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Weil der Abbau von 2100 Stellen in Deutschland stockt, will Opel den Werkzeugbau komplett einstampfen — Betriebsrat spricht von „neuem Tiefpunkt“

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Der Autobauer Opel will den Werkzeugbau in seinem Stammwerk im hessischen Rüsselsheim schließen. Entgegen der ursprünglichen Vereinbarung soll die Abteilung mit ihren 260 Beschäftigten nun doch nicht nur verkleinert werden. Vielmehr sollen nach den jüngsten Plänen bis zum Jahresende alle bestehenden Projekte auslaufen. Das berichtete unter anderem das „Handelsblatt“.

Grund dafür sei, dass durch den Umbruch in Richtung Elektroantrieb immer weniger Arbeit in dem Bereich anfalle. Man habe zwar alles versucht, Auslastung und Personalbedarf in der Abteilung in Balance zu halten. „Trotz aller Anstrengungen wird jedoch ab 2022 dauerhaft keine angemessene Auslastung mehr möglich sein“, habe es am Mittwoch in einer Mitteilung an den Betriebsrat geheißen.

Der sprach in einem internen Flugblatt von einem „neuen Tiefpunkt“ und kündigte Widerstand an, so die Wirtschaftszeitung. Denn noch vor vier Monaten hatte das Unternehmen in einem Teil-Interessenausgleich zugesagt, rund 160 Stellen in der Abteilung zu erhalten. Die übrigen 100 Angestellten hätten eine gleichwertige Stelle in einer anderen Abteilung erhalten sollen.

Streit zwischen Betriebsrat und Management droht zu eskalieren

Wie das „Handelsblatt“ schätzt, könnte damit ein schon länger schwelender Konflikt zwischen Management und Betriebsrat eskalieren. Die Arbeitnehmervertreter sähen in der neuen Ankündigung nämlich gleich einen doppelten Vertragsbruch. Zum einen sei der beschlossene Teil-Interessenausgleich nun hinfällig. Zum anderen breche Opel auch noch den Zukunftstarifvertrag. Darin hätte sich der Autobauer zu Investitionen verpflichtet, um den Bestand und die Beschäftigung in allen Betrieben zu sichern.

Begonnen hatte der Streit aber bereits Anfang 2020, als die Stellantis-Tochter mit den Arbeitnehmervertretern vereinbarte, den Opel Astra wieder in Rüsselsheim zu bauen, schildert das „Handelsblatt“. Außerdem sollte der Kündigungsschutz für die Beschäftigten bis 2025 verlängert werden. Für diese Zusicherungen stimmten Betriebsrat und Gewerkschaften zu, dass Opel in Deutschland bis Ende 2021 bis zu 2100 Stellen abbaut – über freiwillige Maßnahmen wie Altersteilzeit, Vorruhestand oder Abfindungen.

Freiwillige hätten sich allerdings nicht ausreichend gefunden. Das Management habe daraufhin eine Liste zu sogenannten „Fokusbereichen“ entwickelt und sogar mit betriebsbedingten Kündigungen gedroht, um den Druck zu erhöhen. Auf dieser Liste finden sich laut „Handelsblatt“ Beschäftigte aus Bereichen, die im Zuge der Elektrifizierung wegfallen. Die wolle Opel vorrangig loswerden. Durchgesetzt hatte Opel die Kündigungsdrohung laut der Wirtschaftszeitung dann zwar nicht. Allerdings hätte sich Arbeitsdirektor Ralph Wangemann im Sommer per Brief direkt an die betroffenen Mitarbeiter gewandt und sie aufgefordert, das Unternehmen zu verlassen oder sich auf Stellen in anderen Bereichen zu bewerben.

sb

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