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Der Wiederaufbaufonds hilft – vor allem in Süd- und Osteuropa

·Lesedauer: 3 Min.

Der mit gemeinsamen Schulden finanzierte EU-Wiederaufbaufonds verschafft vor allem den ärmeren EU-Staaten höhere Wachstumsraten, stellt eine Studie fest.

Der 750 Milliarden Euro schwere Europäische Wiederaufbaufonds wird den ärmeren EU-Staaten einen Wachstumsschub bringen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK).

Wenn die Mittel wie beabsichtigt für zusätzliche Investitionen verwendet werden, können sie vor allem den süd- und osteuropäischen EU-Staaten helfen, einen Teil der Wachstumsverluste durch die Corona-Pandemie wieder aufzuholen, schreiben die IMK-Ökonomen Sebastian Watzka und Andrew Watt. Die Studie liegt dem Handelsblatt vorab vor.

Auf den „European Recovery Fund“ (ERF) hatten sich die europäischen Regierungschefs am 20. Juli nach einem der längsten Gipfeltreffen geeinigt. Er sieht vor, dass die EU-Kommission für 750 Milliarden Euro Kredite aufnimmt. Davon soll sie 360 Milliarden Euro in Form von Darlehen und 390 Milliarden Euro als Direktzuschüsse an die Mitgliedstaaten verteilen. Das EU-Parlament muss noch zustimmen.

Nach dem Aufteilungsschlüssel bekommen die süd- und osteuropäischen Länder – bezogen auf die Größe ihrer Volkswirtschaft – mehr Zuschüsse aus dem europäischen Corona-Hilfspaket als die nordwesteuropäischen Kernländer, unter ihnen Deutschland.

In der Studie haben Watzka und Watt mithilfe des ökonomischen Standardmodelles NIGEM berechnet, wie der Fonds auf Investitionen und Wachstum in den einzelnen EU-Staaten wirkt. Für Kroatien, Bulgarien und Griechenland entsprechen die direkten Zuschüsse neun bis elf Prozent des jeweiligen Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 2019.

Die meisten anderen osteuropäischen Staaten bekommen Zuschüsse in Höhe von fünf bis sechs Prozent ihres BIP, Spanien 4,5 und Italien 3,7 Prozent. All dies seien Summen, mit denen diese Staaten ihren öffentlichen Kapitalstock – wie Straßen, Schienen, Schulen – deutlich vergrößern und ihr Wirtschaftswachstum erheblich ankurbeln können, so die Studie.

In reichen Ländern wie Deutschland, Niederlande, Dänemark, Irland und Luxemburg wird demnach der Effekt des Fonds gering sein, weil sie nur jeweils etwa ein halbes Prozent des BIP als Zuschuss bekommen werden.

Die Hoffnung: Ärmere EU-Staaten können aufholen

Watzka und Watt loben allerdings ausdrücklich, dass die ärmeren EU-Staaten ungleich mehr Geld aus dem Fonds bekommen: Sie könnten so endlich gegenüber den reicheren Staaten wirtschaftlich aufholen. Das wirtschaftliche Ungleichgewicht zwischen den EU-Staaten werde so verringert.

Die Wissenschaftler unterstellen in ihrem Modell, dass die Mittel in den 24 Quartalen der Jahre 2021 bis 2026 in gleich großen Tranchen ausbezahlt werden. Schneller werde es nicht gehen, weil Investitionsprojekte Vorbereitungszeit bräuchten.

In allen EU-Staaten werde der Anteil der Investitionen am BIP in der Periode 2020 bis 2026 gegenüber 2010 bis 2019 durch den Fonds steigen: In Griechenland von drei auf vier Prozent, in Tschechien von vier auf sechs Prozent, in Ungarn gar von 4,5 auf sieben Prozent, und auch in Deutschland um einen halben Prozentpunkt des BIP.

In der Folge werde das BIP gegenüber einem Szenario ohne den Fonds in den Jahren 2021 bis 2023 spürbar steigen: In Griechenland um 1,2 Prozent, in Polen um 0,9 Prozent, in Italien um 0,5 Prozent und auch in Deutschland noch um 0,2 Prozent.

Unterm Strich, so die Autoren, werde der ERF so wirken, wie er soll. Ohne ihn hätte es vor allem Südeuropa sehr schwer, die Corona-Rezession zu bewältigen. Und indirekt würden von mehr Wachstum in Südeuropa auch Staaten wie Deutschland, die wenig Geld aus dem Fonds erhalten, profitieren: Wenn die ärmeren EU-Staaten sich stabilisieren, könne zum Beispiel Deutschland wieder mehr Waren dorthin exportieren.