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Zahl der Neuzulassungen fällt 2021 auf niedrigsten Stand seit Wiedervereinigung

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Neuwagen auf einem Parkplatz (AFP/Patrik Stollarz)

Es sind schwere Zeiten für die Autoindustrie: Die Zahl der Neuzulassungen in Deutschland hat 2021 den niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung erreicht. Insgesamt 2,62 Millionen Neuwagen wurden 2021 angemeldet, das waren gut zehn Prozent weniger als im Vorjahr, wie das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) am Mittwoch mitteilte. Laut dem Verband der Automobilindustrie (VDA) erreichte die deutsche Autoproduktion im vergangenen Jahr außerdem den niedrigsten Stand seit 1975.

Deutliche Rückgänge bei den Neuzulassungen gab es laut den KBA-Zahlen bei Benzinern und Diesel-Fahrzeugen. Benziner hatten zum Jahresabschluss 2021 einen Marktanteil von 37,1 Prozent an den Neuzulassungen, im Vorjahr waren es noch 46,7 Prozent. Die Anzahl der Neuzulassungen von Benzinern sank gegenüber dem Vorjahr um 28,6 Prozent. Noch stärker sanken die Neuzulassungen bei Dieselfahrzeugen, sie nahmen um 36 Prozent ab. Zum Jahresende machten sie 20 Prozent der Neuzulassungen aus, im Vorjahr waren es 28,1 Prozent gewesen.

Laut VDA sank auch die Anzahl der produzierten Autos im Dezember deutlich ab. Demnach liefen rund 256.000 Autos vom Band, das waren elf Prozent weniger als im Vorjahresmonat - es handelte sich um den siebten Monat in Folge mit einem Produktionsrückgang in zweistelliger Höhe. Mit insgesamt 3,1 Millionen produzierten Autos blieb die Inlandsproduktion im Jahr 2021 somit zwölf Prozent unter dem Vorjahreswert und erreichte laut VDA den niedrigsten Stand seit 1975.

Die Unternehmensberatung EY bezeichnete 2021 als "rabenschwarzes Jahr" für die Automobilindustrie. Die Hoffnung auf einen Aufschwung habe sich nicht erfüllt, auch im kommenden Jahr werde das Absatzniveau aus Vor-Pandemiezeiten nicht erreicht werden. Grund seien insbesondere der Mangel an Halbleitern und Vorprodukten. Die Nachfrage nach Elektroautos werde dank Subventionen und attraktiver Modelle jedoch weiter hoch bleiben, prognostizierte EY-Automobilmarktexperte Peter Fuß.

Zu erkennen war die hohe Nachfrage nach Elektroautos auch an deren Zulassungszahlen: Rein batteriebetriebene Fahrzeuge schlossen das Jahr laut KBA bei den Neuzulassungen mit einem deutlichen Plus von 83,3 Prozent ab. Insgesamt 13,6 Prozent der Neuzulassungen entfielen auf reine Elektroautos. Neben batteriebetriebenen Fahrzeugen erfreuten sich auch Hybridfahrzeuge zunehmender Beliebtheit: 28,8 Prozent der Neuzulassungen waren Hybride.

Insbesondere ausländische Marken konnten im Elektro-Bereich ihren Marktanteil ausbauen: Der schwedische Autohersteller Polestar, ein Tochterunternehmen von Volvo und dessen Eigentümer Geely aus China, und das US-Unternehmen Tesla konnten ihre Neuzulassungen um 153,2 Prozent beziehungsweise 137,9 Prozent steigern.

Den Trend hin zur Elektromobilität will Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) weiter beschleunigen. "Wir müssen gemeinsam das Ziel verfolgen, so schnell wie möglich die Attraktivität der E-Mobilität in Deutschland zu erhöhen", sagte Wissing im ARD-"Morgenmagazin".

Die derzeit verfügbare Ladeinfrastruktur sei mit rund 7500 Schnellladepunkten und 43.000 normalen Ladepunkten noch nicht ausreichend. "Das Laden muss einfach sein, es muss überall verfügbar sein", sagte Wissing. Die Bundesregierung arbeite an einer entsprechenden Strategie, um die im Koalitionsvertrag festgesetzten Ziele umzusetzen. Bis 2030 sollen demnach 15 Millionen Elektroautos auf Deutschlands Straßen unterwegs sein.

fho/jm

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