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"Ich wurde als Streber abgestempelt": Horizn-Gründer Stefan Holwe über die Zeit vor seinem Erfolg

·Lesedauer: 5 Min.
Seriengründer, passionierter Weltenbummler und jetzt mit dem selbsterfundenen Koffer unterwegs: Stefan Holwe, CEO des Reisegepäck-Startups Horizn, gibt uns im Interview Einblicke in seine Kindheit und Jugendjahre.
Seriengründer, passionierter Weltenbummler und jetzt mit dem selbsterfundenen Koffer unterwegs: Stefan Holwe, CEO des Reisegepäck-Startups Horizn, gibt uns im Interview Einblicke in seine Kindheit und Jugendjahre.

Stefan Holwe weiß, wie man erfolgreich gründet: Mit 26 Jahren startete er sein erstes Unternehmen, eine Online-Werbeagentur. Vier Jahre später baute er zusätzlich eine digitale Marketing-Agentur auf und beide Firmen wurden vom Software-Konzern IBM übernommen. Mit seinem jüngsten Startup Horizn Studios geht er seit 2015 seiner Passion nach: dem Reisen. Horizn Studios verkauft Koffer und Gepäck für Millennials: Trolleys mit Instagram-tauglichem Design, aus nachhaltigen Materialien und mit modernen Features für unterwegs, wie wasserabweisende Laptop-Taschen, GPS-Tracking und integrierten Powerbanks.

Die Corona-Krise und die damit verbundenen Reisebeschränkungen ließen sein millionenfinanziertes Startup fast in die Knie gehen. Risikokapitalgeber legten kein Geld mehr nach, die Belegschaft musste um ein Viertel auf 35 Angestellte gekürzt werden. Horizn meldete im April 2020 ein vorläufiges Insolvenzverfahren an. Aber Holwe dachte nicht ans Aufgeben. Mit Unterstützung von Privatinvestoren kämpften er und sein Mitgründer Jan Hendrik-Roosen gegen die Folgen der Pandemie. Mit Erfolg: Inzwischen ist Horizn laut Firmenangaben wieder profitabel und knüpft an die Umsätze von 2019 an.

Im Flashback-Interview blickt Holwe zurück. Er erzählt, woher seine mentale Ausdauer kommt, aus welchem Grund er seinen festen Job für ein Startup aufgab und warum es ihm zufolge letzten Endes etwas Gutes hatte, dass er von seinen Mitschülern gehänselt wurde.

Stefan, schwere Frage gleich am Anfang: Wer hat dich deiner Meinung nach in deiner Kindheit am meisten geprägt?

Zuallererst meine Familie: Empathie, Zuhören und gute Antennen für andere zu haben, wurde bei meinen Eltern groß geschrieben. Sport und Freunde spielten immer eine wichtige Rolle. Beim Tennis und Hockey habe ich gelernt, wie man ein Spiel im Kopf gewinnt, und nie aufgibt. Ich hatte schon früh ein besonderes Fernweh und bin viel gereist. Gern allein und möglichst weit weg, das Unbekannte hat mich angezogen. Das ist noch heute so.

Gab es in deiner Kindheit oder deiner Jugend bestimmte Schlüsselmomente?

In der Grundschule wurde ich als Streber abgestempelt, weil mir die Schule leicht fiel. Da habe ich mir ein dickes Fell zugelegt – das schadet mir bis heute nicht.

Als Jugendlicher habe ich viel Zeit auf dem Tennis- oder Hockeyplatz verbracht, daher drehen sich die meisten Erinnerungen darum. In mehreren Situationen habe ich damals gelernt, dass Talent in der Regel nicht ausreicht, um etwas Ambitioniertes zu erreichen. Du musst richtig reinhauen. Der wesentliche Beitrag kommt durch hartes Training und mentale Stärke. Ich erinnere mich an beinahe aussichtslose Spielstände, die wir lernten, doch noch zu drehen.

Und später?

