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Wieler zu Weihnachten: „Reduzieren Sie Ihre Kontakte auf ein Minimum, reisen Sie nicht“

Gillmann, Barbara
·Lesedauer: 3 Min.

Der RKI-Chef warnt vor den Auswirkungen der Weihnachtstage auf die Corona-Welle. Was die neue Mutation aus Großbritannien bedeute, könne man noch nicht sagen.

Mit eindringlichen Worten hat Lothar Wieler, der Chef des Robert Koch-Instituts, die Bürger gebeten, auch über Weihnachten so wenig Kontakte wie irgend möglich zu haben. Es werde „noch Wochen dauern“, bis die Infektionszahlen durch den Lockdown deutlich gesenkt werden könnten. Und er habe „Furcht, dass sich die Situation über die Feiertage weiter anspannen wird, weil sich Menschen aus ganz Deutschland treffen“.

Fast flehentlich bat Wieler wiederholt: „Bitte reduzieren Sie Ihre Kontakte auf ein absolutes Minimum, reisen Sie nicht, treffen Sie sich möglichst nur im Freien, und bleiben Sie bei Anzeichen einer Atemwegserkrankung auf jeden Fall fünf Tage zu Hause.“

Es könne auch nicht sein, dass sich Gruppen von Menschen ungeschützt auf der Straße treffen, so der RKI-Chef. Er warnte zugleich vor der Vorstellung, es gebe unterschiedlich sichere Orte für Kontakte: Man könne sich überall anstecken oder das Virus unwissentlich weitergeben – in Geschäften, auf der Straße, bei Freunden oder im Bus. „Sehr glücklich“ sei er jedoch darüber, dass die Impfungen nach Weihnachten beginnen könnten. Auch wenn das „erst mal nichts an der Gesamtsituation“ ändern werde.

Noch Unklarheit über neue Virusmutation

Zu der neuen, in Großbritannien grassierenden Virusvariante sagte Wieler, es sei „sehr, sehr wahrscheinlich“, dass diese nicht nur in den Niederlanden und Dänemark, sondern auch in Deutschland bereits unterwegs sei. Bisher sei sie aber nicht identifiziert worden.

Die Bedeutung der neuen Mutation „können wir noch nicht endgültig einschätzen, dazu sind noch zu viele Fragen offen“. Klar sei aber, je weiter das Coronavirus generell verbreitet werde, „desto mehr Möglichkeit hat es auch, sich zu verändern“.

Die Dringlichkeit seines Vorsichtsappells unterstrich Wieler mit den tendenziell weiter steigenden Todeszahlen: So seien Ende Oktober im Schnitt noch 380 Menschen pro Woche im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben, Ende November dann mehr als 2500 und in der zweiten Dezemberwoche mehr als 3000. Da ein Todesfall immer erst mehrere oder viele Wochen nach der Infektion eintritt, müsse man hier bis auf Weiteres mit noch mehr Toten rechnen.

Am Montag waren dem RKI 19.528 neue Infektionen gemeldet worden. Damit steigt die Gesamtzahl der nachgewiesenen Infektionen auf 1,53 Millionen. 731 Menschen starben an oder mit dem Virus. Insgesamt sind bisher 27.006 Todesfälle registriert worden.

Die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz steigt bundesweit auf 197. Der Wert gibt an, wie viele Menschen je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen positiv getestet wurden. Bund und Länder streben zur Eindämmung des Virus einen Wert von 50 an.

Derzeit steige die Inzidenz noch immer in „praktisch allen Bundesländern, vor allem in Sachsen und Thüringen“, so Wieler. Aktuell gibt es mehr als 5000 Corona-Intensivpatienten, rund 2700 davon müssen auch beatmet werden, was laut Wieler eine „traumatische Erfahrung“ ist. Daneben „werden aber auch ganz normale Betten immer rarer, und es fallen immer mehr Ärzte und Pflegekräfte aus“.