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Wissenschaftler fordern europaweiten Aktionsplan gegen Corona

·Lesedauer: 2 Min.

MÜNCHEN (dpa-AFX) - Eine Gruppe renommierter Wissenschaftler von Medizin bis Volkswirtschaft fordert einen europaweit koordinierten Aktionsplan zur schnellen Eindämmung des Coronavirus und seiner Varianten. Das Konzept unter dem Oberbegriff "No Covid" sieht vor allem eine von den europäischen Staaten koordinierte bessere Überwachung des Infektionsgeschehens vor, nicht zusätzliche Verbote. Die "Zero Covid"-Initiative eines weitgehenden und langen Lockdowns lehnen die beteiligten 13 Wissenschaftler dagegen wegen der gravierenden wirtschaftlichen Folgen ab. "Das ist einfach nicht sinnvoll", sagte Clemens Fuest, der Präsident des Münchner ifo-Instituts.

Die schnelle Senkung der Fallzahlen soll die schnelle Rückkehr zur Normalität möglich machen. "Wir wollen unsere Freiheit zurück", sagte die Virologin Melanie Brinkmann vom Helmholtz Zentrum für Infektionsforschung. Die Medizinerin kündigte ein detailliertes "No Covid"-Papier mit konkreten Vorschlägen für Deutschland an. Ein Bestandteil sind regional unterschiedliche Beschränkungen je nach Infektionsgeschehen. Wo die Lage unter Kontrolle ist, sollen die Bürger in "grünen Zonen" wieder mehr Freiheiten haben.

Ein Kernpunkt des am Donnerstag vorgestellten Aktionsplans ist die europaweite Beschränkung des Reiseverkehrs auf das Notwendige, inklusive Quarantäne und doppelter Corona-Pflichttests vor der Abreise und nach der Rückkehr. Als "gute Zahl" nannte Brinkmann einen Inzidenzwert von 10 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner. Am Donnerstag lag dieser in Deutschland laut Robert Koch-Institut bei 98, das derzeitige Ziel der Bundesregierung ist eine Inzidenz von 50.

Eine schnelle Senkung der Infektionszahlen sei möglich, betonte die Physikerin Viola Priesemann. Laut RKI lag Deutschland am Mittwochabend bei einem Reproduktionsfaktor von 0,87 - das sind 87 Neuansteckungen pro 100 Infizierten. Wenn es gelinge, den R-Wert auf 0,7 zu senken, würden sich die Fallzahlen jede Woche halbieren, erklärte die Wissenschaftlerin, die am Max Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation forscht.

Daneben plädieren die Wissenschaftler für konsequente europaweite Maßnahmen, die es international in unterschiedlicher Ausprägung bereits gibt: die Reduzierung der Kontakte auf kleine "soziale Blasen", Heimbüro und Online-Schule, kostenlose Coronatests an Schulen und Arbeitsplätzen, mehr und schnellere Impfungen, Tests für bereits geimpfte Bürger.