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Weil die Preise für Brot explodieren, kämpfen Bäcker jetzt mit günstigem "Inflationsbrot" um Kunden

Die Preise für Brot sind in Deutschland um 17,5 Prozent gestiegen. - Copyright: picture alliance / ROBIN UTRECHT | ROBIN UTRECHT
Die Preise für Brot sind in Deutschland um 17,5 Prozent gestiegen. - Copyright: picture alliance / ROBIN UTRECHT | ROBIN UTRECHT

Die hohen Preise für Energie treffen nicht nur Verbraucher in den heimischen vier Wänden, sondern auch beim Einkaufen. Ein beliebtes Lebensmittel der Deutschen hat sich seit Ausbruch des Ukraine-Krieges deutlich verteuert: Brot.

Laut Daten von Eurostat ist in Deutschland der Brotpreis um 17,5 Prozent gestiegen, im Vergleich zum August vergangenen Jahres. EU-weit stieg der Preis sogar um 18 Prozent. Grund sind zum einen die hohen Energie-Kosten für die Bäckereien, zum anderen der hohe Preis für Mehl. Um überleben zu können, müssen viele Bäcker die Preise für ihre Backwaren anheben und an ihre Kunden weitergeben.

Das offenbar einige Bäcker dazu bewogen, kreativ zu werden. Sie bieten immer häufiger sogenanntes "Inflationsbrot" an – wobei jeder Betrieb darunter ein bisschen etwas anderes versteht. Nur der Kern bleibt gleich: Es soll Brot sein, das günstig im Preis ist und dadurch Kundschaft anlockt.

Günstiges Brot durch Sponsoring

Beispiel Nordrhein-Westfalen. Hier bietet Michael Tenke in der seiner Bäckerei "Inflationsbrot" an – für 3,95 Euro statt 4,45 Euro. Den Preis habe er drücken können, weil er einen Sponsor für das Brot gefunden habe, einen Bauhandwerksbetrieb, wie der WDR berichtet. Die Firma zahlt Bäcker Tenk für eine bestimmte Brotsorte 50 Cent je Laib. Dafür wirbt der Bäcker in seinem Laden für eben diese Firma. Für den Bäcker eine Win-win-Situation. "Der Kunde wird entlastet und der Betrieb dadurch nicht belastet", sagt er dem WDR.

Eine andere Lösung, um günstiges Brot anzubieten, hat Bäcker Mario Fritzen, ebenfalls aus NRW, gefunden. Er verwendet laut "HNA" günstigere Zutaten, um "Inflationsbrot" anbieten zu können. "Ein Brot ohne viel Schnickschnack, lecker und mit 2,50 Euro deutlich günstiger als andere Brote", beschreibt es Fritzen. Das Weizenmischbrot werde von den Kunden angeblich gut angenommen und sei das meistverkaufte Brot in der Landbäckerei im Kölner Umland, behauptet er.

Bauherr Roland Schüren
Bauherr Roland Schüren

Restbrot statt teuren Mehls

Auch andere Bäckereien greifen tiefer in die Trickkiste. In Fürth in Bayern verkauft Andreas Kätsch in seinem Café Jakob "Inflationsbrot" und "Inflationsbrötchen", in dem er zu einem gewissen Prozentsatz altes Brot in den Teig für das neue beimischt. Das alte Brot werde dafür getrocknet, gemahlen und, bevor es dem frischen Brotteig hinzugefügt werde, wieder eingeweicht, berichtet Echo-Online. „Die Mehlpreise sind im Augenblick dreimal so hoch wie 2021“, sagt der Bäcker. Es sei erlaubt, altes Brot auf diese Weise zu verwerten. Schöner Nebeneffekt, laut dem Bäcker: Die so gebackenen Brote seien oft länger haltbar und schmeckten intensiver. Für Kätsch ist der wichtigste Punkt aber, dass er die Brote zu günstigeren Preisen anbieten kann. „Die Leute haben weniger Geld und sparen“, erklärt er.

Und selbst Bio-Bäcker versuchen, durch andere Zutaten günstiger zu backen. Düsseldorf aktuell sprach mit Bäcker Roland Schüren, der seit Anfang September seine „Bio-Crouton-Krume“ als Inflationsbrot im Angebot hat. Das Brot sei knapp einen Euro günstiger als ein vergleichbares Bio-Brot, weil bei ihm Mehl durch geröstete Brotkrumen ersetzt werde, die wiederum von Restbroten stammten.

sr