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Er will die deutsch-amerikanische Freundschaft retten

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Topmanager Martin Richenhagen hat ambitionierte Pläne. Nach seinem Abgang als CEO beim Landmaschinenhersteller AGCO will er sich um die desolaten transatlantischen Beziehungen kümmern – mit Hilfe einer Eliteuniversität.

Die berufliche Karriere von AGCO-CEO Martin Richenhagen neigt sich dem Ende. Zum Jahresende wird der Manager die Führung des Landmaschinenherstellers abgeben. Ganz aus der Öffentlichkeit werde er sich jedoch nicht zurückziehen, sagt Richenhagen im „Chefgespräch“-Podcast der WirtschaftsWoche. Seine Energie soll stattdessen in die Pflege der transatlantischen Beziehungen fließen. Und ein passendes Vehikel hat er dafür auch schon im Blick.

Es ist in etwa ein Jahr her, dass Richenhagen den Posten des Chairmans of the Board of Trustees des American Institutes for Contemporary German Studies – kurz AICGS – übernahm. Der Think Tank, angeschlossen an die angesehene Johns Hopkins University mit Sitz in Washington, hat in der transatlantischen Gemeinschaft einen guten Ruf, in der öffentlichen Wahrnehmung spielt es jedoch in einer anderen Liga als etwa die Atlantik-Brücke oder ihre amerikanische Schwesterorganisation, der American Council on Germany (ACG). Doch das soll sich ändern.

Man wolle das AICGS „deutlich als ersten Ansprechpartner unter den Think Tanks zum deutsch-amerikanischen Verhältnis platzieren“, so Richenhagens Sprecher. Soll heißen: Mehr Präsenz schaffen – und womöglich auch im Bereich Marketing nachlegen. „Ich möchte vorschlagen, dass wir es in The Institute umbenennen und daraus ein Trademark machen“, so Richenhagen im Podcast.

Zu tun gibt es in jedem Fall einiges für die Einrichtungen, die sich um die deutsch-amerikanischen Beziehungen kümmern. Während der Trump-Präsidentschaft hat sich das Verhältnis zwischen den Ländern spürbar abgekühlt. Zwar betonen beide Seiten stets, dass die Zusammenarbeit auf der Arbeitsebene nach wie vor gut funktioniere, doch das Ansehen der USA in Deutschland hat zuletzt erheblich gelitten. Nur noch 34 Prozent der Deutschen sehen die bilateralen Beziehungen positiv, so das Ergebnis einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Pew.

Viel zu tun also für die Einrichtungen. „Die Arbeit dieser Organisationen ist von kritischer Bedeutung, insbesondere in Zeiten, in denen die transatlantischen Beziehungen Spannungen ausgesetzt sind“, so John Emerson, ehemals US-Botschafter in Deutschland und Chef des ACG. „Sie erinnern uns daran, dass unsere Beziehungen tiefer und breiter sind als lediglich der Umgang der Regierungen miteinander über den Atlantik.“

Tatsächlich ist die Think-Tank-Community äußerst bemüht, die Beziehungen aktiv zu halten. Es vergeht selbst in der Pandemie kaum eine Woche, in der die transatlantischen Institute wie der German Marshall Fund, der Atlantic Council und andere nicht zu Video-Panels zu den deutsch-amerikanischen Beziehungen laden oder Aufsätze über die Zukunft der atlantischen Welt veröffentlichen. Auch das AICGS richtet regelmäßig Diskussionen aus, lädt zu Konferenzen in Deutschland und den USA und schreibt Forschungsstipendien aus.

An engagierten Unterstützern mangelt es dem Institut ebenfalls nicht. Richenhagens Vize im Board of Trustees ist Roland Berger. Und auch sonst ist deutsche und internationale Wirtschaftsprominenz gut vertreten. Die Chefin der Europaabteilung des Investmentbankings von JP Morgan, Dorothee Blessing, ist ebenso mit an Bord wie BASF-Finanzchef Hans-Ulrich Engel, Wolfgang Reitzle und Georg Schaeffler. Ebenfalls mit an Bord ist John Kornblum, ehemals US-Botschafter in Deutschland und Julie Smith, ehemals Beraterin von Joe Biden in dessen Zeit als Vizepräsident.

Geht es nach Richenhagen, dann soll das Board in Zukunft weitere prominente Namen hinzu bekommen. Einen besonderen Blick hat er auf den aktuellen Führungswettstreit in der CDU geworfen. „Es kommt jetzt darauf an: Wer wird nicht gewählt“, so Richenhagen im „Chefgespräch“. „Ich wüsste schon zwei prominente CDU-Politiker, die man ansprechen könnte, von denen einer ja Transatlantiker ist.“ Würde er also gern Friedrich Merz, Ex-Chef der Atlantik-Brücke an das Institut binden? „Auf jeden Fall“, so der Manager.

Mehr zum Thema: Hier geht es direkt zum Podcast mit Martin Richenhagen.