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Von wegen Innovationsstandort Deutschland: Warum wir so viel schlechter abschneiden als die Schweiz

 - Copyright: Getty/assalve/by-studi/blackred/Peter Dazeley/PLAINVIEW/ picture alliance/AA/Dursun Aydemir/Collage: Dominik Schmitt
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Dieser Artikel ist die Meinung des Autors und vermittelt seine Sicht. Hier findet ihr andere Informationen zum Thema.

„Deutschland kann beweglich, kann unbürokratisch, kann schnell sein“, sagte Bundeskanzler Olaf Scholz in seiner Rede auf dem Weltwirtschaftsforum (WEF) 2023 in Davos. Die neue „Deutschland-Geschwindigkeit“ sei der Maßstab für die Transformation der gesamten Wirtschaft.

Das hört sich vielversprechend an, doch bislang vermitteln die harten Fakten ein anderes Bild: Beim letzten WEF Competitiveness Report lag Deutschland zwar auf dem guten 7. Platz, doch die Niederlande davor auf Rang 4 und die Schweiz auf Rang 5. In dem vergleichbaren Ranking von IMD aus dem Jahr 2022 lag Dänemark auf Platz 1, die Schweiz auf Platz 2, die Niederlande auf Platz 6 – und Deutschland auf Platz 15.

Neben der internationalen Wettbewerbsfähigkeit stockt es auch bei der Innovationsgeschwindigkeit. Laut dem Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln stieg der Digitalisierungsindex in Deutschland 2022 im Vergleich zum Vorjahr nur von 107,9 auf 108,9 Punkte. Ein dynamischer Innovationsstandort sieht anders aus.

Wie? Das zeigt die Schweiz. Zum zwölften Mal in Folge belegt sie den ersten Platz im Global Innovation Index 2022 von der World Intellectual Property Organization (WIPO). Deutschland belegt in Sachen Innovationsfähigkeit nur den 8. Rang.

Was macht die Schweiz anders?

Der Schweizer Erfolg ist alles andere als Zufall. Als Gründer eines deutschen Unternehmens und Verantwortlicher einer Schweizer AG am Standort Zürich erlebe ich persönlich einige Unterschiede. 2018 besuchte ich den Swissnex Start-up-Hub am Pier 17 im alten Hafen von San Francisco. Der intensive Austausch zwischen Start-ups und Schweizer Konzernen – dazu der enge Kontakt mit Wissenschaft und Kunst – war in jedem Raum spürbar.

Die Schweiz besitzt mit Innosuisse eine eigene übergreifende Agentur zur Finanzierung wissenschaftsbasierter Innovationen. Auch Universitäten unterstützen die Gründung von Start-ups, zum Beispiel für kommerzielle Technologien zur Reduktion von CO2. Außerdem investiert das Land gezielt in Innovationszentren für unterschiedliche Bereiche wie Fintech, Pharmazeutika und Ernährungssysteme.

Das muss Deutschland ändern

Aus diesen Unterschieden lassen sich erste wichtige Hausaufgaben für Deutschland ableiten:

  1. Die staatliche Förderung von Innovationen darf kein Flickwerk mehr sein. Stattdessen ist ein koordiniertes Investitionsprogramm für Forschung und Entwicklung nötig, das Universitäten und Forschungszentren einbezieht sowie Aufbauhilfen für Ausgründungen umfasst.

  2. Dies führt direkt zur Unterstützung von Start-ups. Dazu gehört nicht nur Geld, sondern auch die Vermittlung von Business-Partner:innen (Unternehmen, Investor:innen, Forschungseinrichtungen) bei gleichzeitiger Fokussierung auf ausgewählte Innovationscluster. Zentraler Erfolgsfaktor ist ein bundesweit ausgerichtetes und koordiniertes Programm.

  3. Die Förderung von Umwelt- und Klimaschutz muss noch stärker als Innovationstreiberin gesehen werden. Hier lag Olaf Scholz bei seiner WEF-Rede mit der Betonung auf erneuerbare Energien schon genau richtig. Aber erst mehr gezielte wirtschaftliche Anreize führen schneller zu nachhaltigen Produkten und Geschäftsmodellen.

  4. Schnelle und konzertierte Abstimmungen werden mit steigendem Veränderungstempo immer wichtiger. Das hat die Schweiz gelernt. Nach dem Abstieg auf Platz 5 im WEF-Index 2019 wurde die Bürokratie abgebaut, um Verfahren zum Beispiel für Unternehmensgründungen zu vereinfachen.

  5. Entscheidend sind auch gut funktionierende Netzwerke zwischen allen Stakeholdern. Dazu gehören Wirtschaft, Politik, Verwaltung und Bildung. Diese dürfen nicht nur auf Deutschland oder Europa beschränkt sein, wie die weltweit verteilten Swissnex Start-up-Hubs zeigen.

Dass der sogenannte Innovationsstandort Deutschland viel von der Schweiz lernen kann, ist nicht nur meine Meinung, sondern wird auch von Benchmark-Studien nachgewiesen: Sowohl unsere Social Collaboration Studie (in Kooperation mit der TU Darmstadt) als auch der Future Organization Report (in Kooperation mit der Universität St. Gallen) zeigen in der Schweiz eine größere Bereitschaft und Flexibilität zur Zusammenarbeit – in Projekten, in agilen Teams aber auch unternehmensübergreifend. Das führt letztlich zu mehr Innovation.

Das bedeutet für Deutschland: Wir alle sind gefordert – und zwar jede:r und im eigenen beruflichen Umfeld. Wir dürfen nicht einfach auf die Maßnahmen der Politik warten, sondern müssen selbst Netzwerke bilden und übergreifende Projekte starten: in und zwischen Unternehmen, Investor:innen, Forschungseinrichtungen. Wer viel probiert, stößt viel wahrscheinlicher auf eine gute Lösung. Das macht nicht nur die Unternehmen, sondern am Ende auch Deutschland innovativer.

Was meint Ihr – welche weiteren Hürden und Lösungen gibt es für den Innovationsstandort Deutschland? Schreibt uns eine Nachricht

.Dr. Eric Schott ist Mitgründer und CEO der Campana & Schott Unternehmensgruppe sowie Honorar-Professor an der Technischen Universität Berlin. Zusätzlich fördert er die Entwicklung von Start-ups in diversen Beiratsmandaten. Campana & Schott ist eine internationale Management- und Technologieberatung mit mehr als 500 Mitarbeiter:innen in Europa und den USA. Seit mehr als 30 Jahren gestaltet sie die digitale Zukunft ihrer Kunden, berät zahlreiche Dax-Unternehmen und sorgt mit Leidenschaft dafür, dass technologische, organisatorische oder unternehmerische Transformationsvorhaben erfolgreich sind.