Später – zu Beginn meines beruflichen Werdegangs – war ich in zwei Konzernen tätig, um dort festzustellen: Hier muss ich mich zu sehr anpassen und kann nicht genug ich selbst sein.

Mit 26 gründete ich dann mit zwei Freunden mein erstes Unternehmen, in dem das anders war. Dass Menschen bei der Arbeit sie selbst sein können, ist mir heute noch sehr wichtig.

An welches Kindheitserlebnis erinnerst du dich mit Freude zurück?

Familienurlaube an der französischen Atlantikküste. Freiheit und gleichzeitig Geborgenheit.

Wie hast du dich für die Gründung deines ersten Startups, einer Marketing-Agentur, entschieden?

Mein erstes Unternehmen habe ich vor 20 Jahren mit zwei Freunden in Berlin gegründet, kurz nachdem ich als Digital-Marketing-Berater bei einem großen Telekommunikations-Unternehmen begonnen hatte. Meine beiden Freunde hatten das Projekt initiiert und mich eingeladen, mitzumachen. Es roch nach einem kreativen Abenteuer: tagsüber mit Freunden arbeiten und abends Berlin unsicher machen. Großartig. Ich gab den Job auf, zog um und wir bauten gemeinsam innerhalb von drei Jahren eine Marketing-Agentur auf, mit über 100 Beschäftigten und mit globalen Blue-Chip Kunden.

Welche ersten Hürden musstest du nach deinem Entschluss zur Gründung überwinden?

Es ging natürlich nicht nur aufwärts: Die Finanzkrise hatte uns 2009 sehr abrupt in die Knie gezwungen. Ein signifikanter Teil unserer Kunden waren Automobilhersteller und davon stark betroffen. Das Navigieren durch die Krise damals war sehr hart, aber auch eine wichtige Schule. Und bis heute ist es natürlich so, dass man regelmäßig auch mal Gegenwind erfährt. Mit Horizn Studios sind wir nun recht gut bis ans sichtbare Ende der Pandemie gekommen und wachsen bereits wieder ordentlich.

Wie unterscheidet sich dein heutiger Charakter von deinem früheren? Warst du vor deiner Gründung anders?

Das ist schwierig für mich zu beantworten. Ich möchte glauben, dass ich viel dazu gelernt habe über die Jahre. Mein Charakter hat sich, denke ich, nicht wesentlich verändert. Ich war schon immer recht direkt und zielorientiert. Heute bin ich das noch immer, allerdings wahrscheinlich ein wenig überlegter und feinfühliger als früher.

Welchen Tipp kannst du anderen Gründern geben?

Ich persönlich empfehle Gründerteams und würde immer mit jemandem zusammen gründen, der komplementär zu dir ist. Bist du ein guter Stürmer, suche dir einen Verteidiger. Du kannst nicht überall sein.

Wenn du die Zeit zurückdrehen könntest: Würdest du auf dem Weg zur Gründung von Horizn etwas anders machen?

Für unternehmerischen Erfolg müssen eine Menge Dinge zusammenkommen, von einer guten Idee über einen starken Business-Plan bis hin zu exekutionsstarken Gründern, tragenden Teammitgliedern und oftmals den richtigen Investoren. Die Kunst ist es meines Erachtens, all diese Dinge ausreichend tief zu planen und gleichzeitig auch nicht zu verkopft heranzugehen. Das klingt ein bisschen wie ein Paradoxon, ich weiß. Ich habe in meinen Unternehmen nicht an alles gedacht, beziehungsweise ganz zu Beginn gar nicht ausreichend gewusst, um alles richtig zu machen. Aber es war eben mein Weg, und zu diesem gehörte immer eine steile Lernkurve, bis heute.

Was glaubst du: Wie würde dein bester Freund dich in einem Satz beschreiben?

Ich hoffe, er würde sagen: Stefan ist warmherzig, ehrlich und immer für einen da. Wahrscheinlich würde er aber tatsächlich sagen: Stefan arbeitet zu viel und ist immer für dich da, wenn es darauf ankommt.

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