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Wasserstoff oder Akku: Wer gewinnt das Rennen um den Busantrieb der Zukunft?

Die Wasserstoff-Technologie hat Vorteile für Busse. Doch durchsetzen wird sich wohl die Batterie.
Die Wasserstoff-Technologie hat Vorteile für Busse. Doch durchsetzen wird sich wohl die Batterie.

Für viele kleine und große Unternehmen im Bereich der Personenbeförderung stehen in den nächsten Jahren große Investitionen an. Der Wechsel vom Dieselmotor auf einen elektrischen Antrieb ist teuer, und doch wird er sich nicht vermeiden lassen. Für viele mittelständische Busunternehmen stellt sich dabei die Frage, auf welche Technologie sie in ihren Fahrzeugen setzen sollen. Die Batterie? Wie bei E-Autos? Oder doch besser die Brennstoffzelle? Für beide Lösungen gibt es gute Argumente.

Die Vorteile des Wasserstoffantriebs liegen vor allem in den kürzeren Ausfallzeiten. Die meisten batterieelektrischen Busse schaffen kaum einen Tag mit einer Ladung. Gerade bei langen Strecken kann das für Probleme sorgen. Wo man jetzt einen Bus einsetzt, müsste man dann zwei Fahrzeuge fahren lassen, weil eines zwischendurch geladen werden muss. Ein mit Wasserstoff betriebener Bus kann in wenigen Minuten wieder nachgefüllt werden. Das senkt die Kosten in der Flotte deutlich.

Millionen für eine Wasserstoff-Tankstelle

Eine berechtigte Frage ist allerdings auch, wie nachhaltig Wasserstoff eigentlich ist. Während Strom zumindest teilweise schon komplett regenerativ erzeugt werden kann, ist dies bei Wasserstoff in Europa bisher nicht der Fall. Mehr als 90 Prozent des in Deutschland verwendeten Wasserstoffs wird aus Kohle oder Gas gewonnen. Hier ist die CO₂-Bilanz meistens negativ, da das bei der Produktion erzeugte CO₂ nicht eingefangen wird. Das soll sich in Zukunft zwar ändern, das könnte aber noch dauern.

Wasserstoff-Befürworter verweisen darauf, dass die EU und auch Deutschland klare Ziele zum Aufbau einer Wasserstoff-Industrie beschlossen haben. Die dient allerdings hauptsächlich der Aufgabe, die Schwerindustrie weniger abhängig von Kohle und Öl zu machen. Dort wird also jedes Kilo Wasserstoff benötigt. So ist fraglich, wie sinnvoll Wasserstoff im Transportsektor überhaupt ist.

Ein anderes Problem von Wasserstoff betrifft die Infrastruktur. Zwar gibt es in Deutschland schon etwas mehr als 100 sogenannte H2-Tankstellen. Das ist aber noch immer viel zu wenig. Die ÖPNV-Betriebe brauchen zudem Tankstellen in ihren Depots, was hohe Kosten verursacht. Eine einzige Wasserstoff-Tankstelle kostet bis zu 1,5 Millionen Euro. Dafür bekommt man auch 30 E-Schnelllader.

Batterien sind günstiger

Deshalb sind es hauptsächlich die Kosten, die auch im Transportbereich für die Batterie sprechen. Sicher ist die Reichweite der meisten Elektrobusse noch nicht ausreichend. Dennoch sind Batterien letztlich die bessere Lösung, zumindest auf der Kurzstrecke. Für Fernreisen sieht die Sache wieder anders aus. Hier können Brennstoffzellen perspektivisch eine Erfolgschance haben. Aber auch erst, wenn die europäischen Nachbarländer eine vernünftige Infrastruktur aufgebaut haben.

Die Entscheidung, welche Antriebsform die bessere ist, stellt sich nicht nur in Deutschland. Länder, die in Sachen Mobilität etwas hinterher hängen, stellen sich ähnliche Fragen. In Indien steht man vor Aufgabe, den gesamten Busverkehr zu modernisieren und das Land hat sich quasi schon für die Batterie entscheiden. Switch Mobility ist ein indisch-britisches Unternehmen, das eigene Busse herstellt und diese auch in Indien einsetzt. Die Batterie sei die beste Lösung für Länder, die jetzt ihren ÖPNV ausbauen wollen, denn der Aufbau der Infrastruktur sei günstiger als beim Wasserstoff, heißt es.

Vielversprechende Startups

Auch in Europa sind es vor allem Startups, die auf die Batterie als Antrieb für den Bus der Zukunft setzen. Ebusco ist ein niederländisches Unternehmen, das seit 2010 elektrische Busse herstellt. Die jüngste Generation soll eine Reichweite von bis zu 500 Kilometern haben, was den meisten ÖPNV-Anbietern genügen sollte. Die große Batterie erfordert dann aber auch längere Standzeiten, wenn sie wieder aufgeladen werden muss.

Ein anderes vielversprechendes Startup ist E-Versum aus Österreich. Die Firma hat verschiedene Modelle im Angebot, die allerdings zum großen Teil noch in der Entwicklung sind. Dabei reicht die Spannbreite vom kleinen Shuttle bis zum E-Train, ein Verbund mehrerer kleinen Shuttles, die flexibel eingesetzt werden können. Bei der Entwicklung der Fahrzeuge spielt auch das autonome Fahren eine zentrale Rolle. Denn eher früher als später wird der Busfahrer auf vielen Strecken wegfallen können.

Fazit: So bequem der Wasserstoff auf den ersten Blick auch ist – für den Einsatz in Bussen, die ausschließlich in Städten unterwegs sind, hat die Batterie mehr Vorteile. Die Technologie ist robuster, zuverlässiger und der Aufbau der Infrastruktur ist weniger teuer als beim Wasserstoff.

Don Dahlmann ist seit über 25 Jahren Journalist und seit über zehn Jahren in der Automobilbranche unterwegs. Jeden Montag lest Ihr hier seine Kolumne „Drehmoment“, die einen kritischen Blick auf die Mobility-Branche wirft.

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