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„Super Spreader“ aus der Sekte – Zahl der Coronavirus-Fälle in Südkorea steigt rasant

Über Nacht haben sich die Infektionen in Südkorea auf 204 Fälle verdoppelt. Das Zentrum der Welle ist eine christliche Sekte in der Stadt Daegu.

Auf ihrer Homepage wirbt die koreanische Shinchonji-Kirche in der Großstadt Daegu mit bunten Massenveranstaltungen in Stadien. Gründer Lee Man Hee verspricht seinen 144.000 Jüngern, sie am Tag des jüngsten Gerichts in den Himmel zu führen. Doch jetzt wurde der christlichen Sekte eine besondere Prüfung auferlegt: In Südkorea wurde sie zu einer Quelle der Coronavirus-Epidemie.

In der vergangenen Woche schien die Lage noch unter Kontrolle. Während beim Nachbarn Japan immer mehr Fälle diagnostiziert wurden, waren die Zahlen in Südkorea stabil. Doch seitdem der erste Fall einer Ansteckung festgestellt wurde, warnte das koreanische Seuchenkontrollamt (KCDC), dass nun eine lokale Ausbreitung bevorstehe. Nun wird diese Ankündigung rasant Realität.

Allein am Freitag gab das Seuchenkontrollamt zunächst 52 neue Fälle bekannt, im Tagesverlauf dann weitere 48. Damit stieg die Gesamtzahl der identifizierten Virenträger auf 204. Präsident Moon Jae In sprach von einer „ernsthaften Situation“. Er habe bei einem Treffen mit Premierminister Chung Sye Kyun dazu aufgerufen, „rasche und starke“ Gegenmaßnahmen zu ergreifen, teilte Moons Büro am Freitag mit.

Am Donnerstag hatten die Behörden den ersten Todesfall in Südkorea in Verbindung mit dem Virus Sars-CoV-2 gemeldet. Nach Medienberichten handelte es sich um einen 63-jährigen Mann, der wegen einer Lungenentzündung in einem Krankenhaus im südöstlichen Cheongdo behandelt wurde. Bei ihm sei das Virus nach dem Tod nachgewiesen worden.

Südkorea überholt nach Zahl der Fälle nun Japan, wenn man dort die Passagiere des Kreuzfahrtschiffs „Diamond Princess“ nicht mitzählt. Die Stadt Daegu und Umgebung wurden sogar zur „Sondermanagementzone“ erklärt. Denn sie ist das Zentrum der neuen Fälle. Genauer gesagt, ist es die Kirche des Kults von Pastor Lee.

„Super Spreader“ aus der Sekte

Nach bisherigen Erkenntnissen schleppte eine 61-jährige Gläubige, offiziell „Patient 31“, bei insgesamt vier Gottesdienstbesuchen das Virus in die Gemeinde ein – und dies sehr effizient. Offenbar litt sie unter Krankheitssymptomen, ließ sich aber nicht testen, weil sie nicht im Ausland gewesen war.

Das Ergebnis: 85 der 100 gemeldeten neuen Fälle wurden unter Gemeindemitgliedern gefunden. Insgesamt wurden damit 126 Anhänger Lees positiv auf das potenziell tödliche Virus getestet.

Wegen der hohen Zahl der Angesteckten nehmen die Behörden nun an, dass es sich bei der Frau um Südkoreas ersten „Super Spreader“ handelt. So werden Personen genannt, die besonders viele Viren verteilen. Das KCDC forderte daher bereits die 1001 örtlichen Gemeindemitglieder auf, sich selbst für 14 Tage unter Quarantäne zu stellen. Und die Kirche erklärte bereits, wie leid es ihr tue, dass ein Gemeindemitglied der Gemeinschaft Sorgen bereitet habe.

Die Stadt Daegu verschärfte ebenfalls ihr Krisenmanagement, schloss Kindergärten und öffentliche Bibliotheken. Die Einkaufszonen der 2,5 Millionen Einwohner zählenden Großstadt sind ausgestorben. Selbst ein Konzert der koreanischen Kultband BTS, das für den 8. März geplant war, wurde sicherheitshalber verschoben. Daegus Bürgermeister Kwon Young Hin rechtfertigte diese Schritte: „Wir sind in einer noch nie dagewesenen Krise.“

Noch ist nicht klar, wie weit die Epidemie um sich greifen wird. Nach Ansicht des KCDC befindet sich das Land noch in einer frühen Phase eines möglichen Ausbruchs. Es hat daher bisher auch noch nicht die offizielle Alarmstufe von „Orange“ auf die höchste Stufe „Rot“ erhöht. Aber Gesundheitsminister Park Neung Hoo versprach vor Journalisten am Freitagmorgen eines: Das Krisenmanagement werde bereits entsprechend der höchsten Alarmstufe durchgeführt.