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„Wir wollen verständnisvolle Führungskräfte“ – was drei junge Arbeitnehmer der Generation Z vom Job erwarten

Finn Thesenvitz (v.l.n.r.), Fabienne Buck und Sharis Essayan gehören zur Generation Z.  - Copyright: Getty Images / Sisi Liu, drogatnev / Finn Thesenvitz, Sharis Essayan, Fabienne Buck
Finn Thesenvitz (v.l.n.r.), Fabienne Buck und Sharis Essayan gehören zur Generation Z. - Copyright: Getty Images / Sisi Liu, drogatnev / Finn Thesenvitz, Sharis Essayan, Fabienne Buck

„Die jungen Menschen wollen eh nicht mehr arbeiten“
„Eure Generation ist überempfindlich und faul“
„Die wollen alle nicht mehr ins Büro kommen und nur zuhause bleiben“

Es sind die ewigen Klischees, die sich jede junge Generation anhören muss – aktuell ist es die Generation Z, die sich mit Vorurteilen konfrontiert sieht, während sie in den Arbeitsmarkt eintritt. Die Generation Z (also die Jahrgänge 1997 bis 2012) trifft am Arbeitsplatz auf ältere Generationen, die ihre Arbeitsweise schon etabliert haben. Und die Berufseinsteiger stellen Arbeitgeber und Führungskräfte vor offene Fragen: Was treibt diese jungen Menschen an? Was ist ihnen wichtig? Was wünschen sie sich in ihrer Karriere?

Business Insider hat mit drei Gen-Z-Mitarbeitern gesprochen, die gerade am Beginn ihrer Karriere sind. Als Vertreter der jungen Generation erzählen Finn Thesenvitz, Fabienne Buck und Sharis Essayan, was sie sich für eine Arbeitskultur wünschen, wie Arbeitgeber für junge Menschen attraktiv werden können und welche Rolle ihr Beruf in ihrem Leben spielt.

Welche Kommunikationskultur wünschen sich Gen-Z-Mitarbeiter?

Glaubt man den Stereotypen, ist die Gen Z für eine Generation, die Feedback nicht aushalten kann und sie als Kritik empfindet. Aber stimmt das überhaupt?

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"Besonders zu Beginn meiner beruflichen Laufbahn halte ich konstruktive Hinweise für entscheidend", sagt Sharis Essayan. Essayan arbeitet seit einem knappen Jahr als Business Analystin beim Beratungsunternehmen Accenture. Die 24-Jährige findet jedoch auch, dass Führungskräfte ein offenes Ohr für die Anliegen ihrer Mitarbeiter haben und ihre gute Arbeit nicht unbelohnt lassen sollten.

Schon während ihres Studiums in International Business Administration in China, den USA, Spanien und Deutschland sammelte Essayan Erfahrung bei unterschiedlichen Unternehmen als Werkstudentin oder Praktikantin. Heute ist ihr vor allem eins wichtig: eine Arbeitskultur der gegenseitigen Anerkennung.

Und die 22-jährige VWL-Absolventin Fabienne Buck hat davon eine klare Vorstellung, wie diese Kommunikationskultur auszusehen hat. Buck sammelte während ihrer Studienzeit sowohl in Praktika als auch in Austauschprogrammen erste Arbeitserfahrungen in Deutschland und den USA. Was für sie eine gute Führungskraft auszeichet: eine Kombination aus klarer Anweisung und verständnisvollem Umgang.

"Auf der einen Seite finde ich es wichtig, klar gesagt zu bekommen, welche Erwartungen ich erfüllen muss, um einen guten Job zu machen", meint Buck. "Gleichzeitig sollte mir eine gute Führungskraft das Gefühl vermitteln, dass sie weiß, wo die Grenzen des Machbaren liegen". Die gelehrte Volkswirtin ist der Auffassung, dass Führungskräfte das Wohlergehen ihrer Teammitglieder im Blick behalten und eine Vorstellung davon haben sollten, was sich die Teammitglieder von ihr künftig wünschen.

Auch dem jungen Personalberater Finn Thesenvitz liegt Feedback am Herzen. "Ich entwickle mich stetig durch meine wöchentliche Reflexion mit meinem Teamleiter", meint der 22-Jährige Associate Recruitment Consultant in der Personalberatungsbranche. Thesenvitz studierte Betriebswirtschaftslehre und Industriemanagement als dualer Student in Berlin. Was in seinen Augen eine gute Arbeitsatmosphäre ausmacht, bei der Mitarbeiter motiviert bleiben? Annerkennung für gute Leistung und weiter: "Sowohl Lob als auch leistungsgerechte Bezahlung gehören dazu."

Benefits: Was macht einen Arbeitgeber für die Gen Z attraktiv?

"Am meisten schätze ich ein angenehmes Miteinander: angenehmes Arbeitsklima, flache Hierarchien und Teamspirit", sagt Thesenvitz. Buck stimmt dem zu – die junge Volkswirtin ist überzeugt, junge Berufseinsteiger fühlten sich nur in einer offenen Kommunikationskultur sofort wohl und hätten dann auch keine Scheu, Fragen zu stellen. Auch Essayan ist es wichtig, "in der eigenen Rolle zufrieden zu sein, damit wir uns weiterentwickeln können".

