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Wissenschaftler: Ausländische Hilfskräfte in der 'Prekaritätsfalle'

BERLIN (dpa-AFX) -Durch die erleichterte Einreise von schlecht bezahlten Erntehelfern, Bauarbeitern und Pflegekräften droht nach Einschätzung von Wissenschaftlern eine "neue Unterschicht" in Deutschland. "Die Beschäftigung im Niedriglohnbereich ist für ausländische Arbeitskräfte oftmals eher eine Prekaritätsfalle als ein Sprungbrett", heißt es in einer Studie des Sachverständigenrats für Integration und Migration (SVR), die am Dienstag veröffentlicht wurde.

Hintergrund ist unter anderem das Vorhaben der Bundesregierung, ausländischen Arbeitskräften unabhängig von ihrer Qualifikation eine achtmonatige Beschäftigung zu ermöglichen. Zudem reisen Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) und Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) derzeit durch Südamerika, um dort Pflegekräfte und Facharbeiter von einer Beschäftigung in Deutschland zu überzeugen.

Bestimmte Wirtschaftssektoren wie Bauwirtschaft, Landwirtschaft, der Nahrungsmittelsektor und die häusliche Pflege könnten ohne ausländische Arbeitskräfte nicht mehr existieren, erklärte der Leiter des SVR-Forschungsprojekts, der Politikwissenschaftler Holger Kolb. Deren Arbeitsbedingungen seien jedoch geprägt durch niedrige Entlohnung, überlange Arbeitszeiten und geringe Aufstiegsmöglichkeiten - vor allem weil die Rechte der Betroffenen zum Teil systematisch unterlaufen werden, wie es in der Studie heißt.

Kolb rät deshalb dazu, die ausländischen Arbeitskräfte verstärkt über ihre Rechte und mögliche Schutzmechanismen aufzuklären. Auch ein Verbandsklagerecht hält er für eine denkbare Möglichkeit - etwa um einem osteuropäischen Erntehelfern ohne Sprachkenntnisse eine rechtliche Auseinandersetzung mit einem landwirtschaftlichen Großbetrieb zu ersparen.