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Die Bafin-Liste: Wer nach Wirecard-Debakel aufräumen kann

Nicholas Comfort, Steven Arons und Birgit Jennen
·Lesedauer: 4 Min.

(Bloomberg) -- Bei der deutschen Finanzaufsicht Bafin steht nach einer Serie von Fehlleistungen im Zusammenhang mit dem Wirecard-Skandal eine Generalüberholung an. Das Finanzministerium sucht dafür nach einer neuen Führungsfigur, die sowohl dem Markt als auch den über 2.700 Mitarbeitern der Behörde neues Vertrauen und Zuversicht vermitteln kann.

Finanzminister Olaf Scholz hat nach dem Rücktritt von Präsident Felix Hufeld versprochen, zügig einen Nachfolger für den notwendigen Neustart zu bestimmen. Die Ernennung geht einher mit einer von Scholz angestoßenen Reform der Bafin, die nächstes Jahr ihr 20-jähriges Jubiläum feiert. Der neue Präsident - oder die Präsidentin - bekommt größere Kompetenzen und neue Strukturen, die die Aufsicht flexibler und schlagkräftiger machen sollen.

Angesichts des ramponierten Rufs der Bafin dürfte Scholz auf der Suche nach einem Schwergewicht sein, das den Respekt der Marktteilnehmer genießt, Managementerfahrung mitbringt und die Branche kennt. Auch wenn ein internationaler Background erwünscht ist, wird fließende Deutschkenntnis unverzichtbar sein, was das Bewerberfeld deutlich eingrenzt.

Es folgen einige der Top-Kandidatinnen und -Kandidaten, deren Namen laut informierten Kreisen für den Posten genannt werden. Die genannten Personen wollten sich zu einem etwaigen Interesse gegenüber Bloomberg News entweder nicht äußern oder waren nicht sofort erreichbar.

Sabine Lautenschläger

Für Lautenschläger wäre die Ernennung eine Rückkehr zum Beginn ihrer Karriere - 1995 fing sie bei einer der Bafin-Vorläuferbehörden an, dem Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen. Nach Gründung der Bafin war die Juristin ab 2005 in verschiedenen Funktionen für die Bankenaufsicht verantwortlich; denselben Schwerpunkt übernahm sie ab 2011 zunächst im Vorstand der Bundesbank, und dann bis zu ihrem Rücktritt 2019 im Direktorium der Europäischen Zentralbank. Die 56-jährige vertrat überdies Deutschland jahrelang im Baseler Auschuss, jenem Gremium, das die Grundlinien der globalen Bankenregulierung festlegt.

Andreas Dombret

Der Deutsch-Amerikaner war gemeinsam mit Lautenschläger und Hufeld eines der Gesichter der deutschen Bankenaufsicht im letzten Jahrzehnt. Im Bundesbank-Vorstand übernahm der 61-jährige ab 2010 zunächst die Finanzstabilität und nach Lautenschlägers Wechsel zur EZB ab 2014 bis zu seinem Ausscheiden 2018 auch die Bankenaufsichts-Agenden. Seine Karriere begann allerdings im Bankensektor, wo er im deutschen Management von JPMorgan Chase & Co., Rothschild & Co. und Bank of America Corp. wirkte.

Thorsten Pötzsch

Der Bafin-Exekutivdirektor für Abwicklung hat wohl die besten Karten unter den internen Kandidaten. Ebenfalls Jurist, stieg Pötzsch über zwei Jahrzehnte in der Ministerialbürokratie auf, mit Stationen in Finanz- und Justizministerium sowie im Kanzleramt unter Gerhard Schröder. Es folgten zwei Jahre in der Bundesanstalt für Finanzmarktstabilisierung und schließlich seit 2018 die Bafin-Abteilung, die sicherstellen soll, das scheiternde Banken geordnet den Markt verlassen können. Gegen den 57-jährigen spricht, dass Scholz eine Ernennung von außen lieber wäre, und dass auch die Geldwäschebekämpfung zu seinen Aufgaben gehört - eine Abteilung, die bei Wirecard nicht gerade glänzte.

Jutta Dönges

Als eine von zwei Geschäftsführern der Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur GmbH ist Dönges seit 2018 Herrin über das Schuldenmanagement der Regierung. Die gewünschte Erfahrung im Bankensektor könnte die 47-jährige Wirtschaftsingenieurin jedenfalls vorweisen: Als Investmentbankerin begann sie ihre Karriere bei Goldman Sachs Group Inc. in Frankfurt und wechselte später zur SEB AB. Seit 2015 ist sie im staatsnahen Bereich tätig. Dönges vertritt die Republik auch im Aufsichtsrat der Commerzbank AG, an der der Staat immer noch mehr als 15% hält.

Levin Holle

Der jetzige Finanzvorstand der Deutsche Bahn AG war während der Euro-Krise Wolfgang Schäubles Mann für die internationale Finanzmarktpolitik im Ministerium. Teil dieser Aufgabe war auch die Aufsicht über die Bafin und die Errichtung der gemeinsamen Bankenaufsicht in der Eurozone. Holles Karriere begann bei der Boston Consulting Group, für die der Jurist fast 15 Jahre tätig war, unter anderem in Hong Kong und Warschau. Gegen ihn spricht womöglich, dass er erst vor einem Jahr seinen Vorstandsposten bei der Bahn angetreten hat.

Eva Wimmer

Als Leiterin der Finanzmarktabteilung im Finanzministerium ist Wimmer mitverantwortlich dafür, die deutsche Position in die europäische Bankenregulierung einzubringen - zuletzt während der deutschen EU-Präsidentschaft im letzten Jahr. Die Bafin kennt sie als stellvertretende Vorsitzende des Verwaltungsrats ebenfalls aus der Nähe. Allerdings könnte sie zu sehr wie eine Berlin-Insiderin wirken - nicht wie die international renommierte Figur, die Scholz im Sinn zu haben scheint.

James Freis

Der Jurist, der sich letztes Jahr unverhofft im Sessel des Wirecard-Chefs wiederfand, wird ebenfalls als Kandidat für die Bafin genannt. Freis arbeitete bei Wirecard ein halbes Jahr lang professionell die Katastrophe auf, die Markus Braun und Jan Marsalek angerichtet hatten. Ein US-Amerikaner der gut Deutsch spricht, war Freis davor sechs Jahre Compliance-Chef der Deutsche Börse AG. Nach dem Abschluss an der Harvard Law School arbeitete Freis kurz für die Bafin, dann bei der New Yorker Fed, der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich und dem Treasury Department in Washington.

(Neu: Ex-Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret)

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