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Fast wie im Film "Terminal": Deutscher lebt seit Wochen am Flughafen

Sandra Alter
Freiberufliche Journalistin

Seit gut zwei Monaten lebt ein deutscher Tourist im Transitbereich des Neu-Delhi-Airports. Wegen der Corona-Pandemie wurden während eines Zwischenstopps in Indien alle Flüge gestrichen.

Sicherheitspersonal überwacht am Flughafen von Neu-Delhi die Ankunft von Landsleuten, die im Mai aus Singapur und Dhaka evakuiert wurden. (Bild: Vipin Kumar/Hindustan Times via Getty Images)

Fast wie im Film “Terminal” mit Tom Hanks: Er darf weder einreisen, noch ausreisen und muss fortan am Flughafen leben. Der Transitbereich des Delhi-Airports in Indien ist seit 62 Tagen das Zuhause von Edgar Z. Der 40-jährige Deutsche war auf dem Weg von Hanoi nach Istanbul, wie das Onlineportal Reisereporter berichtet.

Der Zeitpunkt für die in Indien geplante Zwischenlandung seiner Flugreise hätte ungünstiger nicht sein können. Denn als der deutsche Tourist am 18. März im Transitbereich des Flughafens ankam, um in die Maschine nach Istanbul zu wechseln, wurde sein Flug wegen der Covid-19-Pandemie gestrichen.

Im Rahmen des Lockdowns wurden am 18. März als erstes alle Flüge aus der und in die Türkei gestrichen, vier Tage später alle internationalen Flüge. Am 25. März machte Indien die Landesgrenzen dicht. Für Edgar Z. bedeutete das: Nichts geht mehr.

Krimineller Hintergrund

Wie die Hindustan Times berichtet, sei der Deutsche am 18. März nicht der einzige gestrandete Passagier an dem Flughafen gewesen. „Während andere von ihren betroffenen Botschaften unterstützt und unter Quarantäne gestellt wurden, informierten Beamte der deutschen Botschaft das indische Einwanderungsbüro darüber, dass Z. in ihrem Land ein gesuchter Verbrecher ist, der mehrere Fälle von Körperverletzung und anderen Verbrechen begangen hat“, sagte ein Sicherheitsbeamter des Flughafens der Zeitung.

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Die deutsche Botschaft habe ihm deshalb die Unterstützung verweigert, aus dem gleichen Grund stellt Indien dem Urlauber kein Visum aus.

Beim Auswärtigen Amt in Deutschland ist der Fall bekannt. „Unsere Botschaft in Neu-Delhi steht hierzu in Kontakt zu den indischen Behörden sowie dem Betroffenen und hat diesen in diesem Zusammenhang auch über die Möglichkeiten zur Rückkehr nach Deutschland informiert“, teilte die Behörde auf Anfrage von Reisereporter mit.

Fast wie im Film

In Steven Spielbergs 2004er-Film “Terminal”, der auf einer wahren Begebenheit basiert, liegt der Fall ähnlich: Viktor Navorski (gespielt von Tom Hanks) landet im Transitbereich eines Flughafens in New York, als in seinem Land ein Bürgerkrieg ausbricht. Aus diesem Grund darf er nicht in die USA einreisen und auch nicht in sein Land zurückkehren. Er lebt neun Monate mit seinem Gepäck am Flughafen und richtet sich dort häuslich ein.

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Auch der 40-jährige Deutsche lebt laut der Zeitung nur mit seinem Gepäck am Flughafen, er habe seine Zeit hauptsächlich damit verbracht, Zeitungen und Zeitschriften zu lesen, mit Familie und Freunden zu telefonieren, sich in den Fast-Food-Läden zu ernähren sowie Spaziergänge im leeren Flughafen zu unternehmen.

Er nutze die Waschräume und Toiletten des Flughafens, schlafe auf Bänken, Betten oder Böden, wo auch immer er Lust habe, sagte ein Flughafenbeamter der Hindustan Times. Er sei von den Behörden mit einem Liegestuhl, einem Moskitonetz, Zahnpasta und Lebensmitteln versorgt worden.

Nach Angaben der Beamten besitzt der 40-Jährige Visa für mehrere Länder. Nach Wiederaufnahme der internationalen Flüge darf er weiterreisen. Der landesweite Lockdown soll noch mindestens bis zum 17. Mai andauern. Wann der internationale Flugverkehr in Indien wieder startet, ist bisher nicht bekannt.

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