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Überrascht Löw wieder?

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Überrascht Löw wieder?
Überrascht Löw wieder?

Gläserne Panorama-Lounge auf der Zugspitze. 2962 Meter über dem Meeresspiegel. Punkt 13 Uhr.

Im Mai 2008 drehte der DFB bei seiner Kader-Bekanntgabe das ganz große Rad. Bundestrainer Joachim Löw bestimmte seine Gipfelstürmer für die anstehende EM - und sorgte gleich für mehrere Aufreger.

Timo Hildebrand, bis dato Nummer zwei hinter Jens Lehmann, wurde aus dem Kader gestrichen, mit René Adler und dem damaligen Gladbacher Marko Marin wurden plötzlich zwei Neulinge nominiert.

Am Mittwoch gibt Löw nun zum siebten Mal als verantwortlicher Cheftrainer seinen Kader für ein großes Turnier bekannt (Confed Cup ausgenommen). Wird er in alter Tradition erneut eine Überraschung aus dem Hut zaubern?

2010 reisten die Neulinge Holger Badstuber und Dennis Aogo mit zur WM nach Südafrika. 2012 schafften es Marc-André ter Stegen und der erst 18-Jährige Julian Draxler zumindest ins vorläufige EM-Aufgebot, wurden dann aber ebenso wie etwas überraschend Cacau und Sven Bender noch gestrichen.

Vor der WM in Brasilien 2014, die mit dem Titel enden sollte, rasierte Löw Stürmer Mario Gomez. Shkodran Mustafi erwischte es nach dem Trainingslager. Weil sich Marco Reus aber verletzte, wurde er doch noch Weltmeister.

Reus 2016 spät aussortiert

2016 hätte kaum jemand damit gerechnet, dass Löw mit Julian Weigl, Leroy Sané, Julian Brandt und Joshua Kimmich gleich vier Youngster in den vorläufigen Kader beruft, für vier Weltmeister (Ron-Robert Zieler, Erik Durm, Matthias Ginter und Christoph Kramer) war dagegen keinen Platz. Der wohl größte Hammer folgte dann aber im abschließenden Trainingslager. Marco Reus wurde wegen gesundheitlicher Probleme aussortiert.

2018 erwischt es Sandro Wagner knüppeldick. Der Stürmer rechnete fest mit einem Platz bei der WM, Löw entschied sich aber überraschend für Freiburgs Nils Petersen (der später gestrichen wurde), woraufhin Wagner seinen Rücktritt aus dem DFB-Team erklärte. Und noch ein Aufreger: Sané musste nach dem Trainingslager seine Sachen packen. Eine Entscheidung, die noch Monate später für viele Diskussionen sorgte.

Nun also steht die nächste Nominierung an - und Löw hat noch mehr Spielraum für Überraschungen als sonst.  

Löw darf 26 Spieler in seinen Kader berufen

26 Spieler darf der scheidende Bundestrainer mit zur Europameisterschaft nehmen. Drei mehr als üblich, denn die UEFA möchte vermeiden, dass ihr Premiumprodukt von Quarantäne-Anordnungen beeinträchtigt wird.

Wer also hätte womöglich das Zeug zur echten Löw-Überraschung?

Mergim Berisha:

Der Salzburger ist gemeinsam mit Timo Werner der erfolgreichste deutsche Torschütze der Champions League. In der Liga kommt er bislang auf starke 21 Torbeteiligungen in 27 Spielen.

Der 23-Jährige ist schnell und bringt mit einer Körpergröße von 1,88 Metern auch eine gewisse Größe mit, die beispielsweise Werner oder auch Serge Gnabry abgehen.

Als der in Berchtesgaden geborene Stürmer im Dezember in der Königsklasse einen Doppelpack für Lokomotive Moskau erzielte, wendete sich RB direkt an den DFB. “Hey Jogi, für Kontaktdaten helfen wir gerne aus“, twitterte der Klub. Ob Löw das Angebot inzwischen angenommen hat?

Mario Götze:

Der Held der WM 2014 ist zurück! Seit seinem Wechsel zur PSV Eindhoven in die Niederlande blüht der 28-Jährige wieder auf.

Fünf Tore und sechs Assists in 18 Spielen sind eine beachtliche Quote. Allerdings hatte der Offensivspieler auch immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen. Wäre er wirklich fit genug für die EM?

Mit seinen technischen Fähigkeiten auf engem Raum könnte er auch als Joker Einfluss nehmen. Doch mit dem vermutlichen Rückkehrer Thomas Müller sowie den beiden Durchstartern Florian Wirtz und Jamal Musiala ist die Konkurrenz auf der Zehn (sofern Löw denn mit einem Zehner spielen lässt) groß.

Mo Dahoud:

Was für eine bärenstarke Saison-Endphase beim BVB! Unter dem neuen Trainer Edin Terzic bekommt der zentrale Mittelfeldspieler das lang ersehnte Vertrauen und zahlt mit Leistung zurück.

Reicht das für den Techniker mit gutem Auge, um noch auf den EM-Zug aufzuspringen? "Ich will jetzt noch im Saisonendspurt mit dem BVB Gas geben und auf mich aufmerksam machen", sagte der 25-Jährige, der bislang zwei Länderspielen vorzuweisen hat, vor wenigen Tagen im SPORT1-Interview.

"Ich hoffe, dass es reicht. Am Ende wird man sehen, ob ich dabei bin oder nicht."

Christian Günter:

Dass der DFB auf eine Spielberechtigung von Stuttgarts Borna Sosa gehofft hat (der gebürtige Kroate hat jetzt auch einen deutschen Pass), verdeutlicht, dass die Position des Linksverteidigers weiterhin als Baustelle angesehen wird.

Warum also nicht Freiburgs Günter mitnehmen, der bei Löw vor der Haustür kickt und seit Jahren konstant die Außenbahn auf- und ab marschiert?

Löw machte ihn 2014 im Alter von 21 zum Nationalspieler, seither folgte aber keine weitere Minute im DFB-Dress mehr.

Kommt es jetzt zur Wende? Mit seinem Sprint über das halbe Feld inklusive des Tors gegen den FC Bayern am Wochenende hat der 28-Jährige zumindest nochmal Eigenwerbung betrieben.  

Kevin Volland:

Für viele neutrale Beobachter wäre es wohl gar keine so große Überraschung, sollte der 28-Jährige dabei sein. Doch der Allgäuer hat unter Löw seit Jahren einen schweren Stand.

Im November 2016 hat der Stürmer sein letztes Länderspiel bestritten. Seither trifft und trifft er, wird aber einfach nicht mehr nominiert.

"Für mich ist er mit der Art und Weise, wie er Fußball spielt, ein Spieler für die Nationalmannschaft. Kevin ist der einzige deutsche typische Mittelstürmer", warb sein aktueller Trainer Niko Kovac kürzlich im SPORT1-Interview für seinen Schützling.

24 Torbeteiligungen in 24 Pflichtspielen hat Volland bei der AS Monaco vorzuweisen. Reicht das dieses Mal für die EM?

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