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Wirtschaft der Eurozone bricht wegen Corona-Krise ein

Fischerboote liegen in einem menschenleeren Hafen in Neapel, Italien.

Geschlossene Geschäfte, Reiseverbote, stillstehende Produktionsanlagen: Die Corona-Pandemie hat die Wirtschaft global mehr oder weniger lahmgelegt. In Europa bekommen das vor allem Frankreich, Spanien und Italien zu spüren.

Luxemburg/Paris/Rom/Madrid (dpa) - Die Corona-Krise hat drastische Einbrüche in führenden Volkswirtschaften der Eurozone ausgelöst. Frankreich leidet wegen der wirtschaftlichen Folgen der Pandemie unter dem schwersten Konjunktureinbruch seit 70 Jahren.

Starke Konjunktureinbrüche wurden heute auch aus Spanien und Italien gemeldet. In der gesamten Eurozone schrumpfte die Wirtschaftsleistung im ersten Quartal um 3,8 Prozent, wie das europäische Statistikamt mitteilte. Es ist der stärkste Rückgang im Währungsraum seit Beginn der Erhebungen im Jahr 1995.

Teilweise fielen die Konjunktureinbrüche deutlich stärker aus, als Analysten befürchtet hatten. Mit am schlimmsten trifft es Frankreich und damit die zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone. In den ersten drei Monaten des Jahres schrumpfte die französische Wirtschaftsleistung um 5,8 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Der Rückgang des Bruttoinlandsproduktes (BIP) ist damit der stärkste seit Beginn der Erhebung im Jahr 1949. Das Ausmaß habe selbst den Einbruch von 1968 übertroffen, teilte das nationale Statistikamt Insee mit. Damals hatten Streiks die Wirtschaft des Landes gelähmt.

Etwa zeitgleich mit den französischen Daten zeigten auch Kennzahlen aus Spanien das Ausmaß der konjunkturellen Schäden durch das Coronavirus. Für die drei Monaten bis März meldete das nationale Statistikinstitut in Madrid einen Einbruch der Wirtschaftsleistung um 5,2 Prozent. Der Rückschlag in Spanien war damit stärker ausgefallen, als Analysten befürchtet hatten.

Neben Frankreich und Spanien wurde auch Italien hart von der Virus-Pandemie getroffen. In der drittgrößten Volkswirtschaft der Eurozone ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im ersten Quartal um 4,7 Prozent gefallen. Nach Angaben des Statistikamtes Istat vom Donnerstag ist dies der stärkte Einbruch der Wirtschaftsleistung seit Beginn der Erhebungen im Jahr 1995.

Italien leidet besonders unter den Folgen der Corona-Pandemie. Vor allem in den wirtschaftsstarken Regionen des Nordens waren die Infektionszahlen stark gestiegen und die Regierung in Rom musste im Kampf gegen die Ausbreitung des Virus im März harte Beschränkungen einführen, die wesentliche Teile der italienischen Wirtschaft lahmlegten.

Auch Deutschland, die größten europäische Volkswirtschaft, wird von der Krise heimgesucht. Die Bundesregierung rechnet für das gesamte Jahr 2020 mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 6,3 Prozent und damit mit dem stärksten Einbruch seit Gründung der Bundesrepublik. Laut der am Mittwoch veröffentlichten Prognosen steht das schlimmste für die konjunkturelle Entwicklung noch bevor. Wegen der massiven Beschränkungen im Kampf gegen das Virus rechnet die Bundesregierung erst im Lauf des zweiten Quartals mit dem schwersten Einbruch. In der zweiten Jahreshälfte sei dann wieder mit einer Belebung der Wirtschaft zu rechnen.

Experte Christoph Weil von der Commerzbank wies auf die «besondere Unsicherheit» bei den Schätzung zur Wirtschaftsleistung im ersten Quartal hin. «Über den Einbruch der Wirtschaft in der zweiten März-Hälfte wissen wir bislang nur wenig», merkte Weil an.