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Workation: Ich habe drei Monate lang von Thailand aus gearbeitet — mit diesen Kosten solltet ihr rechnen

·Lesedauer: 7 Min.
Dem Winter entfliehen: Unsere Autorin hat das in Thailand geschafft.
Dem Winter entfliehen: Unsere Autorin hat das in Thailand geschafft.

Einfach mal ein paar Monate dem kalten bayrischen Winter entfliehen und sich irgendwo in warmen Gefilden niederlassen – das war ursprünglich die Idee. Doch dann kam Corona und die Pläne mussten auf Eis gelegt werden. Anderthalb Jahre später war es dann doch soweit und ich saß mit meinem Partner im Flieger nach Thailand.

Unser Gesamtbudget lag monatlich bei etwa 2500 Euro pro Person. Dafür war wirklich jeder einzelne Tag ein absolutes Highlight. Wer stärker aufs Budget achten möchte, kann bereits ab circa 800 Euro pro Monat gut in Thailand leben. Kein Wunder, dass hier vor allem auch viele Rentner aus England oder Frankreich vorzufinden sind. Denn so kann man es sich auch mit einer kleinen Rente gutgehen lassen.

Unsere Autorin in Thailand.
Unsere Autorin in Thailand.

Finanziert habe ich die Reise mit Rücklagen, die ich zuvor privat aufgebaut hatte. Da ich mittlerweile auch Gehälter zu zahlen habe, stehen diese natürlich im Vordergrund und dürfen von meinen privaten Lebenshaltungskosten nicht gefährdet werden. Wer als digitaler Nomade arbeiten möchte, findet in Thailand allerdings die perfekten Voraussetzungen: schnelles Internet, traumhafte Strände, gutes Essen und wahnsinnig nette Menschen, zu denen man schnell Anschluss findet.

Die Vorbereitung: 1200 Euro, bevor es losgeht

Zunächst einmal musste geklärt werden, welcher Zeitraum überhaupt möglich ist. Dreimal im Jahr findet ein Bootcamp statt, das ich anbiete. Es ist ein sechswöchiger Kurs, bei dem ich Frauen bei ihrer Finanzplanung begleite. Auch wenn der Kurs digital stattfindet, muss trotzdem einiges vor Ort organisiert werden. Damit war klar: Ende Januar muss ich wieder in Deutschland sein, was bedeutet: Weihnachten wird diesmal ohne Familie gefeiert. Als die Entscheidung gefallen war, fing der ganze Papierkram an.

Statt einfach mit Reisepass und Handy-Ticket zu reisen, hatten wir Din-A4-Briefumschläge mit allen nötigen Dokumenten dabei. Dazu gehörten die Bestätigung eines speziellen Safety-and-Health-Hotels (SHA-Hotel), für das wir pro Person 400 Euro gezahlt haben, Versicherungs-Police, damit wir im Falle einer Coronainfektion die Krankenhauskosten zahlen können (110 Euro) und zusätzliche Reiseversicherung (69 Euro), einen negativen PCR-Test auf Englisch – inklusive der Passnummer (70 Euro), die Bestätigung eines vorab bezahlten PCR-Tests, der am Flughafen in Phuket erfolgte (90 Euro), das Visum (35 Euro) und natürlich das Flugticket (600 Euro). Zudem mussten wir schon vorher einen sogenannten Thai-Pass beantragen, für den man all diese Unterlagen inklusive Impfbestätigung hochladen musste.

Immer dabei: der Laptop.
Immer dabei: der Laptop.

So lagen die Kosten pro Person bei 1284 Euro, noch bevor es losging. Insgesamt standen allerdings zusätzlich noch 14 Übernachtungen in Hotels an.

Je nachdem, welchen Job ihr macht, braucht ihr übrigens eine Arbeitserlaubnis, also einen "Work Permit." Informiert euch am besten vorher in der jeweiligen Botschaft, ob ihr einen benötigt. Diese Anwaltskanzlei aus Thailand hat speziell für digitale Nomaden einen interessanten Blogbeitrag dazu geschrieben, mit Beispielfällen.