Dafür brauche es vor allem den zwischenmenschlichen Austausch zwischen Arbeitskollegen, sagt Essayan. Seit der Pandemie sei es besonders herausfordernd, diesen Kontakt herzustellen. Doch nichtsdestotrotz bleiben Flexibilität im Beruf und Home Office-Möglichkeiten ein Hauptanliegen der jungen Generation. So zeigt eine Umfrage des Unternehmens Zenjob aus dem Jahr 2022, dass nur die Vereinbarkeit mit dem Privatleben und die Arbeitsplatzsicherheit der Gen Z wichtiger sind als die Flexibilität im Beruf.

Für Essayan sei Flexibilität sogar die Voraussetzung dafür, Arbeit und Privatleben besser in Einklang zu bringen. Die Business Analystin schätzt die Vorteile, die in den letzten Jahren immer verbreiteter wurden und vermutet, dass diese in Zukunft selbstverständlicher sein werden.

Volkswirtin Buck und Rekrutierungsberater Thesenvitz stimmen dem zu: Arbeitgeber von heute können sich mit den Vorteilen von gestern nicht mehr hervortun. Solche "Vorteile" seien mittlerweile eine Selbstverständlichkeit, findet Buck. Thesenvitz könnte sich erst bei weiterreichenden Vorteilen – wie die Möglichkeit für Sabbaticals oder Workations – vorstellen, Abstriche im Gehalt hinzunehmen.

Essayan zufolge sollten heutzutage solche „Vorteile“ wie Weiterbildungsmöglichkeiten und Flexibilität zum Grundstandard eines Arbeitgebers gehören. Idealerweise profitierten sowohl die jungen Berufseinsteiger als auch ihre Führungskräfte und Unternehmensleitung davon.

Karriere als Teil der persönlichen Identität

Jeder zweite Gen-Z-Mitarbeiter empfindet seinen Beruf als einen wichtigen Teil seiner Identität. Das ist das Ergebnis einer weltweiten Umfrage des Finanzunternehmens Deloitte. "Arbeit ist für uns nicht mehr nur ein Einkommensfaktor. Viele wollen sich in der Arbeit selbst verwirklichen und ihre Leidenschaft zum Beruf machen", erklärt auch Essayan. Der Arbeitskräftemangel gebe jungen Menschen die Freiheit bei der Arbeitgeberauswahl.

Volkswirtin Buck empfiehlt Arbeitgeber, die für junge Menschen attraktiver werden wollen, "ein gutes Narrativ darüber zu entwickeln, was junge Menschen durch den Job bewegen können". Für sie sei ihre Karriere "ein sinnstiftender Teil ihrer Identität". Auch Essayan bezeichnet ihren Beruf als identitätsstiftend.

Diversität, Klimaschutz und Nachhaligkeit – wie wichtig sind die Werte des Arbeitgebers?

Darum bemühen sich auch immer Mitarbeiter darum, Arbeitgeber zu finden, die sich für bestimmte Werte positionieren. In einer Stepstone-Umfrage aus dem Jahr 2020 war es für drei Viertel der Befragten wichtig, dass ihr Arbeitgeber sich für Vielfalt, Offenheit und Chancengleichheit einsetzt. Eine weitere Stepstone-Umfrage aus dem Jahr 2019 zeigt ein ähnliches Ergebnis bezüglich Klimaschutz und Nachhaltigkeit.

Auch Business Analystin Essayan würde ungern bei einem Unternehmen arbeiten, dessen Werte sie in keiner Weise unterstütze. Die 24-Jährige habe bei Jobsuchen ihre Arbeitgeber sorgfältig geprüft, dennoch überwiegen bei ihr andere Faktoren – wie etwa die Arbeitskultur und das Miteinander unter den Kollegen. "Schließlich muss jeder seine eigene Bilanz ziehen", sagt Essayan.

Und diese Bilanz zieht auch der Rekrutierungsberater Thesenvitz. Wichtiger als Unternehmenswerte sind für ihn das Arbeitsklima und das Unternehmensziel. "Politik hat für mich am Arbeitsplatz nicht viel zu suchen und lenkt meiner Meinung nach nur ab, wenn es zu viel thematisiert wird", sagt er. Arbeitgeber könnten sich dem Personalberater zufolge eher durch überdurchschnittliche Bezahlung hervorheben.

Für die Volkswirtin Buck hingegen spielen die Unternehmenswerte eine wichtige Rolle, sofern sie keine bloßen Lippenbekenntnisse seien, sagt sie. Für die 22-Jährige muss ein Arbeitnehmer seine Werte vor allem im Umgang mit seinen Mitarbeitern konsequent umsetzen. Ist ein Unternehmen dazu nicht bereit, dann sollte es die ethische Positionierung lieber bleiben lassen, findet sie.