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Wohnraummangel: Sind leer stehende Büros eine Lösung?

Kersting, Silke
·Lesedauer: 3 Min.

Das Bündnis „Soziales Wohnen“ sieht durch Corona auch eine Chance, bis 2025 mehr als 200.000 Wohnungen durch frei werdende Büros zu schaffen. Ökonomen sind skeptisch.

Bezahlbarer Wohnungsraum: Wohnungen für Menschen mit wenig Geld ist knapp.  Foto: dpa
Bezahlbarer Wohnungsraum: Wohnungen für Menschen mit wenig Geld ist knapp. Foto: dpa

Schlechte Noten für die Wohnungsbaupolitik von Bund und Ländern: Bei bezahlbarem Wohnungsraum herrscht ein Defizit von mittlerweile 670.000 Wohnungen bundesweit. Steigende Mieten und Kaufpreise haben zu einem Wohnungsmarkt geführt, von dem Haushalte mit unteren und auch mittleren Einkommen mehr und mehr abgehängt werden. Das erklärt das Bündnis „Soziales Wohnen“, zu dem sich unter anderem der Deutsche Mieterbund und die IG Bau zusammengeschlossen haben.

Das Bündnis spricht vom „Drama sozialer Wohnungsbau“, das sich in den nächsten Monaten infolge der Corona-Pandemie und damit verbundenen Entlassungen, Kurzarbeit und auslaufenden Jobs weiter verschärfen werde.

Allerdings biete die Corona-Pandemie auch eine Chance: die Umwandlung von Büro- in Wohnraum. Durch eine wachsende Akzeptanz von Homeoffice, so heißt es, könnten frei werdende Büros zu Wohnungen umgebaut werden, gefördert durch ein staatliches Sonderprogramm. Hier sieht das Bündnis bis 2025 ein Potenzial von 235.000 zusätzlichen Wohnungen.

Gestützt sehen sich die Verbände durch zwei Studien des Pestel-Instituts in Hannover und des schleswig-holsteinischen Bauforschungsinstituts ARGE für zeitgemäßes Bauen in Kiel.

350 Millionen Quadratmeter Bürofläche in Deutschland

„Wenn sich das Homeoffice im Arbeitsalltag über die Pandemiephase hinweg etabliert, ist der nächste Schritt nur konsequent: die Umwandlung von Büro- in Wohnraum“, sagte ARGE-Chef Dietmar Walberg am Freitag bei der Vorstellung der Studien.

Positiv dabei: Der Büroumbau zur Wohnung koste im Durchschnitt gerade einmal 1108 Euro pro Quadratmeter, unter anderem weil Büro- und Verwaltungsgebäude bereits über das Tragwerk verfügen. Zum Vergleich: Bei der Vollmodernisierung eines Altbaus fallen ARGE-Angaben zufolge durchschnittlich 2214 Euro pro Quadratmeter an. Beim Neubau sind es 2978 Euro.

Das Potenzial, das der Markt biete, sei enorm: In Deutschland gebe es mehr als 350 Millionen Quadratmeter Bürofläche. „Jedes Prozent Bürofläche, das durch Dauer-Homeoffice zu Wohnungen umgenutzt werden kann, macht die Schaffung von rund 50.000 Wohnungen zu je 70 Quadratmetern möglich“, sagt Walberg.

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln ist dagegen skeptisch. Trotz Homeoffice wollen die meisten Unternehmen keine Büroflächen loswerden, zeigt eine IW-Umfrage unter 1200 Unternehmen im vierten Quartal 2020.

Demnach wollen ungeachtet des Homeoffice-Booms lediglich 6,4 Prozent der Unternehmen in den kommenden zwölf Monaten ihre Bürofläche reduzieren. Noch am ehesten wollen große Unternehmen mit über 250 Beschäftigten sowie Kanzleien, Beratungen und Wirtschaftsprüfer Flächen verringern, doch auch hier sind es weniger als zehn Prozent der befragten Firmen. „Büromieten und -preise haben früher sehr sensitiv auf Krisen reagiert“, sagt IW-Immobilienexperte Michael Voigtländer. „Jetzt zeigt sich der Büromarkt äußerst stabil.“

IW: Homeoffice nur eine Maßnahme auf Zeit

Nach IW-Angaben bliebt der erwartete Preisverfall im Markt für Büroimmobilien 2020 aus, die Mieten stiegen im vergangenen Jahr sogar leicht. Offenbar rechneten die meisten Unternehmen damit, nach der Coronakrise die Büros noch zu brauchen.

Vor der Corona-Pandemie arbeiteten Arbeitnehmer in der Regel nur stundenweise oder für einen Tag in der Woche von zu Hause. „Aktuell wird das Homeoffice deutlich intensiver und, wo es möglich ist, nahezu durchgehend genutzt“, sagt IW-Arbeitsmarktexperte und Studienautor Oliver Stettes. Mehr als die Hälfte der Beschäftigten, die aktuell im Homeoffice arbeiteten, verbrächten 20 Stunden oder mehr am heimischen Schreibtisch statt im Büro.

Geht es nach den Unternehmen, ist das dauerhafte Homeoffice aber offenbar nur eine Maßnahme auf Zeit: Zwei Drittel der Firmen haben nicht vor, ihren Beschäftigten nach der Coronakrise mehr Homeoffice als vor der Krise zu ermöglichen, zeigt die IW-Studie. Damit dürfte der Büromarkt auch in naher Zukunft nicht einbrechen.

Anstatt Flächen loszuwerden, wollen knapp 17 Prozent der befragten Firmen ihre Büros umbauen. Beispielsweise wollen sie Gruppenbüros auflösen oder mehr Platz für Kommunikation und Austausch schaffen. Vor allem größere Unternehmen haben schon konkrete Pläne, heißt es.

Viele Menschen drängt es derweil eher in die Außenbezirke als in die Stadt. Nach einer im Januar veröffentlichten Bitkom-Befragung würde jeder fünfte Berufstätige seinen Wohnort wechseln, wenn er künftig größtenteils im Homeoffice arbeiten könnte.