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Wirecard-Analysten verlieren langsam ihren Optimismus

Jan-Patrick Barnert

(Bloomberg) -- Die Stimmung unter Sell-Side-Analysten für die Aktie der Wirecard AG ist auf den tiefsten Stand seit mehr als zwei Jahren gefallen. Eine unabhängige Sonderprüfung des Zahlungsabwicklers durch KPMG brachte für viele Analysten, die letztes Jahr trotz mehrerer Vorwürfe gegen das Unternehmen optimistisch geblieben waren, das Fass zum Überlaufen.

Seit Wirecard den Bericht in der vergangenen Woche veröffentlicht hat, stuften sieben Broker ihre Kaufempfehlungen für die Aktie herab oder strichen ihre Anlageempfehlung gleich komplett. Das Konsensrating für Wirecard - ein Indikator für das Verhältnis von Kauf-, Halten- und Verkaufsratings - liegt nur bei nur noch 3,77 Punkten. Das ist der niedrigste Wert seit Februar 2018, zeigen von Bloomberg erhobene Daten.

“Wir haben den KPMG-Sonderprüfungsbericht eingehend geprüft, und das Ergebnis ist besorgniserregend, da er nicht allen Vorwürfen ein Ende setzen konnte und neue Fragen aufwirft“, schreibt Kepler Cheuvreux Analyst Sebastien Sztabowicz in seinem Fazit und suspendierte seine Kaufempfehlung und das Kursziel für die Aktie. Der Analyst hatte zuvor seit Juni 2014 ununterbrochen eine bullische Sicht auf das Unternehmen.

Unter anderem stuften Analysten bei Morgan Stanley, NordLB, DZ Bank AG, Oddo Bhf, HSBC Holdings Plc und Barclays Plc die Aktien von Wirecard auf Neutral oder ähnlich gleichwertige Ratings herab. Letztes Jahr sah das noch anders aus, als die Analysten ihre Kaufempfehlungen weitgehend beibehalten hatten, trotz mehrfacher Vorwürfe der Financial Times, die von Wirecard stets bestritten wurden.

Die Aktie von Wirecard ist in der vergangen Woche um 30% gefallen, nachdem der Prüfungsbericht öffentlich geworden war. KPMG sagte, man sei nicht in der Lage gewesen, die benötigten Daten zu erhalten, um alle Vorgänge zu prüfen, und kritisierte das Unternehmen für interne Mängel und die fehlende Bereitschaft seiner Drittpartner, zu dem Bericht beizutragen.

Auch einige Investoren zeigten sich etwas skeptischer gegenüber dem Unternehmen. Wie die Financial Times am Mittwoch berichtet, sagte der Wirecard-Großaktionär Union Investment, der Vorstand müsse “unbelastete externe Manager in den Vorstand berufen”. Der Vorstandsvorsitzende Markus Braun sagte Bloomberg Anfang der Woche in einem Interview, dass das Unternehmen Einzelheiten zu neun Projekten zur Verbesserung der “globalen internen Kontrollsysteme, einschließlich der Meldung und Bestrafung von Compliance-Verstößen und des Umgangs mit Geschäftspartnern“ bekannt geben wird.

Trotz der Ratingänderungen hat Wirecard derzeit nur ein Verkaufsrating unter den von Bloomberg verfolgten Analysten. Die Aktie wird von 11 Häusern zum Kauf empfohlen, während 14 zum Halten der Aktie raten. Das durchschnittliche 12-Monats-Kursziel von 159,27 Euro pro Aktie impliziert ein Renditepotenzial von 82% gegenüber dem aktuellen Kurs.

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