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Sie wollen Gorillas oder Flink mit kleinen Robotern zu echten Tech-Firmen machen

Nahmen die Spielidee, die ein US-Postmitarbeiter schon 1870 hatte und bauten ein Unternehmen damit auf: die Noyes-Gründer Marco Prüglmeier und Aaron Spiegelburg.
Nahmen die Spielidee, die ein US-Postmitarbeiter schon 1870 hatte und bauten ein Unternehmen damit auf: die Noyes-Gründer Marco Prüglmeier und Aaron Spiegelburg.

Bot13 heißt eines der Roboter-Gefährte. Es ist einer der Prototypen des Münchener Startups Noyes und weiß sich in Szene zu setzen – nicht nur in der Präsentation der Firma taucht der rollende Roboter auf, auch bei der Vorführung im Demo-Lager in der Leopoldstraße 37a hat sich Bot13 geschickt so positioniert, dass er gleich auffällt.

Aber von vorn. Noyes ist das Startup von Aaron Spiegelburg und Marco Prüglmeier und entwickelt ein Lagersystem für kleinere Räumlichkeiten. „Es geht also nicht um Industrielagerhallen, dafür gibt es schon andere Lösungen“, sagt Prüglmeier im Gespräch mit Gründerszene. Worauf es Noyes abgesehen hat, sind zum Beispiel die kleineren „Dark Stores“, die dezentralen Warenlager von Schnelllieferdiensten wie Gorillas, Flink oder Getir.

Dafür haben die ehemaligen BMW-Manager ein Lagersystem entwickelt, das automatisch die bestellten Produkte für die sogenannten Picker, also die Lagermitarbeiter, an einem kleinen Ausgabefach zur Verfügung stellt. Diese scannen sie, packen sie in Tüten, und übergeben sie an die Rider, die sie dann wiederum zu den Kunden bringen.

Ein US-Postbote sorgte für die Grundlage – im Jahr 1870

Was das Noyes-System besser machen soll als herkömmliche Regalsysteme, ist die Effizienz. „Denn erstens müssen die Picker nun nicht mehr durch die Regale der meist eher klassisch ausgestatteten Lager der Schnelllieferdienste laufen, um die Produkte zu finden“, so Prüglmeier. Das übernehmen Bot13 und seine Kollegen. „Zweitens kann der zur Verfügung stehende Lagerplatz deutlich besser genutzt werden.“ Denn die Roboter spielen ein geschicktes Verschieben der Lagerkisten, um diejenigen, die gerade gebraucht werden, zum Ausgabefach zu bugsieren.

Unter dem Träger und der Lagerkiste hat er sich versteckt: der Bot13
Unter dem Träger und der Lagerkiste hat er sich versteckt: der Bot13

Als Schiebespiel oder Fünfzehner-Spiel gibt es das Konzept auch für Kinder: In einem Vier-mal-vier-flächigem Feld müssen Zahlenkästchen durch Verschieben in die richtige Reihenfolge gebracht werden. Ein freies Feld bleibt zum Rangieren. Erfunden hat das Spiel ursprünglich der US-Postangestellte Noyes Palmer Chapman – davon leitet sich übrigens auch der Name des Startups ab.

Spiegelburg und Prüglmeier haben das Prinzip weiterentwickelt und die kleinen Roboter mit einem eigenen Algorithmus angelernt, der das Sortieren der Kisten steuert. Weil das auf mehreren Ebenen unabhängig passieren kann, soll es deutlich schneller gehen als manuelles Picken. Und kann sogar noch mehr auf Geschwindigkeit optimiert werden, wenn mehr Felder frei bleiben. Was dann allerdings auf Kosten der Lagereffizienz ginge.

„Mehr Roboter sortieren schneller“

Nach viel Prototyping und Testen gibt es das Noyes-Lagersystem nun auch zu kaufen. Gespräche gebe es mit mehreren Anbietern, genaueres wollen die Gründer allerdings nicht verraten. Der Preis ab 50.000 Euro soll Bot13 und seine Mitsortierer den potenziellen Kunden schmackhaft machen, hoffen Spiegelburg und Prüglmeier. Erste Systeme sollen im zweiten Halbjahr bei den ersten Kunden stehen. Was fest installiert wird, muss gekauft werden. Die Lagereinrichtigung – also die Fächer – verkauft das Unternehmen, die Roboter lassen sich auch mieten. „Damit können wir auch Lastspitzen etwa im Weihnachtsgeschäft abfedern – mehr Roboter sortieren schneller“, sagt Prüglmeier.

So sehen die Noyes-Module aus. Mit unterschiedlich platzierbaren Ausgabefächern sollen sich die City-Lager beliebig ausbauen lassen – und sogar um Säulen herum  gebaut werden können.
So sehen die Noyes-Module aus. Mit unterschiedlich platzierbaren Ausgabefächern sollen sich die City-Lager beliebig ausbauen lassen – und sogar um Säulen herum gebaut werden können.

Für ihre Lösung hatten die Gründer vor etwa einem Jahr in einer Seed-Runde Geld von bekannten Investoren eingesammelt: 3,2 Millionen Euro bekamen sie vom Technologieinvestor Vsquared sowie den Fonds 468 Capital und Abacon Capital. Den absoluten Großteil ihrer Firma besitzen die Gründer des eineinhalb Jahre alten Unternehmens noch selbst. Auch wenn das Geschäft jetzt anläuft, wollen sie wieder Kapital aufnehmen – um die eigenen Ideen umzusetzen.

Denn die jetzt fertigen Lagersysteme für Quick- und E-Commerce-Anbieter, Industrieanwendungen, Lebensmittelhandel oder Postdienstleistungen sind nur der Anfang in der Vision der beiden Gründer. An einer Version mit Roboterarmen arbeite das 40-köpfige Noyes-Team bereits, „aber zunächst nur für bestimmte Produkte, einige Sachen können Menschen noch besser“, sagt Prüglmeier. Eine Anbindung an ferngesteuerte Lieferroboter könne irgendwann den gesamten Kaufprozess bis hin zur letzten Meile automatisieren. Pop-up-Stationen und mobile Lager auf LKW skizziert das Gründer-Duo ebenfalls.

Dabei wollen Spiegelburg und Prüglmeier genau überlegen, was ihre Firma selber machen muss – und was sinnvoller über Kooperationen abgedeckt werden kann. Den Roboter-Arm, der die Picker ersetzen will, entwickelt Noyes gemeinsam mit dem Münchener Startup Motius, das Kühlsystem für die Noyes-Lagermodule kommt von Viessmann. DasKerngeschäft von Noyes selbst sind der Algorithmus und die Cloud-Anbindung. Und natürlich: die kleinen Sortier-Roboter wie Bot13.

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