört wurde. Innenministerin Braverman hatte sich für ein Verbot des Protestmarsches ausgesprochen und warf der Londoner Polizei politische Einseitigkeit im Umgang mit Demonstrationen vor. Heute wurde sie von Premierminister Sunak gefeuert.

Scharf aufs Geschäft

Sechs Wochen lang hat die New Yorker Staatsanwaltschaft im Prozess gegen Donald Trump die Deutsche Bank als das größte Opfer seiner angeberischen Vermögens-Übertreibungen dargestellt. Hunderte von Millionen an Krediten soll der Ex-Präsident durch seine Schwindelei zu besseren Konditionen erhalten haben, als er bei realistischer Darstellung erhalten hätte, so Chefanklägerin Letitia James. Vom heutigen Montag an wird Trumps Verteidigung den Spieß umdrehen. Sie wird zu zeigen versuchen, dass die Frankfurter dem Geschäft mit dem Mogul geradezu hinterhergejagt sind. Im Mittelpunkt steht dabei Trumps wichtigste Kundenbetreuerin Rosemary Vrablic, die Meetings mit dem damaligen CEO Anshu Jain vermittelte und Tochter Ivanka für interne PR-Videos rekrutieren wollte. Dass Investoren in vermeintlich guten Zeiten Immobilien-Geschäft hinterherlaufen und dabei auch mal die kritischen Augen fest verschließen, sieht man dieser Tage bei René Benkos Signa. Übrigens: Bei Trump ging es zumindestens für die Deutsche Bank am Ende ohne Kreditverluste aus.

Olivgrüne Spendierhosen

Die Ampelkoalition hat sich Kreisen zufolge darauf geeinigt, die deutsche Militärhilfe für die Ukraine im nächsten Jahr auf 8 Milliarden Euro zu verdoppeln. Rechnerisch steigen so auch die Verteidigungsausgaben knapp über das Nato-Ziel von 2% des BIP hinaus. Inmitten von Hinweisen, dass die Unterstützung der EU für die Ukraine immer schwieriger sicherzustellen ist, treffen sich heute die Außenminister in Brüssel. Ihre Zusage, der Ukraine bis März 1 Million Schuss Artilleriemunition zu liefern, können die EU-Mitgliedstaaten wohl nicht einhalten. Dem Guardian zufolge hat der Chef der ukrainischen Bodentruppen erklärt, dass Russland damit begonnen habe, Gebiete in der Nähe von Bachmut zurückzuerobern. Angriffe auf Awdijiwka hätten in den vergangenen Tagen nachgelassen, würden aber wahrscheinlich wieder aufflammen. Das erwartet wohl auch Präsident Selenskyj. Unterdessen ist Klimaschutz-Liebling Rockwool auf die ukrainische Liste der Kreml-Kriegsunterstützer geraten — weil seine Dämmstoffe auch für den Bau und die Reparatur russischer Kriegsschiffe verwendet werden.

Was sonst noch passiert ist:

  • Ahoi Hanseatic

  • Friedliche Systemrivalität

  • Drohender US-Shutdown

©2023 Bloomberg L.P.