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Wegen der Proteste in China könnte der Benzinpreis in Deutschland fallen, sagt ein Ökonom – und erklärt den Zusammenhang

Deutsche Autofahrer könnten von den Protesten in China profitieren – zumindest die, die Super tanken. - Copyright: Sturti/Getty Images
Deutsche Autofahrer könnten von den Protesten in China profitieren – zumindest die, die Super tanken. - Copyright: Sturti/Getty Images

Es sind dramatische Aufnahmen aus China, die derzeit um die Welt gehen. Wütende Chinesen randalieren in Peking, Shanghai, Chengdu, Wuhan, Nanjing, Xi'an und Guangzhou, bewerfen Ordnungskräfte mit allem, was sie auf der Straße finde. Die chinesische Regierung bereitet sich auf weitere Proteste der Kritiker der Null-Covid-Politik vor. Unklar ist, wie es jetzt weiter geht.

Doch: Bei den aktuellen Geschehnissen in China handelt es sich um Ereignisse, die eine weltweite Tragweite besitzen und bis in alle Ecken der Welt ausstrahlen. Auch deutsche Verbraucher könnten die Folgen bald spüren, meint Thomas Puls, Verkehrs-Experte beim Wirtschaftsinstitut IW. "Der Benzinpreis an den großen Börsen hat inzwischen wieder Vorkriegsniveau erreicht", sagt er zu Business Insider. Laut ihm könnten die Preise für Benzin an deutschen Tankstellen bei anhaltenden Protesten weiter fallen. Schlechte Nachrichten für Dieselfahrer: Der Preis von Diesel dürfte davon weniger betroffen sein.

Ölpreis fällt um zehn Prozent

Der Grund ist eine Verkettung von wirtschaftlichen Ereignissen, die unter anderem ihren Ursprung in den chinesischen Protesten haben. Bereits seit Mitte Oktober ist der weltweite Ölpreis um mehr als zehn Prozent gefallen. Die Situation in China hat laut einigen Analysten schon jetzt den Ölpreis weiter gedrückt. Toshitaka Tazawa, Analyst bei Fujitomi Securities, sagt gegenüber CNBC: "In Asien macht sich eine pessimistische Stimmung in Bezug auf die Ölpreise breit, da ein Nachfragerückgang in China befürchtet wird."

Das Analyseunternehmens Rystad Energy ist da vorsichtiger. Demnach dürfte die Öl- und Benzinnachfrage in China durch die Proteste nur gering beeinflusst werden. Auch IW-Experte Thomas Puls sagt, dass die Lage derzeit volatil bleibt. "Es mehren sich die Stimmen unter den Ölproduzenten, die eine weitere Produktionskürzung wollen", sagt er. Damit könnte der Preis wieder steigen.

Doch: Innerhalb einer Woche ist der Preis jetzt jedoch um knapp fünf Prozent gefallen und Puls geht davon aus, "dass der Ölpreis eher weiter fallen wird." Derzeit dominiere ein Pessimismus an den Rohstoff-Börsen.

Benzinpreis stark an Ölpreis gebunden – Diesel hingegen bleibt knapp

Die Preise würden vor allem wegen fallender Nachfrage-Erwartungen sinken. "Hierbei spielt China eine große Rolle", sagt Puls. Die chinesische Coronapolitik habe bereits über das gesamte Jahr hinweg den Preisanstieg gedämpft. Das hat laut dem Ökonomen zwei Gründe. "Zum einen ist China der größte Ölimporteur der Welt und die Lockdowns haben die chinesische Nachfrage reduziert." Zum anderen würden Produktionsausfälle in China oftmals zu Ausfällen an anderer Stelle und sorgen so für weitere Nachfragerückgänge. "Anders ausgedrückt, je schlechter die Erwartungen für das globale Wachstum sind, desto weniger Ölnachfrage wird erwartet und der Preis passt sich entsprechend an."

Dass jetzt auch die Preise für Benzin an deutschen Tankstellen sinken können, hängt mit der engen Kopplung von Benzin- und Ölpreis zusammen. Benzin ist derzeit kein rares Gut, da viele Länder ihren Benzinbedarf mit der eigenen Produktion selbstständig decken können.

Anders ist die Situation hingegen beim Diesel. "Bedingt durch den Wegfall der russischen Raffinerie-Kapazitäten ist Diesel global gesehen ein knappes Gut", erklärt Puls. So befänden sich beispielsweise die Lagerbestände für Diesel in den USA auf dem geringsten Niveau seit 1983. "Auch bei der EU gilt, dass Diesel problematischer bleiben wird, denn anders als beim Benzin reicht der europäische Raffinerie-Output nicht, um die heimische Nachfrage zu decken."

"Der Preisunterschied von Diesel und Benzin könnte meiner Meinung nach bald wieder größer werden"

Lange Zeit galt, dass Dieselfahrer an der Tankstelle weniger zahlen als Benzinfahrer. Bereits im März kehrte sich das Verhältnis jedoch zum ersten Mal um. Nach dem Einfall Russlands in die Ukraine wurde Diesel in Deutschland teurer als Benzin. Seit Mai ist Diesel durchgehend teurer und die aktuellen Ereignisse deuten nicht darauf hin, dass sich die Situation wieder umkehren wird. "Der Preisunterschied von Diesel und Benzin könnte meiner Meinung nach bald wieder größer werden", so Puls.

Ob es tatsächlich so kommt, hängt jetzt auch mit dem weiteren Verlauf der Protestwelle in China zusammen. Sollte die Regierung, die Situation nicht unter Kontrolle bekommen, könnte der Ölpreis weiter fallen.

Es ist derzeit allerdings schwierig, eine Einschätzung zu geben, wie es in China weitergehen könnte. Das Unternehmen Everstream Analytics, das globale Lieferketten analysiert, geht in einer aktuellen Analyse jedoch davon aus, dass die kommunistische Partei mit großer Wahrscheinlichkeit an ihren harten Covid-Regeln festhalten wird. Ob das die Proteste weiter befeuert, bleibt abzuwarten, doch es würde weitere Konsequenzen nach sich ziehen.