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WDH/Aktien Frankfurt: Dax immer stärker im Sinkflug

(Wort in der Überschrift entfernt)

FRANKFURT (dpa-AFX) - Der deutsche Aktienmarkt hat am Freitag seine Talfahrt angesichts des Ukraine-Kriegs beschleunigt. Mit dem Fall unter wichtige technische Unterstützungslinien weitete der Dax <DE0008469008> seine Verluste bis zum Mittag weiter aus und stand zuletzt mit 3,39 Prozent im Minus bei 13 233,76 Zählern. Ein Feuer auf dem Gelände des ukrainischen Atomkraftwerks Saporischschja schürte an den Märkten die Sorgen der Anleger noch weiter.

Der MDax <DE0008467416> der mittelgroßen Werte fiel um

3,45 Prozent auf 29 286,96 Punkte - der Index ist mittlerweile auf dem tiefsten Stand seit Ende 2020 angekommen. Auch auf europäischer Bühne setzte sich der Abwärtsdruck fort, der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 <EU0009658145> verlor zuletzt 3,80 Prozent auf 3599,57 Punkte.

"Je länger dieser Krieg dauert, dürften auch die Tage und Wochen mit Minuszeichen an der Frankfurter Börse noch anhalten", schrieb Jochen Stanzl von CMC Markets. Auch wenn der Brand auf dem Gelände des größten europäischen Atomkraftwerks in der Ukraine inzwischen gelöscht und keine erhöhte Strahlenbelastung messbar sei, beschwöre der Vorfall bei Anlegern die Angst vor einer nuklearen Katastrophe. Die EU hatte zuletzt ihre Sanktion gegen Russland weiter verschärft, Bundesaußenministerin Annalena Baerbock kündigte am Rande eines Sondertreffens der Außenminister der Nato-Staaten in Brüssel weitere Strafmaßnahmen gegen Russland an.

Seit dem Einmarsch Russlands in der Ukraine in der vergangenen Woche lastet der Krieg schwer auf den Börsenkursen. Der Dax ist inzwischen zurück auf dem Stand vor mehr als einem Jahr. Vom im vergangenen November erreichten Rekordhoch bei rund 16 290 Punkten aus gesehen, hat das Börsenbarometer inzwischen rund ein Fünftel an Wert eingebüßt. Auf Wochensicht steuert der deutsche Leitindex aktuell auf ein Minus von rund 9 Prozent zu. Durch den Fall unter wichtige technische Unterstützungslinien beschleunigte sich die Abwärtsspirale zuletzt weiter. Damit rückt bereits als nächste Haltelinie die psychologisch wichtige Marke von 13 000 Zählern in den Blick.

Gleichzeitig schüren die wegen des Konflikts rasant gestiegenen Energiepreise die Sorge vor einer Stagflation, schrieben die Experten der Privatbank Donner & Reuschel, weshalb aus ihrer Sicht die Notenbanken womöglich etwas weniger schnell ihre Zinsen anheben könnten. Fed-Chef Jerome Powell hatte zuletzt für die nächste Sitzung am 16. März eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte angekündigt.

Auf Unternehmensseite im Dax war die Liste der Gewinner am Freitag äußert kurz. Merck KGaA <DE0006599905> knüpften mit mehr als drei Prozent Aufschlag an die jüngsten Gewinne an. Am Vortag hatte ein optimistischer Ausblick des Pharma- und Spezialchemiekonzerns dem bereits seit Jahresanfang schwächelnden Kurs Auftrieb gegeben.

RWE-Anteile konnten sich an der Dax-Spitze mit fast dreieinhalb Prozent Plus nach dem jüngsten Kursrutsch des Energiekonzerns stabilisieren. Die Papiere des Konkurrenten Eon <DE000ENAG999> verloren hingegen nach einer gestrichenen Kaufempfehlung durch das Bankhaus Metzler fast zwei Prozent. Uniper-Aktien <DE000UNSE018> blieben mit minus zwölf Prozent im freien Fall - mit dem Rutsch auf immer neue Tiefs hat der Kurs des größten deutschen Importeurs von russischem Erdgas seit dem Beginn der vergangenen Woche mehr als die Hälfte an Wert eingebüßt.

Europaweit standen am letzten Handelstag der Woche insbesondere die Autobauer unter Druck. Zu den hohen Ölpreisen kommt die Sorge um womöglich neue Produktionsunterbrechungen. Im Dax reichten die Verluste von rund dreieinhalb Prozent für Mercedes-Benz bis mehr als sieben Prozent für Porsche. Am Index-Ende fanden sich wiederum im Einklang mit dem europaweit schwachen Sektor die Aktien der Deutschen Bank mit knapp acht Prozent Minus. Auch Lufthansa und Fraport setzten in der zweiten Börsenliga ihren jüngsten Sinkflug mit mehr als sechs beziehungsweise mehr als acht Prozent Abschlag fort./tav/jha

--- Von Tanja Vedder, dpa-AFX ---