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Wirecard-Crash: Ist die Tesla-Aktie als Nächstes dran?!

Christoph Gössel, Motley Fool beitragender Investmentanalyst
Tesla Supercharger

Noch vor zwei Jahren war es wohl das Ziel vieler Investoren, die nächste Wirecard-Aktie (WKN: 747206) zu finden. Die Aktie des Zahlungsdienstleisters kannte damals kein Halten und stellte immer neue Rekordhochs auf. Währenddessen dümpelte die Tesla-Aktie (WKN: A1CX3T) launisch vor sich hin.

Mittlerweile hat sich das Blatt gewendet: Die Wirecard-Aktie verlor binnen weniger Tage fast 90 % ihres Börsenwerts. Die Tesla-Aktie ist nun einer der Stars am Börsenhimmel, notiert nahe ihrem Allzeithoch und schüttelte den Coronacrash ab wie einen Aprilscherz. Blüht der Aktie des kalifornischen Konzerns ein ähnliches Schicksal?

Die Gemeinsamkeiten von Wirecard und Tesla

Als Erstes ist natürlich festzuhalten, dass es sich bei beiden um Wachstumsunternehmen handelt. Oder, im Fall von Wirecard, gehandelt hat – wir werden sehen, wie die Kundschaft des Zahlungsdienstleisters auf die News reagiert.

In seiner Hochphase hatte Wirecard eine ziemlich hohe Bewertung: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis der Wirecard-Aktie stand damals bei 71. Ein so hoher Wert ist auf Dauer nicht tragbar und kann nur durch zukünftiges Gewinnwachstum gerechtfertigt werden. Die Anleger hatten die (damals berechtigte) Erwartung, dass das Unternehmen seine Gewinne weiter steigern und in seine Bewertung hineinwachsen würde.

Auch die Tesla-Aktie besitzt heute eine hohe Bewertung. Gewinne macht der Elon-Musk-Konzern nicht, allerdings können wir auf Basis des freien Cashflows ein Multiple berechnen. In den letzten vier Quartalen generierte Tesla rund 1 Mrd. US-Dollar Cash aus dem operativen Geschäft abzüglich der Investitionen. Das Verhältnis von Marktkapitalisierung zu freiem Cashflow liegt bei immensen 187 (Stand: 24. Juni 2020). Hier erwarten Marktteilnehmer also ein noch stärkeres Wachstum als bei Wirecard.

Beiden Unternehmen ist außerdem gemein, dass sie in stark gehypten Branchen unterwegs sind. Elektronische Zahlungen wie auch Elektroautos und erneuerbare Energien sind Trendthemen, die am Aktienmarkt aktuell gut ankommen – eben weil das zukünftige Wachstumspotenzial da ist.

Hier hat Tesla die Nase vorn

Schauen wir aber nun mal, welche Unterschiede wir zwischen der Wirecard-Aktie und der Tesla-Aktie finden können.

Zunächst einmal ist die Quelle der Umsätze zu nennen. Bei Wirecard mussten Investoren sich einfach darauf verlassen, dass die Zahlen stimmten. Es war bekannt, dass das Unternehmen große Teile seines Umsatzes in Asien und über Drittpartner generierte, was die Nachvollziehbarkeit erheblich einschränkt.

Bei Tesla hingegen könntest du dich theoretisch Tag und Nacht neben die Fabriken stellen und zählen, wie viele Autos vom Band laufen. In den meisten Großstädten gibt es Tesla-Stores, in denen sich Interessenten und Kunden tummeln, und über die Zeit sieht man immer mehr Teslas auf den Straßen. Zudem kannst du jederzeit in einen Store gehen und dich von den Produkten selbst überzeugen. Kunde von Wirecard kannst du hingegen nicht von heute auf morgen werden.

Das Geschäft der Kalifornier ist demnach aus meiner Sicht deutlich transparenter als das von Wirecard, was die Tesla-Aktie zumindest in dieser Hinsicht zu einem weniger risikoreichen Investment macht. Und auch was die Wettbewerbsvorteile angeht, lässt sich Tesla meiner Meinung nach deutlich besser einschätzen.

Bei Wirecard war es schwer, diese auszumachen. Tesla jedoch hat einige klare Punkte auf seiner Seite: Das Unternehmen hat einzigartige Software, die von Konkurrenten nicht so einfach kopiert werden kann, wie wir am Beispiel Volkswagen sehen. Keiner sammelt auch nur ansatzweise so viele Daten für das autonome Fahren wie der kalifornische Konzern. Zudem baut Tesla die Elektroautos mit der größten Reichweite und der höchsten Effizienz und tut vieles dafür, dass das genau so bleibt. Und auch bei der Produktion hat sich das Unternehmen einen großen Erfahrungsschatz aufgebaut, den andere erst mal einholen müssen.

Wird die Tesla-Aktie crashen?

Die Wirecard-Aktie und die Tesla-Aktie haben also durchaus einiges gemein. Allen voran die Tatsache, dass ihre Bewertungen auf deutlichen Gewinnsteigerungen basier(t)en. Wenn diese nicht eintreten, kann es bei so einer Aktie auch mal ordentlich knallen. Das ist jedoch etwas, was für fast alle Wachstumsaktien gilt.

Für Investoren ist das Geschäft von Tesla deutlich einfacher nachzuvollziehen. Da die allermeisten von uns Autokäufer sind oder waren, wissen wir, worauf es ankommt. Zudem lassen sich klare Wettbewerbsvorteile identifizieren, was bei Wirecard nie so richtig möglich war.

Ich denke nicht, dass Tesla-Aktionäre sich auf einen ähnlichen Crash wie bei der Wirecard-Aktie einstellen müssen. Allerdings tun wir alle gut daran, unsere Unternehmen immer im Auge zu behalten.

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Christoph Gössel besitzt Aktien von Tesla und Wirecard. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Tesla.

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