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Warum Victoria's Secret eigentlich für Männer gedacht war

Antonia Wallner
Freie Autorin

Die Engel auf dem Laufsteg und sexy Dessous: Victoria’s Secret ist eine der bekanntesten Dessous-Marken der Welt. Dabei weiß heute kaum mehr jemand, dass der Firmengründer am Anfang eigentlich die Männer im Visier hatte. 

Bei der Gründung von Victoria’s Secret wurde eigentlich mehr an die Männer gedacht. (Bild: Getty Images)

In den prüden USA der 70er-Jahre herrschte in den Unterwäschegeschäften der Grundsatz: praktisch, strapazierfähig, unkompliziert. Und so sahen BHs und Höschen dann auch aus. Weit entfernt von dem, was wir heute kennen. Männer fühlten sich in der damaligen Welt der Körbchengrößen und Taillenslips wie Außerirdische bei der Invasion eines feindlichen Planeten. Der Ökonom Roy Raymond fand: Das muss ein Ende haben! Männer sollten sich in Dessous-Geschäften nicht mehr wie Eindringlinge oder Lüstlinge fühlen, wenn sie der Gattin eine Freude machen wollten.

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Also revolutionierte er das Konzept der Wäscheläden. Statt dem trüben Neonlicht, dass damals üblich war, schuf er eine schicke neue Miederwelt. Dunkles Holz, gedämmte Beleuchtung und viel Plüsch sollten die Kunden an ein Boudoir erinnern. Passend dazu wählt er den Namen: Victoria’s Secret spielte auf die britische Königin an, die angeblich gern verruchte Dessous trug.

Victoria’s Secret: Falscher Ansatz verjagte die Frauen

Raymond glaubte an seine neue Marke und lieh sich 80.000 Dollar für sein erstes Geschäft in Palo Alto, Kalifornien, das er 1977 eröffnete. Zu Anfang schien sein Konzept aufzugehen: Innerhalb von fünf Jahren eröffnete er drei weitere Filialen in San Francisco. Doch hatte Raymond eines nicht bedacht: Wenn er sich zu sehr auf die Männer konzentriert, verliert er die Frauen aus den Augen. Und die sind immerhin die Hauptklientel. Für die Damen war das Ambiente von Victoria’s Secret zu viel des Guten. Statt an ein Boudoir fühlten sie sich eher an einen Puff erinnert. Also blieben sie weg. Und Raymond musste 1982 schließlich seine Firma verkaufen.

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Tragisches Ende von Roy Raymond

Käufer war der erfolgreiche Geschäftsmann Leslie Wexner, der die Marke für eine Million Dollar erwarb. Wexner hatte bereits Erfahrung im Bekleidungssektor und “renovierte“ die Victoria’s Secret Geschäfte. Er entfernte das dunkle Holz und änderte das Ambiente von plüschig-frivol auf spielerisch-sexy. Mit Erfolg: Victoria’s Secret macht in den USA einen Umsatz von rund 5 Milliarden Dollar jährlich.
Und Roy Raymond? Nach einigen weiteren Fehlinvestitionen in Kindermode und Kinderbüchern sprang er 1993 aus lauter Verzweiflung von der Golden Gate Bridge in San Fransisco in den Tod.

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