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Welche Versicherungspolicen bei Cyberattacken Schutz bieten

Kriminelle werden immer einfallsreicher, wenn es darum geht, Hackerangriffe auf Privatleute auszuüben. Wie können Versicherungen helfen?

Gerade in der Coronazeit spielt Cyberkriminalität eine immer größere Rolle (Symbolbild: Jochen Lübke/dpa)

Mit Smartphone und Laptop nahezu überall und jederzeit im Internet zu surfen gehört längst zu unserem Alltag. Doch im Zuge der Coronakrise sind viele Onlinedienste noch stärker gefragt. Laut einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom bestellen 94 Prozent der Internetnutzer über 16 Jahren Waren online. Ein Fünftel der Befragten gab an, seit der Pandemie mehr im Internet zu bestellen als davor.

Wer mehr im Netz unterwegs ist, muss auch mit mehr Ärger rechnen. Derzeit nimmt die Cyberkriminalität laut Europol zu: So sieht die EU-Polizeibehörde Anzeichen für vermehrte Phishing- und Ransomware-Attacken. Kriminelle versuchen dann, über gefälschte Webseiten an Nutzerdaten zu gelangen, oder sie sperren Computer mittels Schadsoftware und fordern ein Lösegeld.

Cyberkriminalität: Diese Fallen lauern in der Coronakrise

Bereits 2018 registrierte das Bundeskriminalamt mehr als 87.000 Fälle von Cyberkriminalität. Rund 40 Prozent der privaten Internetnutzer in Deutschland sind dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zufolge schon einmal Opfer eines Cyberangriffs geworden.

Eine Möglichkeit, sich gegen solche Risiken finanziell zu schützen, ist der Abschluss einer Cyberversicherung. Laut GDV würden sich rund 40 Prozent der Deutschen gegen das Risiko eines Hackerangriffs absichern. Für weitere 20 Prozent wäre die Versicherung von Identitäts- und Datendiebstahl wichtig.

Das Verbrauchermagazin „Finanztest“ hat in der Ausgabe 6/2020 erstmals 19 Cyberversicherungen für Privatpersonen von 15 Anbietern untersucht. Festgestellt haben die Tester, dass es bislang keine Standardlösungen gibt. Die Versicherer bieten diverse Hilfeleistungen, es gibt Policen mit und ohne Rechtsschutz.

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Der detaillierte Blick auf die Auswertung zeigt, dass die meisten Versicherungen bei Cybermobbing eine psychologische und juristische Erstberatung bieten. Gemeint sind Fälle, bei denen das Opfer über soziale Netzwerke beleidigt oder bedroht wird. Bei manchen Versicherern können die Kunden hierfür einen Rechtsschutz buchen.

Ein Tarif mit Schadensersatz-Rechtschutz hilft, wenn die Versicherten vom Täter einen Schadensersatz fordern. Beim Strafrechtsschutz übernimmt die Versicherung Anwaltskosten bei strafbaren Handlungen des Versicherten oder anderer Personen gegen ihn. Eine strafbare Handlung des Versicherten wäre demnach beispielsweise, wenn dieser versehentlich ein urheberrechtlich geschütztes Video herunterlädt.

Löschen von rufschädigenden Daten

Daneben beinhalten manche Cyberversicherungen die Suche nach und das Löschen von persönlichen und rufschädigenden Daten im Internet, insbesondere im Darknet. Das ist der Teil des Internets, der nicht über die üblichen Suchmaschinen auffindbar ist und in dem Nutzer anonym bleiben wollen.

Die meisten Cyberpolicen übernehmen bis zu einem gewissen Umfang auch die Kosten für die Datenrettung, etwa wenn Dateien wegen einer Schadsoftware verloren gegangen sind. Elke Weidenbach, Versicherungsexpertin von der Verbraucherzentrale NRW, gibt zu bedenken, dass Verbraucher solche Dienste auch unabhängig von einer Cyberpolice nutzen könnten: „Möglicherweise ist eine separate Beauftragung kostengünstiger.“

Sicherheit: Im Netz immer neue Passwörter benutzen

Häufig leisten die Tarife aber auch bei Vermögensschäden im Onlinehandel, die dem Versicherten zum Beispiel durch Nicht- oder Falschlieferung entstehen. Nicht zuletzt gibt es Cyberversicherungen, die Schäden an Dritten übernehmen.

Insgesamt urteilt „Finanztest“, dass der Versicherer Arag ein breites Leistungsspektrum biete. Die Tarife kosten für Einzelpersonen zwischen 42 Euro und 212 Euro im Jahr. Mit Rechtsschutz sei der Tarif Webaktiv Komfort gut, ohne Rechtsschutz halten die Tester den Tarif Cyberguard von Inter für geeignet.

Bestehende Policen prüfen

Viele Risiken decken aber auch andere Versicherungen ab. Weidenbach sagt: „Internetnutzer sollten vor dem Abschluss einer Cyberpolice zunächst überprüfen, welcher Schutz über bereits bestehende Versicherungen vorhanden ist.“ Häufig lasse sich das Geld dann sparen.

Die Rechtsschutzversicherung übernimmt Gerichts-, Anwalts- und Sachverständigenkosten, wenn Versicherte ihre Interessen nach einem Fall von Cybermobbing durchsetzen wollen. Die Privathaftpflichtversicherung sichert Verbraucher gegen Schäden ab, die sie einem Dritten zufügen, etwa wenn sie versehentlich einen Computervirus weiterleiten.

Über die Hausratversicherung sind Schäden abgesichert, die durch Datendiebstahl beim Onlinebanking entstehen. Und die Krankenversicherung, egal ob gesetzlich oder privat, übernimmt die Behandlungskosten, wenn ein Internetnutzer wegen Cybermobbings zum Arzt geht.

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Unabhängig von einer Versicherung sollten Verbraucher ihre Computer durch Passwörter und Virenprogramme schützen. „Finanztest“ rät, auch das Betriebssystem regelmäßig zu aktualisieren. Bei Cyberpolicen steht all dies oftmals in den Bedingungen.

„Verbraucher sollten vor Vertragsabschluss unbedingt mit dem Versicherungsunternehmen klären, welche Schutzmaßnahmen es fordert“, betont Verbraucherschützerin Weidenbach. „Häufig dürfen sie bei ihren Virenprogrammen kein Update verpassen, da der Versicherer ihnen dann an auftretenden Schäden ein Mitverschulden anlasten könnte.“

Zudem sollten Verbraucher im Netz so wenig Daten wie möglich preisgeben. So wird immer wieder davor gewarnt, Kontonummern an Unbekannte zu schicken oder auf verdächtige Links zu klicken. „Das eigene Verhalten trägt viel dazu bei, Risiken im Internet zu minimieren“, ist Weidenbach überzeugt.