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Wirecard trennt sich vom COO: Erst der Beginn einer Rochade …?!

Vincent Uhr, Motley Fool beitragender Investmentanalyst
Vorsicht, Gefahr im Anmarsch!

Die Aktie von Wirecard (WKN: 747206) hat ihre Investoren am Donnerstag dieser Woche regelrecht geschockt. Eigentlich warteten alle auf die Veröffentlichung des Jahresabschlusses für das Geschäftsjahr 2019. Stattdessen gab es jedoch eine bittere Erkenntnis: Scheinbar existieren einige Ungereimtheiten in der Bilanz des DAX-Zahlungsdienstleisters, wie die Prüfer von E&Y festgestellt haben. Das hat den Aktienkurs am Donnerstag um rund zwei Drittel einbrechen lassen.

Das wiederum hat womöglich einige Konsequenzen. So könnten Kredite von Banken in Höhe von rund 2 Mrd. Euro gekündigt werden, sofern man kein Testat für das Zahlenwerk bekomme. Allerdings dürfte dies auch eine personelle Debatte erneut entfachen.

Eine erste personelle Konsequenz hat es außerdem bereits gegeben. Schauen wir im Folgenden einmal, was Investoren wissen müssen und warum das womöglich erst der Anfang ist.

Erstes Vorstandsmitglied freigestellt

Wie Wirecard noch am Donnerstag, dem Tag des Kurseinbruchs, verkündet hat, habe man sich von Jan Marsalek getrennt. Der Chief Operating Officer des DAX-Zahlungsdienstleisters sei mit sofortiger Wirkung von seinem Vorstandsposten freigestellt. Die Freistellung gelte zunächst bis zum 30. Juni oder aber widerruflich. Eine interessante erste Entwicklung.

Gleichzeitig hat Wirecard jedoch auch eine andere personelle Konsequenz getroffen. Demnach sei James H. Freis Jr. mit sofortiger Wirkung in den Vorstand bestellt worden, und damit zu einem früheren Termin als zunächst geplant. Ursprünglich sollte der Funktionär seine Tätigkeit zum 1. Juli aufnehmen, wie aus einer Unternehmensmitteilung vom 8. Mai hervorging. Freis wird das neu geschaffene Resort Integrity, Legal and Compliance verantworten.

Mit dieser kurzen, knappen Mitteilung hat Wirecard womöglich ein größeres Stühlerücken begonnen, wobei das erst der Beginn einer regelrechten Rochade sein könnte. Auch CEO Markus Braun dürfte inzwischen angezählt sein. Vermutlich mehr denn je.

Fassen wir die letzten Wochen einmal zusammen

Wirecard-CEO Markus Braun ist nämlich inzwischen nicht mehr der unumstrittene Lenker des DAX-Zahlungsdienstleisters. Nach dem kritischen KPMG-Bericht, der ebenfalls weitere Volatilität in die Aktie gebracht hat, hat sich der Aufsichtsrat zuletzt nicht mehr bedingungslos hinter den CEO gestellt. Nein, sondern seine Mandatsverlängerung mit Auflagen versehen.

Sinngemäß hieß der Tenor damals, dass es in Puncto BaFin keine intensiveren Ermittlungen geben dürfe. Zudem müsse der Jahresabschluss für das Geschäftsjahr 2019 frei von Mängeln sein und ein uneingeschränktes Testat erhalten. Zwei Bedingungen, die inzwischen eben nicht mehr erfüllt werden können.

In den letzten Wochen ist einerseits eine Strafanzeige gegen Mitglieder des Vorstands eingereicht worden. Andererseits scheint jetzt das uneingeschränkte Testat weit entfernt. Es droht womöglich ein Bilanzskandal und direkte finanzielle Auswirkungen durch die momentane Causa. Es dürfte in den nächsten Tagen weitere Male diskutiert werden, ob der Vorstand, insbesondere jedoch Braun als CEO noch haltbar sind.

Das Vertrauen ist weg

Das Vertrauen vieler Investoren ist jedenfalls weg. Das zeigt sich einerseits am signifikanten Kurseinbruch, andererseits an fast anderthalb turbulenten Jahren, die jetzt ihren Höhepunkt im diesjährigen Jahresabschluss finden. Ob ein personeller Wechsel den Schaden wieder gutmachen kann? Das erscheint fraglich. Jedenfalls ist etwas frischer Wind womöglich die einzige Option, die der DAX-Konzern noch besitzt, um es zumindest zu versuchen. Vielleicht haben die personellen Veränderungen ja direkt am 18.06. dieses Jahres begonnen. Allerdings wird das insgesamt ein langer Schritt der Aufarbeitung.

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Vincent besitzt Aktien von Wirecard. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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