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Wirecard legt bei Gewinn und Umsatz kräftig zu – die Blitzanalyse

Der Zahlungsdienstleister Wirecard hat am Freitagmorgen vorläufige Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr vorgelegt. Das sind die wichtigsten Fakten.

Der Zahlungsdienstleister Wirecard hat trotz der Turbulenzen wegen Vorwürfen um die Bilanzierung seinen Umsatz im vergangenen Jahr überraschend deutlich gesteigert. „Es ist vor allem ein sehr deutlicher Beleg für die nachhaltige Ertragsstärke unseres Geschäftsmodells“, sagte Vorstandschef Markus Braun laut Mitteilung. Mit dem bereinigten Ergebnis traf Wirecard die Schätzungen von Analysten. Die wichtigsten Informationen in Kürze:

  • Der Konzerngewinn (Ebitda) lag mit 785 Millionen Euro im abgelaufenen Jahr um rund 40 Prozent über den 561 Millionen Euro des vergangenen Jahres. In diesem Tempo soll es weitergehen.
  • Der Umsatz wuchs 2019 um 38 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro. Im Jahr davor standen zwei Milliarden Euro an dieser Stelle.
  • Für das laufende Jahr rechnet der Konzern weiterhin mit einem Ebitda-Gewinn von 1,0 bis 1,12 Milliarden Euro.

Das fällt positiv auf

Wirecard ist trotz der vielen heftigen Anschuldigungen und des massiven Vertrauensverlustes am Aktienmarkt weiter auf Wachstumskurs. Das operative Geschäft zeigt dabei die vom Management versprochenen Zuwächse. Zweimal hatte der Zahlungsdienstleister im vergangenen Jahr seine Prognose für den Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) angehoben, zuletzt auf eine Spanne von 765 bis 815 Millionen Euro.

Mit den nach vorläufigen Zahlen erreichten 785 Millionen Euro liegt man also fast in der Mitte. Das operative Geschäft, das bei Wirecard zuletzt wegen der Anschuldigungen um gefälschte Zahlen, Betrug und Geldwäsche aus dem Blickfeld der Investoren geriet, dürfte so wieder mehr Beachtung finden.

Vor allem, weil weiterhin das Ziel von mindestens einer Milliarde Euro an Ebitda-Gewinn für dieses Jahr im Raum steht. Konzernchef Markus Braun hatte mit vielversprechenden Tweets zum Geschäft die Erwartungen der Investoren zuletzt angeheizt. Mit Erfolg: Mit einem Plus von rund 30 Prozent seit Jahresanfang ist die Wirecard-Aktie derzeit einer der größten Gewinner im Dax.

Das fällt negativ auf

Gerade das Konzernergebnis zeigt, wie sehr dem Zahlungsdienstleister die vielen schweren Vorwürfe des vergangenen Jahres rund um Bilanzmanipulation, Geldwäsche und Betrug finanziell zu schaffen machen. 785 Millionen Euro sind ein sehr gutes Ergebnis, wären aber keine Sonderaufwendungen für die Prüfung durch KPMG, für Beratung- und Rechtsberatung notwendig gewesen, dann hätte an dieser Stelle die Zahl 794 Millionen Euro gestanden, also neun Millionen Euro mehr.

Dabei sind alle Sonderaufwendungen im vierten Quartal angefallen. Hier war der Konzerngewinn um 41 Prozent auf 232 Millionen Euro gewachsen. Wären keine Sonderaufwendungen für teure Beratungen dazu gekommen, hätten 241 Millionen Euro an dieser Stelle gestanden – also die besagten neun Millionen Euro mehr.

Die ständigen Vorwürfe gegen Wirecard belasten somit auch die Bilanz. Allein deswegen wäre es dringend erforderlich, dass hier nicht ständig nachjustiert werden muss. In Erinnerung ist dabei die Bilanz des Jahres 2018. Die vorläufigen Zahlen Ende Januar zeigten noch einen Konzerngewinn von 568 Millionen Euro.

Nachdem unter anderem die Anwälte der beauftragten Kanzlei Rajah & Tann aus Singapur nach schweren Vorwürfen dort ihre Arbeit getan hatten, schrumpfte das Ergebnis bei den endgültigen Zahlen im April auf 560,5 Millionen Euro.

Das passiert jetzt

Umsatz- und Ergebnissteigerungen von 30 bis 40 Prozent im Jahr sind bei Wirecard beinahe normal. Insofern haben auch die Zahlen vom Freitag zunächst keine allzu große Reaktion am Aktienmarkt ausgelöst. Die Aktie notierte bei Handelsstart zunächst im Plus, drehte dann aber ins Minus und notierte am Nachmittag rund zwei Prozent tiefer. Grundsätzlich sind die Papiere – auch wegen des Hypes um Zahlungsdienstleister – seit diesem Jahr aber stark gefragt.

Wichtigstes Ereignis ist in wenigen Wochen die Veröffentlichung der Sonderprüfung durch die Wirtschaftsprüfer von KPMG. Davon wird abhängen, ob dem Konzern auch von dort eine saubere Bilanzierung bestätigt wird. Die etatmäßigen Prüfer von EY hatten das jahrelang gemacht. Daneben muss der Konzern endlich seine internen Strukturen an die Erfordernisse eines Dax-Konzerns anpassen.

Ein erster Schritt dazu ist mit dem überraschenden Wechsel an der Spitze des Aufsichtsrates Anfang des Jahres geschehen. Dort führt jetzt der einstige Deutsche Börse-Vorstand Thomas Eichelmann das Gremium. Das soll internen Plänen zufolge von derzeit sechs auf acht bis neun Personen aufgestockt werden.

Auch der Vorstand soll von vier Mitgliedern im Moment auf sechs bis sieben Personen wachsen. Zudem gibt es weiterhin Gerüchte, wonach ein weiterer Großinvestor neben dem japanischen Technologieriesen Softbank bei Wirecard einsteigen könnte. Genaueres erfahren die Aktionäre wohl zur Hauptversammlung am 2. Juli.