Bangen bis zum Schluss

Meine größte Sorge war, dass uns am Flughafen doch noch irgendeine Bestätigung fehlt. Am Zielflughafen angekommen wurde allen Passagieren im Vorbeigehen die Temperatur gemessen und wir konnten auf Plastikstühlen Platz nehmen. An dieser Stelle ein großes Lob an die gute Organisation vor Ort: Während der Wartezeit wurden unsere Papiere überprüft und in der richtigen Reihenfolge sortiert. Dann wurden wir von Schalter zu Schalter geschickt, um unsere Papiere abzugeben. Innerhalb einer halben Stunde waren wir fertig – schneller bin ich noch nie außerhalb Europas eingereist. Vor dem Flughafen standen kleine Testboxen. Damit war auch der letzte Schritt – der PCR-Test vor Ort – erfüllt. Unser Hotelzimmer durften wir erst verlassen, als das negative Testergebnis vorlag, was etwa vier Stunden gedauert hat. Zum Glück gab es einen Balkon und Zimmer-Service. Im Zweifel liefern hier die Supermärkte allerdings auch Essen ins Hotel!

Budget-Planung

Für die Planung haben wir eine Google-Tabelle erstellt und dort all unsere Wunsch-Unterkünfte eingetragen, um uns einen Überblick darüber zu verschaffen, wie viel die Reise kosten würde und wie hoch der durchschnittliche Preis pro Nacht sein würde. Hier gibt es gewaltige Unterschiede, ob man im November reist, oder im Januar. Zu Silvester beispielsweise war die Insel auch voll mit vielen Thais, die ein paar Tage am Strand verbringen wollten. Das ist definitiv die teuerste Reisezeit. Ansonsten haben wir die App Splitwise genutzt, um hier einen Überblick über unsere täglichen Ausgaben zu behalten. Vor allem, wenn man kein gemeinsames Konto hat, ist es praktisch.

Kosten vor Ort

Ursprünglich waren insgesamt neun Stopps geplant: Phuket, Krabi, Koh Samui, Koh Phangan, Koh Tao, Bangkok, Koh Chang, Koh Kut, Koh Mak. Am Ende wurden es nur vier. In Phuket haben wir unseren Hotelaufenthalt um eine weitere Woche verlängert, die uns weitere 580 Euro gekostet hat. Dazu muss man sagen, handelte es sich um ein Fünf-Sterne-Hotel – mit einem grandiosen Frühstück. Bereits vor der Reise war klar, dass wir Wert auf Komfort legen. Insgesamt wechselten wir während unserer Reise zwischen Fünf-Sterne-Hotels und AirBnbs. Daher war dies auch mit Abstand der größte Kostenpunkt. Für Übernachtungen haben wir im Durchschnitt 100 Euro pro Nacht ausgegeben, wobei hier die Preise zwischen 30 Euro (für ein Airbnb mit Gemeinschaftspool) und 300 Euro (für eine Strandvilla mit Privatpool in einem Fünf-Sterne-Resort) lagen. Letztere haben wir uns für die Zeit von Weihnachten bis Silvester gegönnt. Grundsätzlich muss man aber wissen: Wer mit weniger Komfort zufrieden ist, kann auch für 15 Euro pro Nacht gut wohnen! Die günstigsten Angebote, die ich gesehen habe, lagen bei 50 Euro für einen ganzen Monat. Das findet man aber sicherlich nicht im Internet, sondern indem man die Gegend direkt erkundet.

Die private Strand-Villa, in der unsere Autorin Weihnachten und Silvester verbrachte.
Die private Strand-Villa, in der unsere Autorin Weihnachten und Silvester verbrachte.

