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Weihnachten im Zeichen von Corona: Dieses Jahr ist alles anders

Willy Flemmer
·Freier Autor für Yahoo
·Lesedauer: 4 Min.

Dieses Jahr stehen Weihnachten und die Vorweihnachtszeit im Zeichen der Corona-Pandemie. Das bedeutet wiederum: Jeder Einzelne muss sein Verhalten von nun an bis zum Fest der Liebe ändern. Das gilt vor allem für die Weihnachtseinkäufe.

Woman wrapping Christmas gifts
Für ein möglichst stressfreies Weihnachten solle man dieses Jahr besonders gut planen. (Bild: Getty Images)

Alle Jahre wieder, und doch wird Weihnachten dieses Jahr anders sein als sonst. Schuld daran ist Corona. Die zweite Welle der Pandemie hat uns fest im Griff. Sie hat zu einem Fast-Lockdown geführt, der sich wiederum wesentlich auf die Vorweihnachtszeit auswirken wird. Wie aber sieht diese Zeit im Zeichen des Ausnahmezustandes aus? Und was gilt es für jeden Einzelnen vor allem mit Blick auf die Weihnachtseinkäufe zu beachten? Wir wagen ein Szenario.

Trotz Corona: Das Jahresende endlich mal stressfrei regeln

Von dem Teil-Lockdown ist der Einzelhandel ausgenommen. Die Strategie der Politik offenbar: Das Weihnachtsgeschäft für den Einzelhandel soll möglichst nicht unterbunden werden. Trotzdem werden es die Händler schwer haben. Die Gründe: Zum einen sind da die Corona-müden Verbraucher, deren Kauflaune überdies durch die vielen Verordnungen und Einschränkungen gebremst zu werden droht. Und da ist zum anderen die Online-Konkurrenz, die die Kunden mit bequemen, uneingeschränkten und vor allem: risikofreien Klick-und Liefer-Einkäufen lockt.

Der stationäre Handel bedroht

Der Einzelhandel wird also reagieren müssen, will er aus dem Corona-Weihnachtsgeschäft so viel wie möglich herausholen. Ein Mittel der Wahl werden Rabattaktionen sein, die dieses Jahr früher beginnen also sonst. Wie das Magazin chip.de berichtet, bieten die Discounter Aldi Süd und Lidl schon jetzt Spielsachen großer Hersteller wie Hasbro und Playmobil zu Angebotspreisen an. Währenddessen versucht die Kaufhauskette Galeria Karstadt Kaufhof durch diverse Geschenkideen das Interesse der Verbraucher zu wecken. In einer Münchner Filiale zum Beispiel können Kunden bereits seit Ende Oktober ihre Einkäufe in Geschenkpapier mit Weihnachtsmotiven einwickeln lassen.

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Der Einzelhandel wird dieses Jahr besonders stark um Kunden werben müssen. (Bild: Getty Images)

Die Maßnahmen werden – Corona hin oder her – durchaus zu einem Kundenandrang führen. Schlangenbildungen werden davon eine Folge sein. Aber auch auf Produktengpässe und längere Lieferzeiten werden sich die Verbraucher einstellen müssen. Experten raten daher, dieses Jahr die Weihnachtseinkäufe möglichst frühzeitig vorzunehmen und nicht bis kurz vor dem Fest zu warten.

Der Online-Handel profitiert

Viele Konsumenten werden sich von all dem abschrecken lassen und ihre Einkäufe ins Internet verlegen. Tatsächlich gehört der Online-Handel zu den großen Gewinnern der Corona-Krise. Das wird sich in der Vorweihnachtszeit zuspitzen. Laut einer repräsentativen Umfrage des Internetportals Idealo möchten 31 Prozent der Deutschen wegen Corona ihre Weihnachsteinkäufe mehr als sonst online erledigen. Dabei würden sie durchschnittlich 5,1 Geschenke erwerben. Insgesamt, so die Hochrechnung, werden 432 Millionen Geschenke über digitale und analoge Verkaufskanäle abgewickelt.

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Die größten Profiteure dieser Entwicklung sind die Online-Händler, allen voran Amazon. Dem Onlineversand-Riese geht es nicht trotz, sondern dank der Pandemie besonders gut. Nach Angaben des Konzerns stieg der Umsatz im dritten Quartal dieses Jahres – von Anfang Juli bis Ende September – um 37 Prozent auf 96,1 Milliarden US-Dollar. Der Gewinn verdreifachte sich im Vergleich zum selben Quartal des Vorjahres auf den Rekordwert von 6,3 Milliarden Dollar. Umsatztreiber sind Corona zum einen und das vorgelegte Weihnachtsgeschäft zum anderen.

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Dieses Jahr werden mehr Menschen als ohnehin schon ihre Weihnachtseinkäufe im Internet erledigen. (Bild: Getty Images)

"Wir sehen mehr Kunden als jemals zuvor, die frühzeitig Geschenke einkaufen", kommentiert Amazon-Chef Jeff Bezos laut der Zeitung Welt die Situation. Das sei ein Vorbote für ein "beispielloses" Weihnachtsgeschäft. Beispiellos dürften auch die Einnahmen von Amazon in dieser Zeit werden. Der Konzern rechnet mit Umsätzen zwischen 112 und 121 Milliarden Dollar im laufenden Quartal. Nie zuvor hatte der E-Commercer die Umsatzmarke von 100 Milliarden überquert.

Die Logistik unter Druck

Die diesjährige Ausnahmesituation wird auch die Logistikbranche massiver als sonst unter Druck setzen. Die Saison ist für die Paketzusteller ohnehin die arbeitsaufwändigste, aber auch die umsatzstärkste des Jahres. Dieses Jahr steuern sie auf neue Rekordwerte zu. Etwa in Hinsicht der Liefermenge. Der Bundesverband Paket und Expresslogistik geht davon aus, dass die Zusteller im November und Dezember etwa 420 Millionen Pakete ausliefern werden. Das sind 60 Millionen bzw. 20 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Zu Spitzenzeiten werden bis zu 21 Mio. Sendungen pro Tag befördert.

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Auf die Ausnahmesituation haben sich die Paket-Dienstleister vorbereitet. Sie haben etwa rund 30.000 zusätzliche Arbeitskräfte mobilisiert und die Arbeitszeiten ausgedehnt. Man arbeite in "mehreren Wellen über den Tag" wird Post-Vorstandsmitglied Tobias Meyer von der Welt zitiert, "sodass unsere Zusteller in den kommenden Wochen häufiger auch noch abends klingeln werden". Dass es dennoch zu Engpässen und längeren Lieferzeiten kommen wird, schließt die Branche nicht aus. Auch hier gilt daher der Rat: Für ein stressfreies Fest rechtzeitig mit den Planungen beginnen.

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