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Westdeutsche erhalten mehr Weihnachtsgeld als Ostdeutsche

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Berlin (dapd). Für eine Mehrheit der Beschäftigten in Deutschland gibt es auch in diesem Jahr bereits vor Weihnachten eine Bescherung auf dem Konto. Rund 55 Prozent der Beschäftigten erhalten eine Jahressonderzahlung in Form eines Weihnachtsgeldes, wie aus einer Erhebung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Hans-Böckler-Stiftung (WSI) hervorgeht. In den meisten Fällen wird es mit dem Novembergehalt ausgezahlt. Aber: Die Zahlungen sind beispielsweise zwischen Ost (SNP: ^OSTY - Nachrichten) und West, aber auch zwischen Männern und Frauen unterschiedlich verteilt. So erhalten 56 Prozent der Männer, aber nur 53 Prozent der Frauen Weihnachtsgeld.

Das WSI habe keinen Langzeitvergleich gemacht, sagte ein Sprecher der Nachrichtenagentur dapd: "Ich vermute mal, dass das Weihnachtsgeld entsprechend der Tarifentwicklung in den Branchen angestiegen ist." Tatsächlich reichen die Regelungen zu den Jahressonderzahlungen in den Tarifverträgen teils Jahrzehnte zurück. Mit höheren Tarifabschlüssen sind somit auch die prozentual ausgezahlten Weihnachtsgelder gestiegen.

Ein im Vergleich hohes Weihnachtsgeld erhalten unter anderem die Beschäftigten im Bankgewerbe, in der Süßwarenindustrie oder in der westdeutschen Chemieindustrie (95 bis 100 Prozent eines Monatseinkommens). Darunter liegen Branchen wie Versicherungen (80 Prozent), Einzelhandel (West, 62,5 Prozent) sowie die Metallindustrie im Westen (55 Prozent).

Noch etwas höher fällt beispielsweise das Weihnachtsgeld bei der Münchener Rück (Xetra: 843002 - Nachrichten) aus. Tarifmitarbeiter erhalten 110 Prozent des Monatsgehaltes, außertarifliche Mitarbeiter 100 Prozent.

In Westdeutschland gibt es öfter Weihnachtsgeld als im Osten

Jedoch bestehen große regionale Unterschiede. In Westdeutschland bekommen 59 Prozent, in Ostdeutschland 39 Prozent der Beschäftigten Weihnachtsgeld. Auch in der Höhe gibt es Unterschiede. So erhalten beispielsweise Tarifbeschäftigte der Chemieindustrie im Westen 95 Prozent des Monatsgehalts. Der weltweit größte Chemiekonzern BASF hält sich nach eigenen Angaben schon seit Jahren an die Regelung und zahlt darüber hinaus Urlaubsgeld und vermögenswirksame Leistungen.

Im Osten dagegen erhalten die Beschäftigten in der Chemiebranche 65 Prozent eines Monatslohns. Und ein Sprecher der Gewerkschaft ver.di in Thüringen klagt bereits: "Es wird immer schwieriger, Sonderzahlungen wie Weihnachtsgeld tariflich durchzusetzen."

Siemens (BSE: SIEMENS.BO - Nachrichten) will sparen und zahlt dennoch Weihnachtsgeld

Gemäß der Tarifverträge zahlen auch Unternehmen Weihnachtsgeld, die ansonsten Kosten reduzieren und Sparprogramme im Unternehmen fahren. So auch der Konzern Siemens, der bis 2014 sechs Milliarden Euro einsparen will. Die Mitarbeiter im Geltungsbereich des Tarifvertrags der Metall- und Elektroindustrie bekommen dieses Jahr dennoch ein anteiliges 13. Gehalt, das bis zu 60 Prozent eines Monatsverdienstes ausmachen kann. Außerdem zahlt das Unternehmen Urlaubsgeld. "Im Durchschnitt erhalten Mitarbeiter so etwa 13,25 Monatsgehälter im Jahr", sagte ein Sprecher.

Einige Betriebe sind dazu übergegangen, stattdessen Erfolgsbeteiligungen auszuzahlen. "SAP (Xetra: 716460 - Nachrichten) beteiligt seine Mitarbeiter seit Jahren über unterschiedliche Wege am Erfolg des Unternehmens und hat im Gegenzug schon seit längerem tradierte Gehaltsbestandteile wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld abgeschafft", sagte ein Sprecher von Europas größtem Softwarekonzern. Als Beispiel nannte er ein Erfolgsbeteiligungsprogramm für die Mitarbeiter in Deutschland, bei dem sie bei Erreichen der Unternehmensziele 8,33 Prozent des Jahresgrundgehaltes erhalten.

Manche Branchen lassen sich aber eine Hintertür im Tarifvertrag offen. "Bei den norddeutschen Bäckern und Konditoren steht eine Notfallklausel im Manteltarifvertrag, wonach Betriebe die Zahlung in schwierigen Zeiten aussetzen dürfen", sagte eine Sprecherin der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten. Einige Betriebe würden diese Klausel jedes Jahr wieder nutzen. "Da fragen wir uns dann schon, ob das alles so eine Richtigkeit hat", kritisierte die Sprecherin.

dapd

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