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Welche Versicherungen ihr unbedingt braucht, und welche ihr euch sparen könnt

·Lesedauer: 8 Min.
Schrottauto, Schwarzbacher Straße, Wilmersdorf, Berlin, Deutschland
Schrottauto, Schwarzbacher Straße, Wilmersdorf, Berlin, Deutschland

Das ganze Leben ist ein reines Risiko. Nach diesem Motto versuchen Versicherungen, uns Verbrauchern alle möglichen Absicherungslösungen anzudrehen. Ob während des Online-Checkouts beim Versandhändler oder im stationären Handel: Für praktisch jeden Kauf gibt es mittlerweile eine scheinbar passende Versicherung.

Da drängt sich natürlich die Frage auf, welche Arten von Absicherung man überhaupt braucht – und welche „nice to have“ oder schlicht Quatsch sind.

Am besten fragt man hierzu jemanden, der sich im Business auskennt und seit vielen Jahren unabhängig berät. Zum Beispiel Peter Grieble, der als Experte für Versicherungsthemen bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg arbeitet. Im Gespräch mit Business Insider rät er euch dazu, zunächst einmal genau darüber nachzudenken, welche Art von Vorkommnissen ihr als „existenzielles Risiko“ einschätzt. Oder, anders gefragt: Was sind die größtmöglichen Schäden, die ihr euch vorstellen könnt? In der Regel hängen sie mit Situationen zusammen, in denen Menschen zu Schaden kommen oder in denen eurer Einkommen betroffen ist, das euch finanziell absichert. In diesen Bereichen solltet ihr euch dementsprechend absichern.

Grundausstattung: Privathaftpflichtversicherung

Einer der wichtigsten Produkte ist hier zweifellos die Privathaftpflichtversicherung. Sie zahlt immer dann, wenn ihr jemanden schädigt. Also zum Beispiel wenn ihr im Porzellanladen ausrutscht und ein Teil des Inventars zu Bruch geht. Wer auf eine derartige Absicherung verzichtet, haftet im Ernstfall mit seinem gesamten Privatvermögen. Besonders Situationen, in denen Menschen zu Schaden kommen, können deshalb schnell den finanziellen Ruin bedeuten.

Die Privathaftpflicht ist, gerade im Vergleich zu anderen Versicherungen, günstig und schon für niedrige einstellige Eurobeträge pro Monat zu haben. Vor Abschluss solltet ihr die Versicherungsbedingungen genau checken und den Tarif genau an eure Bedürfnisse anpassen. Dann wird zum Beispiel auch gezahlt, wenn ihr fremde Schlüssel verliert.

Die Stiftung Warentest verweist darauf, dass die meisten Tarife in diesem Segment über die Jahre „immer besser“ geworden sind und sich oftmals auch ein Wechsel aus einer alten in eine neuere Police lohnt.

Übrigens: Wenn ihr einen Hund habt, müsst ihr euch eine spezielle Hundehaftpflicht zulegen. Die zahlt dann, wenn das Tier Schäden anrichtet.

Sinnvoll: Auslandskrankenversicherung

Ebenfalls zur absoluten Grundausstattung gehört die Krankenversicherung. Darauf verweist unter anderem das gemeinnützige Verbraucherportal Finanztip.de. In Deutschland muss grundsätzlich jeder entweder gesetzlich oder privat krankenversichert sein. Wer eine solche Absicherung nicht vorweisen kann, wird ausschließlich im Notfall ärztlich behandelt. Eng verwandt ist die Auslandskrankenversicherung, die es schon für einen kleinen einstelligen Eurobetrag pro Jahr (!) gibt. Sie zahlt zum Beispiel euren medizinischen Rücktransport nach Deutschland, wenn ihr im Ausland einen Unfall habt. Einen solchen zahlt die gesetzliche Krankenversicherung nicht. Seid ihr in den USA oder in Vietnam, steht ihr ohne Auslandsreisekrankenversicherung besonders dumm da, da die gesetzliche Krankenkasse dort gar keine Leistungen, auch keine Kosten für Heilbehandlungen, übernimmt. Peter Grieble macht diesbezüglich darauf aufmerksam, dass solche Heilbehandlungs- und Rücktransportkosten schnell „fünf– bis sechsstellige Summen verschlingen können“. Wie auch bei der Privathaftpflichtversicherung gilt hier also: Sehr sinnvolle Absicherung, geringe Kosten.

