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Wegen manipulierter Tachos werden Autos fast 3000 Euro zu teuer verkauft — dieser Gründer will euch mit einem digitalen Auto-Lebenslauf davor bewahren

·Lesedauer: 3 Min.
"Carcert"-Geschäftsführer Patrick Scharwenka.
"Carcert"-Geschäftsführer Patrick Scharwenka.

Schaut man nur aufs Geld, klingt es nach einem richtig guten Deal: Bezahlt ihr dubiosen Tacho-Tricksern, sagen wir mal, um die 50 Euro, könnt ihr den Wert eures gebrauchten Autos laut ADAC um bis zu 3000 Euro steigern.

Das ist natürlich illegal. Aber bis heute ein Problem: Der ADAC hat ermittelt, dass der Tacho bei jedem dritten Gebrauchtwagen manipuliert ist und damit allein in Deutschland ein Schaden im Wert von sechs Milliarden Euro pro Jahr entsteht. Erst vor wenigen Wochen musste sich laut „Ruhr Nachrichten“ ein Tacho-Trickser aus Recklinghausen vor dem Landgericht Essen verantworten.

Patrick Scharwenka versucht seit einigen Jahren, das Problem zu lösen. Er hat dabei Vorbilder aus anderen Ländern vor Augen: Großbritannien und die USA haben der Tacho-Manipulation schon lange den Kampf angesagt – Belgien sogar mit einer teilstaatlichen Lösung. Zwar gibt es eine EU-Verordnung, nach der der Kilometerstand geschützt werden muss, laut ADAC-Stichprobe mangelt es aber an Kontrollen.

In Deutschland ist es bislang am Datenschutz gescheitert, gegen gefälschte Tachos vorzugehen. Denn: Um den „Lebenslauf“ eines Autos seriös nachvollziehen zu können, muss man an die 17-stellige FIN ran – die sogenannte Fahrzeugidentifikationsnummer. Die findet ihr zum Beispiel in eurem Fahrzeugschein. Nur diese Nummer macht euer Auto unverwechselbar. Die FIN zählt aber zu den personenbezogenen Daten und unterliegt so dem Datenschutz. Scharwenka und sein Team hatten das Projekt deshalb vorerst auf Eis gelegt.

Neuer Anlauf mit Hilfe des Datenschutz-Experten Thilo Weichert

Der studierte Wirtschaftswissenschaftler arbeitet für die Bertelsmann-Tochter „Arvato“. Die ist auch beteiligt an „Carcert“ – dem jungen Unternehmen, mit dem Scharwenka vor genau einem Jahr einen neuen Anlauf genommen hat. Diesmal mit Thilo Weichert im Gepäck. Der 66-jährige Jurist war früher neun Jahre lang Datenschutzbeauftragter des Landes Schleswig-Holstein. In dieser Zeit hatte er sich unter anderem dafür starkgemacht, dass Facebook die Profile seiner Nutzer aus Schleswig-Holstein nicht mehr in den USA speichert.

Scharwenka erzählt, dass das Gutachten Weicherts wochenlang seine Bettlektüre war. Dessen Erkenntnis: Der Halter eines Fahrzeugs hat das Recht, seine personenbezogenen Daten in einer Selbstauskunft anzufragen. Autohersteller, TÜV und andere Datenbesitzer müssen diese Daten zur Verfügung stellen. Dieses Recht könne der Fahrzeughalter „Carcert“ übertragen. Dort werden alle Informationen gesammelt und in einem Zertifikat bescheinigt.

Muster für ein Zertifikat von Carcert für einen VW Golf.
Muster für ein Zertifikat von Carcert für einen VW Golf.

"Carcert" bietet einen digitalen Auto-Lebenslauf, den Verkäufer Interessierten vorlegen können

Das Produkt von „Carcert“ ist ein digitales Zertifikat, aus dem der „Lebenslauf“ des Autos hervorgeht – also unter anderem Erstzulassung, Neupreis, Rückrufe und die Kilometerstände bei Hauptuntersuchungen. Die Kilometerstände werden im Zertifikat mit Referenzwerten der Deutschen Automobil Treuhand (DAT) verglichen. Anhand dessen können Kaufinteressierte einschätzen, ob der vom Halter angegebene Kilometerstand realistisch sein kann. Das klingt wie eine digitale, etwas erweiterte Version des Scheck- beziehungsweise Servicehefts – doch auch das ist nicht fälschungssicher.

Nur – wer wird sich dieses rund 30 Euro teure Zertifikat besorgen? Zunächst diejenigen, die nichts zu verbergen haben. Scharwenkas Hoffnung: „Die Käufer von Gebrauchtwagen sollten beim Kauf nach dem Auto-Lebenslauf fragen. Die unseriösen Verkäufer werden das Zertifikat von uns vermutlich erst dann haben wollen, wenn der Druck der Konsumenten zu groß wird.“ Ein Kauf-Argument für Scharwenka ist aber auch das seriösere Image, das Gebrauchtwagenhändler sich verleihen können, indem sie die Lebensläufe ihrer Autos mit dem „Carcert“-Zertifikat transparent machen.

Noch ist es leicht, seinen Tacho zu manipulieren oder manipulieren zu lassen. Mit entsprechenden Suchbegriffen landet man schon beim ersten Treffer auf einer Seite mit nordmazedonischem Impressum, deren Inhaber diese Dienstleistung für kleines Geld in Deutschland anbieten. Unter dem Euphemismus „Tachojustierung“ findet man etliche Angebote bei Ebay.

Rund sieben Millionen gebrauchte Autos werden jährlich in Deutschland verkauft. Das Ziel von Patrick Scharwenka und seiner Wiesbadener Firma: So schnell wie möglich allen Autos den digitalen Lebenslauf zu verpassen – so wie es in den USA mit „Carfax“ schon seit Jahrzehnten gang und gäbe ist.

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