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Covid-Hotspot bei Gütersloh, Merkel für EU-Fonds vor Sommerpause

David Verbeek

(Bloomberg) -- Während sich in Deutschland zuletzt weniger Menschen mit dem neuartigen Coronavirus angesteckt haben, tut sich nahe Gütersloh ein neuer Hotspot auf. Die ins Trudeln geratene Lufthansa braucht womöglich weniger Geld vom deutschen Steuerzahler als gedacht, und Bundeskanzlerin Angela Merkel drückt bei dem EU-Wiederaufbaufonds, der die von der Pandemie gebeutelte europäische Wirtschaft wieder in Schwung bringen soll, aufs Tempo.

Noch vor der Sommerpause sollen sich die EU-Länder über das milliardenschwere Wiederaufbauprogramm einigen, forderte die Kanzlerin. “Wir müssen jetzt entschlossen und rasch handeln”, sagte sie am Donnerstag in Berlin. Die Pandemie habe gezeigt, wie fragil das europäische Projekt noch sei. “Noch nie war Solidarität in Europa so wichtig wie heute.” Am morgigen Freitag wird Merkel auf einer Videokonferenz mit ihren EU-Amtskollegen den Vorschlag der EU-Kommission diskutieren.

Die Bundesregierung und die Deutsche Lufthansa AG erwägen, weniger als die bisher geplanten 9 Milliarden Euro in das Rettungspaket für die Fluggesellschaft zu packen. Das erfuhr Bloomberg aus unterrichteten Kreisen. Grund sei, dass die Lufthansa auch aus der Schweiz, Österreich und Belgien Hilfen erhalten könnte, die mit günstigeren Bedingungen verbunden seien.

Bei der Firma Tönnies GmbH in Rheda-Wiedenbrück wurden von den Mitarbeitern des Schlachtbetriebs bis zum Mittwochabend rund 650 positiv auf das Coronavirus getestet. Der Betrieb wurde geschlossen, und die Schulen im Kreis Gütersloh müssen bis zu den Sommerferien den Unterricht einstellen. Der Bürgermeister von Gütersloh, Henning Schulz, kritisierte die Praxis der Werkvertragsarbeit bei dem Unternehmen: “Es zeigt sich jetzt einmal mehr und überdeutlich: Dieses Prinzip ist nicht zukunftsfähig”, erklärte er in einem Statement am Donnerstag.

Nach Angaben der Johns Hopkins Universität vom Donnerstagmorgen wurden in den zurückliegenden 24 Stunden in Deutschland 352 Neuinfektionen gemeldet - ein Rückgang gegenüber dem Vortag, als 570 Ansteckungen registriert worden waren. Seit mehr als vier Wochen liegt die Zahl der Neuinfektionen deutlich unter Tausend und weit unter den Höchstwerten Ende März, als an manchen Tagen knapp 7000 Fälle registriert wurden.

Seit Beginn der Pandemie haben sich in Deutschland insgesamt 188.604 Personen mit dem Virus angesteckt, zeigen Daten der Johns Hopkins University. Deutschland liegt damit auf dem zwölften Platz weltweit, nachdem auch Chile mehr Infektionen gemeldet hat.

Weitere 31 Menschen sind zuletzt im Zusammenhang mit einer Covid-19-Infektion gestorben. Die Gesamtzahl der Todesopfer stieg damit auf 8851.

Laut Robert Koch Institut vom Vorabend ging die Reproduktionszahl, der sogenannte 4-Tage-R-Wert, auf 0,86 zurück. Damit liegt die Ansteckungsrate erstmals seit dem 13. Juni wieder unter der kritischen Marke von eins. Der Sieben-Tage-R-Wert, der Schwankungen stärker ausgleicht, wurde mit 0,89 angegeben.

Das R-Maß gibt an, wie viele weitere Menschen ein Infizierter im Durchschnitt ansteckt; die Zahl sollte unter 1,0 liegen, um eine exponentielle Ausbreitung zu verhindern, die das Gesundheitssystem überfordern könnte.

(Ergänzt um Lufthansa)

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