Ähnlich wie mit der Krankenversicherung verhält es sich mit der Rentenversicherung. Auch sie ist gesetzlich vorgeschrieben. Seid ihr Arbeitnehmer, wird euch ein Beitrag monatlich vom Lohn abgezogen, ohne dass ihr das merkt. Bestimmte selbstständige Personen wie Hebammen und Handwerker sind ebenfalls pflichtversichert. Andere Selbstständige können freiwillig zahlen, heißt es von Finanztip.de. Fakt ist allerdings auch: Für viele wird das auf diese Weise „Ersparte“ nach dem Arbeitsleben kaum ausreichen. Aus diesem Grund empfiehlt der Staat freiwillige private Vorsorge, die in vielen Fällen steuerlich gefördert wird. Das funktioniert zum Beispiel über die sogenannte Riester-Rente. Eine Alternative ist zum Beispiel ein Aktien-Sparplan, mit dem ihr monatlich einen fixen Betrag investieren könnt, zum Beispiel in einen weltweit streuenden Aktienindex wie den MSCI World.

Ein Muss für Autobesitzer: KFZ-Haftpflicht

Wenn ihr ein Auto habt oder wollt, müsst ihr an eine KFZ-Haftpflichtversicherung denken, die im Schadensfall zahlt. Produkte wie Teil- oder Vollkasko-Versicherung sind dagegen nicht verpflichtend, aber unter Umständen sinnvoll.

Besitzt ihr oder eure Eltern ein Haus, solltet ihr über eine Wohngebäudeversicherung nachdenken. Die ist deshalb sinnvoll, weil sie gegen Feuer, Sturm, Hagel oder auch Blitzschlag absichert. Von derartigen Einflüssen herbeigeführte Schäden gehen schnell einmal in die Zehntausende Euro.

Ebenfalls als sehr sinnvoll schätzen Experten die Berufsunfähigkeitsversicherung ein. Hier gilt: Je früher man sie abschließt, desto besser. Abgesichert sind alle, die nicht mehr arbeiten können – ob aus physischen oder psychischen Gründen. Peter Grieble von der Verbraucherzentrale macht darauf aufmerksam, dass Eltern für ihre Kinder ab dem 10. Lebensjahr eine solche Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen können. Vorher ist unter Umständen eine Kinderinvaliditätsversicherung sinnvoll, die sowohl nach einem Unfall als auch bei Krankheit einspringt.

Eine (wenn auch schlechtere) Alternative zur Berufsunfähigkeitsversicherung ist die Erwerbsunfähigkeitsversicherung, die allerdings nur dann zahlt, wenn ihr in überhaupt keinem Beruf mehr arbeiten könnt. Für dieses Versicherungssegment gilt: Lasst euch gut und unabhängig beraten. Viele Tarife sind sehr komplex, und auch teuer.

Gleiches gilt für Risikolebensversicherungen, die Finanztip.de empfiehlt. Sie zahlt zum Beispiel dann, wenn ein Elternteil stirbt, und ist insbesondere dann sinnvoll, wenn eure Familie von nur einem Gehalt lebt.

Die gesetzliche Pflegeversicherung bezeichnet Peter Grieble als „Teilkasko“. Möchtet ihr dagegen eine „Vollkasko“, solltet ihr euch über eine Pflegezusatzversicherung Gedanken machen. Der Experte macht darauf aufmerksam, dass die eigene Pflege oder die eines Angehörigen auf Dauer sehr teuer sein kann.

Diese Versicherungen sind „nice to have“

Neben diesen essenziellen Versicherungen gibt es auch eine Reihe, die „nice to have“ sind, also nicht unbedingt nötig, aber unter Umständen sinnvoll. Das müsst ihr von Fall zu Fall selbst entscheiden.

