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„Unsere Welt wird nach Corona nicht mehr dieselbe sein“

Der Bulthaup-Chef Marc O. Eckert sieht in der Coronakrise auch Chancen zum Umdenken. Es gehe jetzt darum, ein neues Wertesystem zu entwickeln.

Unter Corona leiden derzeit alle – vom Kleinstbetrieb bis zum Weltkonzern. Da ist es erfrischend, wenn einer der bekanntesten deutschen Mittelständler neben Problemen auch mal Chancen sieht – gerade für Themen wie Nachhaltigkeit. Marc O. Eckert steuert als Enkel des Firmengründers Martin Bulthaup seit gut zehn Jahren die gleichnamige Küchen-Ikone aus dem bayerischen Bodenkirchen.

Herr Eckert, was bedeutet Corona für eine Design- und Möbelikone wie Bulthaup?
Zunächst einmal Unsicherheit, weil Unwissenheit.

Weil Ihr Unternehmen einen Großteil seines Geschäfts längst dem Export verdankt?
Mir geht’s da um Größeres. Wir spüren doch alle, dass wir vor einer Art Zeitenwende stehen, die uns von der aktuellen Pandemie nun besonders anschaulich vor Augen geführt wird.

Inwiefern?
Die Globalisierung, die Abhängigkeit von China, Reisegier, Fachmessen, auf denen wir uns alle nur noch selbst feiern, der chronische Konsum, das ganze Schneller-Höher-Weiter-Mehr – unsere Welt, diese Prognose wage ich, wird nach Corona nicht mehr dieselbe sein.

Klingt nach neuem Cocooning und Sicherheit in den eigenen vier Wänden…
Das sähe ich durchaus positiv, es muss ja nicht in Isolationismus enden – und das sage ich nicht nur, weil ich Küchen und damit Lebensräume produziere. Das Leben bedeutet stetige Pendelbewegungen. Derzeit geht es nur noch um Masse, Schnelligkeit, Billig- und Billigst-Angebote… Das könnte nun korrigiert werden – hin zu einer neuen Philosophie der Qualität…

… die bislang ja durchaus ihren Preis hat.
Aber dabei geht es nicht darum, an alles ein Preisschild zu kleben. Ich habe mich eh immer dagegen gewehrt, dass wir bei Bulthaup als Luxusmarke gesehen werden. Was wir tun, hat viel mit Suche zu tun, mit Nachdenklichkeit und Innehalten, mit einem eigentlich einfachen, klaren Leben. Am Ende geht es doch vor allem um Lebensqualität und die Momente, die mich als Mensch glücklich machen oder inspirieren.

Corona als Chance?
Warum nicht? Ich denke, dass die Menschen durch solche Krisen auch zurückfinden zu der Grundfrage, was wirklich wichtig ist im Leben. Luxus bedeutet nicht Reichtum. Insofern geht es jetzt darum, dass wir ein neues Wertesystem entwickeln. Eines, das uns alle entschleunigt, denn neben Objekt und Raum kommt die dritte Dimension künftig wieder zu ihrem Recht: Zeit.

In diesem Transformationsprozess steckt auch Bulthaup?
Natürlich. Unsere erste Lebensphase als Unternehmen galt dem Produkt, die zweite war seiner Ästhetik gewidmet. In der dritten Phase wird es nun darum gehen, einen erweiterten Qualitätsbegriff zu entwickeln. Wir sind mittendrin.

Herr Eckert, vielen Dank für das Interview.