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Wasserstoff im Ölpreisstrudel: Elektrolyse-Rivalen von NEL asa und ITM Power suchen ihre Chance – Teil 3

Ralf Anders, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Der ganz große Wasserstoffhype scheint erst einmal vorüber zu sein. DAX-Aktien haben nun wieder das Zepter übernommen. Das heißt jedoch nicht, dass die Revolution zum Stillstand gekommen wäre. Vielmehr konkretisieren sich nun immer mehr Megaprojekte, die für Spezialisten wie ITM Power (WKN: A0B57L) und NEL asa (WKN: A0B733) eine rosige Zukunft malen.

Die belgische DEME will im großen Stil grünen Wasserstoff in Oman produzieren, Shell (WKN: A0D94M) will in den Niederlanden gewaltige Kapazitäten aufbauen, um den dortigen Offshorewind zu nutzen, und in Großbritannien läuft das Projekt Gigastack in die nächste Phase, an dem Ørsted (WKN: A0NBLH) und ITM Power beteiligt sind. In Norwegen wiederum hat NEL mit Kvaerner (WKN: A1JA47) einen wichtigen Partner gewonnen, um Großprojekte stemmen zu können.

Gleichzeitig wird die deutsche Regierung ihre ambitionierte Nationale Wasserstoffstrategie vorlegen, sobald sie wieder voll arbeitsfähig ist. Die Wasserstoffwirtschaft rollt wie nie zuvor!

Noch sind die Umsätze aber relativ gering und die Anzahl der Wettbewerber groß. Wenn es um die Präsenz in den Medien geht, sind die börsennotierten NEL und ITM ganz vorn, aber wenn man genauer hinsieht, stößt man auf mehr als ein Dutzend ähnlich starker Konkurrenten.

Im zweiten Teil hatte ich zum Beispiel auf Giner Inc. verwiesen. Die Amerikaner behaupten bei PEM-Stacks die Marktführerschaft. Zu den Kunden gehört der deutsche Hersteller von Elektrolysesystemen iGas energy.

In diesem dritten Teil möchte ich dir noch weitere aussichtsreiche Spieler vorstellen, damit du dir selbst ein Bild davon machen kannst, wie groß der Marktanteil von NEL und ITM sein wird, wenn in zehn Jahren Milliardenumsätze mit Ausrüstung für die Wasserstofferzeugung geschrieben werden.

FRONIUS macht Druck

FRONIUS fällt immer mal wieder durch innovative Lösungen auf. Bekannt geworden durch seine Solarwechselrichter und Schweißsysteme, spielt der österreichische Elektrotechnikkonzern heute auch bei Brennstoffzellen und der Elektrolyse mit. Das Besondere dabei ist, dass FRONIUS mittlerweile beliebig skalierbare Gesamtlösungen mit aufeinander abgestimmten Komponenten liefern kann, sodass zum Beispiel solarbetriebene Wasserstofftankstellen zur autarken Kraftstoffversorgung möglich werden.

Seit Jahren forscht das Unternehmen daran, die Hochdruck-PEM-Elektrolyse zur Marktreife zu führen. Das Besondere daran ist, dass auf eine Nachverdichtung verzichtet werden kann, weil der Wasserstoff bei der Erzeugung mit weit über 100 Bar aus der Anlage strömt. So lässt sich das Gas direkt in Druckbehälter abfüllen oder in das Pipelinenetz einspeisen. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass die Systeme gut mit wechselndem Wind- oder PV-Stromangebot umgehen können.

OMV (WKN: 874341), der finanzstarke lokale Ölmulti, begleitet die Entwicklung aktiv und könnte bei der Kommerzialisierung der Technologie eine wichtige Rolle spielen. Österreich schickt also definitiv einen starken Wettbewerber ins Rennen, der bereits jetzt erfolgreich komplementäre Standbeine aufgebaut hat.

Asahi Kasei transferiert sein Know-how

Heute spielt die Chloralkali-Elektrolyse noch eine deutlich größere Rolle als die Wasserelektrolyse. Sie wird gebraucht, um wichtige Grundstoffe für die chemische Industrie zu erzeugen. Mit einem ähnlichen Prozess lässt sich auch eine Anlage für die reine Wasserstoffproduktion bauen. Deshalb stellen führende Chloralkali-Unternehmen wie Uhde Chlorine Engineers und eben Asahi Kasei (WKN: 857993) gefährliche Wettbewerber dar.

Am 7. März wurde im Wasserstoffforschungszentrum von Fukushima eine 10-Megawatt-Anlage eingeweiht. Die hoffentlich stattfindenden Olympischen Spiele sollen als Schaufenster für Japans fortschrittliche H2-Technologien dienen. Asahi Kasei hat dafür das Elektrolysemodul geliefert und hebt die gute Energieeffizienz sowie eine schnelle Reaktionszeit hervor.

Ein weiteres Demonstrationsprojekt befindet sich in der Wasserstoffstadt Herten. Das Unternehmen hat Deutschland als wichtigsten Auslandsmarkt für seine Power-to-X-Anlagen identifiziert und erwartet bedeutende Geschäfte in diesem Bereich.

Areva H2Gen bietet das Beste aus zwei Welten

Die deutsch-französische Areva H2Gen wurde kürzlich auf der Energy Storage Europe für seine besonders flexiblen PEM-Elektrolyseanlagen ausgezeichnet. Ein am Industriepark Hoechst installiertes System mit 1 Megawatt Nennleistung kann bei Lastspitzen ohne Schaden zwischenzeitlich auch 2 Megawatt aufnehmen. Das ermöglicht, einen spürbaren Beitrag zur Netzstabilität zu erbringen.

Das Unternehmen ist an diversen Demonstrations- und Forschungsprojekten beteiligt und rechnet sich gute Chancen aus, die Wasserstoffwirtschaft aktiv mitgestalten zu können. Ähnlich wie FRONIUS will Areva H2Gen Hochdruck-PEM-Elektrolyseure zur Marktreife führen. Aktuell setzt es Stacks von Giner ein.

Da der Spezialist die Rückendeckung des französischen Staates genießt, erscheint es wahrscheinlich, dass er ein gewichtiges Wörtchen mitreden kann, wenn in einigen Jahren der große Kuchen verteilt wird.

Ein offenes Rennen

In Teil 1 und 2 habe ich bereits rund ein Dutzend starke Wettbewerber genannt und auch diese drei sind anscheinend sehr respektable Rivalen. Wenn man sich in Asien umschaut, stößt man gelegentlich noch auf weitere Spieler, die aber schwer einschätzbar sind. Außerdem werden aus den weltweiten Forschungsinstituten immer mal wieder spannende Durchbrüche gemeldet.

Die hier zweimal erwähnte Giner sowie Forscher der University of Delaware berichten zum Beispiel von einem neuartigen Verfahren, das die Vorteile von Alkali- und PEM-Elektrolyse verbindet. Sobald das Problem der Beständigkeit gelöst ist, wären damit kostengünstige Systeme mit hoher Effizienz möglich. Für NEL und ITM stellen solche Fortschritte potenzielle Risiken dar, denn bei der Elektrolyse zählen nur die Leistungsmerkmale und der Preis.

Anleger sollten daher nicht nur begeistert verfolgen, wie sich der Gesamtmarkt entwickelt. Entscheidend ist, dass die Marktposition verteidigt werden kann, wenn die Aktienkurse nachhaltig steigen sollen.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

Motley Fool Deutschland 2020