In diese Kategorie fällt zum Beispiel die bekannte Hausratversicherung. Sie zahlt für alle jene Sachen, die „aus dem Haus herausfallen, wenn man es auf den Kopf stellen könnte“. So erklärt es so manche Maklerin gerne ihren Kunden. Ist der Fernseher also nach einem Wasserschaden kaputt, ist das ein Fall für die Hausrat. Für andere Schäden im Zusammenhang mit eurer Mietwohnung oder dem gesamten Haus ist die erwähnte Gebäudeversicherung zuständig, also für zerstörte Türen und Fenster, kaputte Böden oder gebrochene Leitungsrohre.

Eher komplex wird es wieder dann, wenn es ums Thema Rechtsschutz geht. In diesem Versicherungssegment gibt es verschiedene „Bausteine“, die ihr oftmals recht frei zusammenstellen könnt. Derartige Produkte sichern euch gegen die Kosten eines Rechtsstreits ab. Eher sinnvoll ist sicher der Verkehrsrechtsschutz, der euch zum Beispiel als Auto- oder Fahrradfahrer absichert. Seid ihr Mieter, gibt es Bausteine, die euch absichern. Besonders günstige Tarife bekommt ihr dann, wenn ihr Mitglied in einem Mieterverein seid. Seid ihr Wohnungseigentümer und vermietet selbst, könnt ihr euch anhand des in der Regel sehr viel teureren Vermieterrechtsschutz absichern.

Hinsichtlich der Unfallversicherung weist Peter Grieble darauf hin, dass Krankheiten zehnmal häufiger der Grund für Berufsunfähigkeit sind als Unfälle.

Fahrradversicherungen sind in den vergangenen Jahren sehr viel günstiger und leistungstechnisch umfangreicher geworden.

Habt ihr ein teures Rad und wollt euch zum Beispiel gegen Stürze absichern, kann eine derartige Police sinnvoll sein. Wollt ihr euer Rennrad nur gegen Diebstahl absichern, deckt diese Leistung eventuell schon eure Hausratversicherung ab.

Diese Versicherungen könnt ihr euch sparen

Neben den genannten Versicherungsprodukten gibt es auch eine ganze Reihe anderer, die in vielen Fällen die Versicherer reich machen – und euch im Zweifel eher wenig bringen.

Finanztip.de rät zum Beispiel von den klassischen oder fondsgebundenen Rentenversicherungen ab, und zwar wegen „hoher Kosten und niedriger Zinsen“. Auch sogenannte Ausbildungsversicherungen seien unnötig, heißt es. Derartige Produkte seien „teuer und unflexibel“. Auch von einer Sterbegeldversicherung, die im Todesfall eines Angehörigen für die Beerdigung zahlt, wird abgeraten, ebenso von diversen Handyversicherungen, die oftmals viele Schäden ausschließen.

Ähnliches tut auch die Reisegepäckversicherung, die die Deutsche Bahn zusammen mit der Ergo Reiseversicherung gerne im Bundle mit ihren Bahncards vertickt. In den FAQ des sogenannten „Jahres-Reiseschutz“ heißt es zwar großspurig: „Ihr Koffer mit dem kompletten Inhalt ist weg oder beschädigt? Wir übernehmen den Schaden bis 1.000 Euro je Reise.“ Auf dem Produktinformationsblatt steht aber: „Schäden durch Verlieren, Vergessen, Liegen- Hängen- oder Stehenlassen“ sind vom Versicherungsschutz ausgenommen.“ Zudem deckt meistens die Hausratversicherung den Verlust von Gepäck im Urlaub ab.

Auch eine Glasbruchversicherung ist insofern meist unnötig, als viele Glasschäden schon von der Hausrat-, Wohngebäude- oder der Privathaftpflichtversicherung abgedeckt sind.

Zum Thema Versicherungen beraten lassen könnt euch kostenlos bei den Verbraucherzentralen der Bundesländer. Aber auch Versicherungsmakler mit breitem Produktangebot sind eine Anlaufstelle. Auch sogenannte Versicherungsberater, die ein Honorar von euch verlangen, arbeiten im besten Fall unabhängig. Besucht ihr dagegen die Agentur eines Versicherungsunternehmens, müsst ihr euch im Klaren darüber sein, dass derartige Firmen nur die Produkte aus ihrem eigenen Portfolio verkaufen. Sie sind aber gesetzlich verpflichtet, euch seriös zu beraten und diese Beratung zu dokumentieren

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