Kommen wir zu der wichtigsten Sache, dem Essen. Wer schon einmal in Thailand war, weiß, dass hier kulinarisch einiges geboten wird: Vom Streetfood am Straßenrand bis zum Michelin-Restaurant bekommt man hier alles. Manchmal auch zusammen: Allein in Phuket gibt es 21 Streetfood-Imbisse, die vom Michelin-Guide empfohlen werden. Sehr beliebt sind auch die Nachtmärkte, auf denen man sich für ein bis zwei Euro pro Gericht durchschlemmen kann. Für Essen und Trinken haben wir im Durchschnitt zwölf Euro pro Person und Tag ausgegeben. Wobei auch hier die Bandbreite zwischen zwei Euro und 80 Euro pro Mahlzeit lag. Dazu muss ich sagen: Das beste Essen hatte ich bisher am Straßenrand, dafür eine Fischvergiftung im Fünf-Sterne-Resort.

Übrigens: Wer auf Alkohol verzichtet, kann diesen Kostenpunkt nochmals um einiges nach unten drücken. Die Bierpreise sind vergleichbar mit deutschen Preisen und wer Wein möchte, zahlt im Supermarkt durchschnittlich 20 Euro pro Flasche. Die Qualität fällt dabei unter den Begriff Tafelwein. Es gibt sogar thailändischen Wein. Allerdings wird dieser genauso hoch besteuert wie importierter Wein und ist auch nicht günstiger zu haben.

Internet und Co-Working-Spaces

Wer digital arbeiten muss, braucht natürlich vor allem eins: schnelles und zuverlässiges Internet. Dazu muss man wissen: In Thailand haben selbst manch kleine Inseln Glasfasernetz. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kauft sich eine SIM-Karte mit vier Mbps und unlimitiertem Datenvolumen für 30 Euro im Monat. Damit hatte ich selbst auf hoher See besten Empfang und konnte problemlos in sekundenschnelle Videos per WhatsApp verschicken.

Es gibt auch überall Co-Working-Spaces, teils inklusive Unterkunft. Die haben wir allerdings nie genutzt, da entweder die Hotels über kostenfreie Meetingräume sowie Co-Working-Spaces verfügten oder wir Airbnbs hatten, die groß genug waren, um sich für ein Telefonat zurückzuziehen.

Arbeiten vom Hotelzimmer aus.
Arbeiten vom Hotelzimmer aus.

Sonstige Kosten

Je nachdem, was man sonst noch braucht, kommen auch weitere Kosten für Transport oder Freizeit auf. Für einen Roller zahlt man zwischen sechs und acht Euro am Tag. Und den braucht man hier auch. Denn eine Taxifahrt ist genauso teuer wie in München und man sollte immer mit mindestens acht Euro pro Strecke rechnen – egal, wie kurz. Ausflüge sind dafür sehr günstig: Bereits ab 15 Euro kann man einen Halbtagsausflug inklusive Inselhopping, Schnorcheln, Mittagessen und Transfer buchen. Das sind dann Gruppentouren, die man meist mit etwa 30 bis 40 Personen macht. Angesichts der weltweit steigenden Coronafälle hatten wir jedoch beschlossen, ein Privatboot zu mieten. So konnten wir flexibler sein und den Tag so gestalten, wie wir wollten. Kostenpunkt: 200 Euro für einen ganzen Tag. Das war uns aber das Schnorcheln mit Haien und Schildkröten aber wert. Zusätzlich haben wir insgesamt ungefähr 250 Euro pro Person für Fährentickets, Inlandsflüge und Taxifahrten gezahlt.

Uns hat das Arbeiten im Warmen sehr überzeugt. Und die nächste Workation ist bereits in Planung.

Das Hotel in Phuket.
Das Hotel in Phuket.

Margarethe Honisch ist Finanzbloggerin und Buchautorin. Auf ihrer Website Fortunalista und ihrem gleichnamigen Instagram-Account gibt sie Tipps rund um Altersvorsorge und Geldanlage. Für Business Insider schreibt sie die Kolumne „Aus Geld mehr machen“.

Dieser Artikel wurde zuletzt am 21. Januar 2022 aktualisiert. Er wurde am 17. Januar 2022 veröffentlicht.

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