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Wirecard-Aktie: Schon der erste Tenor zeigt, dass die Vorwürfe nicht entkräftet sind

Vincent Uhr, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Für die Aktie von Wirecard (WKN: 747206) geht eine alles andere als erfolgreiche und ruhmreiche Woche zu Ende. Bereits bei den Verzögerungen der Ergebnisverkündung der Sonderprüfung durch die KPMG haben einige Investoren wohl mit etwas Üblem gerechnet. Diejenigen, die hierauf spekuliert haben, hatten recht.

Das Prüfwerk, auf das Investoren jetzt ca. ein halbes Jahr gewartet haben, wies signifikante Mängel auf. Wesentliche Äußerungen der Wirtschaftsprüfer haben ein schlechtes Bild gezeigt. Nämlich von fehlenden Unterlagen, mangelhafter Kooperation und einer Kommunikation, die Lücken aufwies. Das ist nicht das, was Investoren hören wollen. Und widerspricht der eigentlich groß angekündigten Transparenz des Unternehmens.

Wie sehr das auf den Inhalt Auswirkungen hat, zeigt bereits der erste Tenor des Prüfberichts, der das Drittpartnergeschäft thematisiert. Lass dir das im Folgenden einmal auf der Zunge zergehen.

Der Tenor im Überblick

Falls du die folgenden Zeilen selbst noch einmal nachlesen möchtest, kannst du das natürlich tun. Genauer gesagt findest du diesen Ausschnitt auf der zwölften und auch der folgenden Seite des Prüfwerks. Die Unterüberschrift heißt hier „1.3.1.1.2 Ergebnisse der Untersuchungshandlungen“. Und hier wird man die folgenden Zeilen lesen können:

Hinsichtlich der Höhe und der Existenz der Umsatzerlöse aus den TPA-Geschäftsbeziehungen zwischen der Cardsystems Middle East der Wirecard UK & Irland sowie der Wirecard Technologies und den jeweils relevanten TPA-Partnern kann KPMG als Ergebnis der durchgeführten forensisch geprägten Untersuchungshandlungen in Bezug auf den Untersuchungszeitraum 2016 bis 2018 weder eine Aussage treffen, dass die Umsatzerlöse existieren und der Höhe nach korrekt sind, noch die Aussage treffen, dass die Umsatzerlöse nicht existent und in der Höhe nicht korrekt sind. Insoweit liegt ein Untersuchungshemmnis vor.

Ursächlich sind neben Mängeln in der internen Organisation insbesondere die fehlende Bereitschaft der Third Party Acquirer, umfassend und transparent an dieser Sonderuntersuchung mitzuwirken.

Es sind Worte, die alles andere als toll sind und keinerlei Klarheit schaffen. Im Grunde genommen stellt die KPMG hier fest, dass keinerlei Aussage zu den genannten Umsätzen aus dem Drittpartnergeschäft getroffen werden können. Auch das Wort Untersuchungshemmnis zeigt ein weiteres Mal, dass es hier eine mangelhafte Kooperationsbereitschaft gegeben hat. Was teilweise auch auf die genannten Drittpartner zurückzuführen ist, worauf Wirecard selbst womöglich wenig Einfluss hat. Jedoch verstärkt hätte ausüben können.

Aber dennoch: Diese Aussagen stehen eigentlich in keinerlei Verhältnis zu den vorherigen Aussagen bezüglich der Ergebnisse. Wir können jetzt spitzfindig darüber sinnieren, dass es dadurch zwar keine Gründe gibt, das Zahlenwerk der vergangenen Jahre zu korrigieren. Aussagen, die das Management von Wirecard stetig bedient hat. Die erhoffte Klarheit ist allerdings ausgeblieben. Und das ist einfach etwas, das sich das Management von Wirecard hier nachsagen lassen muss.

Das Vertrauen schwindet weiter

Im Endeffekt steht dieser Passus daher stellvertretend für ein Großteil des Problems: Wirecard konnte nicht die gewünschten Ergebnisse liefern. Das Management hat es nach einem halben Jahr versäumt, die Vorwürfe der „Financial Times“ zu entkräften. Das führt zu weiteren Angriffsflächen. Und weiteren Unsicherheiten bezüglich der Integrität und der Korrektheit des Zahlenwerks.

Viel schlimmer ist außerdem, dass das Vertrauen der Investoren ebenfalls weg sein dürfte. Zumal es eigentlich kaum weitere Maßnahmen geben dürfte, die hier für mehr Klarheit und Sicherheit sowie entsprechendes Vertrauen sorgen werden. Die Prüfung wäre schließlich genau dieser Schritt gewesen. Und den hat Wirecard einfach nicht genutzt.

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Vincent besitzt Aktien von Wirecard. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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