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Windows 10 und Office: Experten prüfen Billiglizenzen von EDEKA

(Bild: REUTERS/Fabrizio Bensch)

Microsoft-Produkte ab 18 Euro – das klingt irgendwie zu billig, um legal zu sein. Aber immerhin werden die supergünstigen Lizenzen bei EDEKA verkauft. Das Computermagazin c’t ging auf Spurensuche.

Edeka verkauft Microsoft-Lizenzen zu Dumpingpreisen. An den Ständern mit Prepaid-Karten finden Kunden bei der Supermarktkette seit einiger Zeit auch Produkte wie Windows 7 Professional, Windows 10 pro und MS Office 2019 Home & Student oder Standard.

Ein Blick auf die Preise lässt Superschnäppchen vermuten. Die Windows 7-Version gibt es für 17,99 Euro. Die aktuelle Betriebssystem Windows 10 pro für 39,99 Euro. Kann das sein? Immerhin wird Windows 10 pro regulär für 259 Euro angeboten. Auch bei den Office-Lizenzen können EDEKA-Kunden anscheinend mächtig sparen: Home & Student gibt’s für 104,99 Euro statt 149 Euro und MS Office 2019 Standard – die Einzelanwender normalerweise gar nicht kaufen können – kostet nur 194,99 Euro statt 491,27 Euro.

Das ist verdächtig billig, fanden die Redakteure des renommierten Computermagazins c’t und begaben sich auf Spurensuche. Hinter den Lizenzen der Supermarktkette steckt der Anbieter Lizengo. Wer bei EDEKA eine Software kauft, erhält beim Bezahlen einen zusätzlichen Kassenbon mit PIN. Der muss dann auf der Internetseite bei Lizengo eingegeben werden. Anschließend startet der Download und ein Microsoft-Aktivierungsschlüssel wird übermittelt.

So lief die Installation

Die Computerexperten machten den Selbstversuch: „Wir haben Lizengo-Cards für Windows 10 und für Office 2019 Standard gekauft und konnten auf einem jungfräulichen Rechner beides installieren und aktivieren. Dabei hat uns die Office-Suite allerdings erst einmal irritiert: Das Produkt sei nicht lizenziert, wir mögen eine Verbindung zu unserem Unternehmensnetzwerk herstellen. „Welches Unternehmensnetzwerk?“ dürfte sich ein Privatkäufer fragen, doch wenn er dann „Product Key ändern“ anklickt, kann er seinen Aktivierungsschlüssel eingeben und das Office tatsächlich aktivieren“, heißt es im C’t-Bericht.

Verwundert waren die Fachleute nicht nur wegen der vergleichsweise auffallend billigen Lizenzen, sondern auch darüber, dass es einige der bei EDEKA offerierten Pakete beim Hersteller gar nicht mehr zu kaufen gibt oder sie nur für Käufer bestimmt sind, die mindestens fünf Lizenzen abnehmen.

Auf Nachfrage habe der Kölner Anbieter Lizengo erklärt, die Aktivierungsschlüssel würden aus Überbeständen von Microsoft-Kunden stammen. Eine einwandfreie Funktion werde garantiert.

Microsoft machte keine konkreten Angaben

Auch bei Microsoft Deutschland stellte die Redaktion eine Anfrage zu den Billiglizenzen, wollte wissen, ob sie als korrekt oder fragwürdig einzustufen seien. „Wir erhielten lediglich allgemeine Erklärungen, ein funktionierender Aktivierungsschlüssel sei kein Indiz für eine einwandfreie Lizenz; vielmehr sei er mit einem Wohnungsschlüssel zu vergleichen, dessen Besitz ja auch keinen Mietvertrag ersetzen könne. Außerdem verwies uns Microsoft auf einschlägige Urteile des Europäischen Gerichtshofs und des Bundesgerichtshofs, denen zufolge es den Vertrieb durch Lizengo offenbar nicht als illegal einstuft“, so das Computermagazin.

Grundsätzlich geben die Computerspezialisten zu bedenken, dass sich Microsoft die Option offenhalte, verwendete Aktivierungsschlüssel auch anlässlich eines Updates zu blockieren, wenn Verdacht auf Missbrauch bestehe. Das könne auch geschehen, wenn ein Schlüssel an mehrere Kunden ausgeliefert werde und bei Microsoft durch zu viele Aktivierungen auffalle.

Nach dem derzeitigen Informationsstand sei der Lizenzverkauf über Edeka aber als legal anzusehen, so c’t. Allerdings raten die Experten, beim Kauf der Lizenzen den Kassenbeleg zur Lizengo-Card gut aufzubewahren, denn so könnten Kunden bei eventuell auftretenden Lizenzproblemen innerhalb der Gewährleistungsfrist beim Supermarkt ihr Geld zurückfordern.

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