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Wirecard-Partner Softbank: Nach WeWork-Dilemma neuer Deal im Fokus!

Vincent Uhr, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Die Aktie der japanischen Beteiligungsgesellschaft Softbank (WKN: 891624) dürfte vielen Investoren wohl spätestens ein Begriff sein, seitdem sich die Japaner an Wirecard (WKN: 747206) beteiligt haben. Quasi inmitten der Unruhen rund um die „Financial Times“ zum Jahresbeginn hat die Softbank hier ein erstes stützendes Zeichen gesetzt. Und inzwischen auch operativ den DAX-Konzern mithilfe von eingefädelten Partnerschaften unterstützt.

In den vergangenen Wochen und Monaten machten allerdings eher kritische Meldungen im Kontext der Softbank die Runde. Insbesondere der gefloppte WeWork-IPO lastet der Beteiligungsgesellschaft operativ noch an. Ein rekordverdächtiger Milliardenverlust war hier bislang der Höhepunkt der Entwicklung, wobei die Japaner noch weitere finanzielle Mittel, auch zur Rettung von WeWork, nachgeschoben haben.

Trotz alledem hat die Softbank noch nichts von ihrem Esprit verloren, sondern macht sich auf die Suche nach einem weiteren großen Deal. Scheinbar ist man auch bereits fündig geworden, wie ein Blick auf einige brisante Nachrichten offenbart.

Ein Internetriese wird zum Leben erweckt

Wie mehrere Medien nämlich in diesen Tagen berichten, steht die Softbank womöglich davor, einen gewaltigen Internetriesen ins Leben zu rufen. Allerdings nicht alleine, denn zur Verstärkung und zu Zwecken der Fusion hat man sich mit Naver einen Partner angelacht, der diesem Zweck künftig dienen könnte.

Demnach möchte die Softbank die Tochtergesellschaft Z Holdings, früher bekannt als Yahoo Japan, mit der Naver-Tochter Line fusionieren, wodurch ein milliardenschwerer Konzern entstehen könnte, der es auf eine Börsenbewertung von 30 Mrd. US-Dollar bringen könnte.

Beide Holdings sollen dabei jeweils einen Anteil von 50 % an dem neuen Konzern halten, keiner wird scheinbar die bekannten 50+1 besitzen, wodurch eine operative Kontrolle im Alleingang möglich wäre. Den übrigen Aktionären, die gegenwärtig noch an den jeweiligen Töchtern beteiligt sind, soll ein Übernahmeangebot unterbreitet werden. Hierdurch könnte unterm Strich ein spannender Internetkonzern entstehen, der viele der Möglichkeiten dieses Marktes auf sich vereint.

Ob Werbung, E-Commerce oder auch digitale Zahlungsdienstleistungen: All diese Geschäftsbereiche soll das künftige Unternehmen dann bedienen. Das könnte gewiss einen bedeutenden, zumindest regionalen Player in solchen Zukunftsmärkten kreieren, den man in den Märkten durchaus auf dem Schirm haben sollte.

Was das für die Investoren nun bedeutet

Für die Investoren der Softbank sind das eigentlich keine sonderlich gewaltigen Neuigkeiten. Deals zu machen gehört schließlich zum operativen Alltag dieser Beteiligungsgesellschaft. Mal mögen sie kleiner sein, wie eben bei Wirecard, mal hingegen größer, wie nun möglicherweise bei diesem neuen Konzern, der im Rahmen einer Fusion entstehen könnte. Das ist so weit nicht ungewöhnlich.

Wichtiger dürfte hingegen die Intention sein, dass es für die Softbank auch noch ein Leben nach dem geplatzten WeWork-IPO sowie nach dem hohen Verlust gibt, der hierdurch eingefahren worden ist. Das Portfolio der Softbank besteht schließlich aus bedeutend mehr Beteiligungen und Investitionen. Dieser neue Zusammenschluss dürfte hierfür eine solide Erinnerungsstütze sein.

Möglicherweise kann diese aktuelle Meldung daher den Blick auf die Softbank ein wenig verändern. Weg von zu viel WeWork, hin zu mehr operativem Alltag und Gesamtportfolio dieser Beteiligungsgesellschaft. Das könnte auch der Aktie guttun.

Nicht überbewerten, aber richtig deuten

Investoren sollten diese Fusion daher nicht überbewerten. Genauso wenig, wie sie die Verluste und das WeWork-Dilemma überbewerten sollten. All das gehört zum operativen Alltag dieser Beteiligungsgesellschaft dazu.

Nichtsdestoweniger ist es auch mal erfrischend, etwas erfreulichere und operativ alltäglichere Nachrichten vonseiten der Softbank zu lesen. Oder etwa nicht?

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Vincent besitzt Aktien von Wirecard. The Motley Fool empfiehlt Softbank Group. 

Motley Fool Deutschland 2019