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Wegen Corona-Lockdown: Franzosen und Schweizern geht der Käse aus

Jennifer Caprarella
·Freie Autorin
·Lesedauer: 3 Min.

Während sich bei uns während des Corona-Lockdown die Toilettenpapier- und Mehl-Regale leerten, geht es den Franzosen und den Schweizern an ihr Nationalgut: In beiden Ländern wird der Käse knapp.

Delicious traditional Swiss melted raclette cheese on diced boiled or baked potato served in individual skillets with salami.
Raclette - ein in einem speziellen Pfännchen geschmolzener Käse, der über Kartoffeln oder andere Speisen gegossen wird - findet aktuell reißenden Absatz - und wird in Frankreich und der Schweiz langsam knapp (Bild: Getty Images)

Von Anfang an machte die Corona-Krise der Branche zu schaffen. Käsehersteller litten unter der Schließung von Restaurants und Cafés und brachten vor allem ihren Weichkäse mit geringer Haltbarkeit nicht mehr los.

Die Verkaufszahlen von besonders lange haltbaren Produkten wie abgepacktem Schmelzkäse hingegen stiegen rasant an. Und bei anderen Käsesorten tauchen in Frankreich und der Schweiz langsam Probleme auf, die weniger mit mangelndem Absatz zu tun haben, sondern mit so hoher Nachfrage, dass sie kaum noch zu befriedigen ist.

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So scheint der Corona-Lockdown bei den Bürgern beider Länder einen enormen Heißhunger auf Raclette und Fondue auszulösen. Die Käse für beide Gerichte finden aktuell reißenden Absatz. Laut “Forbes” ist der Kauf von Raclette-Käse um 300 Prozent gestiegen, und auch das Zubehör wie Raclette-Grills und -Pfännchen verzeichnen Rekordzahlen. Der einzige Unterschied: Wo zuvor Mengen für sechs bis acht Menschen gekauft wurden, sind es aktuell Portionen für zwei.

Ein Essen, das Trost verschafft

Denn Raclette und vor allem Fondue sind in der Regel Mahlzeiten mit hohem sozialem Faktor, die meist größere Gruppen zusammenbringt. Dass sich die Menschen dennoch ausgerechnet nach diesen sonst so geselligen Speisen sehnen, liegt für die Endokrinologin und Ernährungsforscherin Catherine Vackrine auf der Hand. Als besonders gehaltvolles Essen könne es sich tröstend auswirken, zumal viele Menschen - vor allem in Frankreich und der Schweiz - das Gericht gut kennen und positive Erinnerungen damit verknüpfen.

“Raclette ist sowohl ein wenig grenzüberschreitend als auch regressiv”, erklärte sie “Europe 1”. “Es bringt schöne Erinnerungen zurück und lässt uns an Momente denken, in denen wir uns gut gefühlt haben und von denen es in diesem Jahr zu wenig gibt.”

cheese fondue
Nicht Corona-freundlich: Vor allem Käsefondue ist normalerweise ein Essen, das größere Gruppen zusammenbringt - die alle aus einem Topf essen (Bild: Getty Images)

Raclette und Fondue in Zeiten von Corona

Noch “grenzüberschreitender” und schwieriger als Raclette gestaltet sich Käsefondue, bei dem mehrere Menschen aus einem Topf essen. Auf Twitter tauschen die Schweizer aktuell bereits Ideen aus, wie sich das Essen hygienischer gestalten lassen könnte. Einer der brauchbareren Vorschläge - zumindest praktischer als die Angelrute, die manche statt einer Gabel vorschlagen - ist, zwei Gabeln und ein Messer pro Kopf zu verwenden. Mit einer Gabel wird das Brot in den Käse getaucht, das Messer wird verwendet, um es auf den Teller zu befördern, und die zweite Gabel wird zum Essen verwendet, ohne dass diese in Kontakt mit dem Topf kommt.

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Und wenn tatsächlich der Raclette-Käse ausgeht, so wie es laut “Forbes” im Winter ernsthaft zu befürchten ist? Dann müssen die Leute wohl mit “Biclette” experimentieren, wie “France TV” vorschlägt - einer Variante mit Ziegen- oder Schafskäse. Für’s Gelingen wird allerdings keine Garantie gegeben.

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