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Warren Buffett macht weiter Cash: Steht der nächste Crash schon in den Startlöchern?

Vincent Uhr, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

In der letzten Finanzkrise hat Warren Buffett gänzlich anders agiert als in den Zeiten des Corona-Crashs. Insbesondere in schwer angeschlagenen Bereichen wie den Banken haben das Orakel von Omaha und seine Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway (WKN: A0YJQ2) starke Deals eingetütet, die sich in einem Horizont von vielen Jahren bezahlt gemacht haben.

Jetzt ist, wie gesagt, alles etwas anders. Ungewohnte Worte der Vorsicht können wir von dem Starinvestor vernehmen. Genauso wie Taten, die zeigen, dass das Horten von Cash in diesen Tagen Priorität besitzt. Sowie Sicherheit und Liquidität für sich und seine Beteiligungsgesellschaft.

Wer denkt, dass wir die Spitze des Eisbergs bereits gesehen haben, der irrt anscheinend gewaltig. Denn auch weiterhin macht das Orakel von Omaha Cash und trennt sich von Beteiligungen. Schauen wir im Folgenden daher einmal, was Investoren jetzt wissen sollten. Und warum das womöglich ein besorgniserregender Schritt für die mittelfristige Perspektive sein könnte.

Die Beteiligung an Goldman Sachs ist bedeutend reduziert worden

Genauer gesagt ist es jetzt eine Beteiligung, die inmitten der letzten Finanzkrise aufgebaut worden ist, von der sich Berkshire Hathaway jetzt getrennt hat. Ein weiteres Portfolio-Update zum Ende der letzten Woche hat das ein weiteres Mal gezeigt. Im Fokus dabei: Die US-amerikanische Bank Goldman Sachs (WKN: 920332).

Im Jahre 2008 hat das Orakel von Omaha noch inmitten der besagten Krise rund 5 Mrd. US-Dollar in das damals angeschlagene Geldhaus investiert. Und dafür einen gigantischen Berg an Vorzugsaktien erhalten, die sich in den letzten Jahren ausgezahlt haben.

Allerdings ist damit nun offenbar Schluss. Demnach hat Warren Buffett sich in großem Stil von dieser Beteiligung getrennt. Von der ursprünglichen Beteiligung in Höhe von 2,6 % der ausstehenden Aktien ist lediglich noch eine Beteiligung in Höhe von 0,6 % übrig geblieben. Ein weiterer Verkauf, der dem Cash-Berg von 137 Mrd. US-Dollar hinzugefügt werden dürfte. Damit erhöht sich der Anteil an liquiden Mitteln am Gesamtportfolio von Berkshire Hathaway erneut. Und es zeigt sich: Warren Buffett ist derzeit dabei, zu devestieren, als zu den vermeintlich günstigen Konditionen mehr und mehr zu investieren.

Was plant Warren Buffett?

Die Kernfrage, die hinter alldem steckt, ist, was Warren Buffett mit seiner Beteiligungsgesellschaft plant. Beziehungsweise wofür er jetzt diese gigantischen liquiden Mittel benötigt. Die, wie gesagt, von Rekordhoch zu Rekordhoch steigen. Durchgesickert ist bereits, dass Warren Buffett und Charlie Munger eher Vorsicht walten lassen und eben nicht stark investieren. Was teilweise auch daran liegt, dass sich die Deals in diesem Jahr nicht eben aufdrängen.

Wir können das womöglich als Indikator dafür sehen, dass Buffett nicht mehr so überzeugt vom Bankensektor ist. Tatsächlich sinkt das Zinsniveau wieder erheblich und viele Unternehmen und Konzerne hoffen anscheinend eher auf Staatshilfen als auf das Einspringen von Banken. Aber ist das alles? Steckt hinter dem gesamten Verhalten des Orakels von Omaha nicht womöglich noch mehr?

Seine Pläne sind jedenfalls unklarer denn je und es zeigt sich immer mehr, dass Buffett von den derzeitigen Bewertungen anscheinend nicht überzeugt ist. Oder, anders ausgedrückt: Dass er Aktien derzeit für überbewertet hält, beziehungsweise nicht das langfristige starke Renditepotenzial identifizieren kann, das viele auf der Suche nach einem Befreiungsschlag eigentlich sehen möchten.

Die Skepsis wächst jedenfalls …

Mit jedem weiteren Schritt des Orakels von Omaha scheint jedoch auch die Skepsis der Investoren zu wachsen. Warren Buffett gilt als Kompass, gerade in volatilen Zeiten. Dass der Starinvestor jetzt nicht investiert, verheißt womöglich wenig Gutes.

Ob seine noch immer gültige, langfristige positive Einstellung zur Stärke der US-Wirtschaft diese Schritte auffangen kann, bleibt fraglich. Investoren sollten sich daher womöglich auf weitere Volatilität einstellen. Zumindest Warren Buffett scheint damit zu rechnen.

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Vincent besitzt Aktien von Berkshire Hathaway. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Berkshire Hathaway (B-Aktien) und empfiehlt die folgenden Optionen: Long January 2021 $200 Call auf Berkshire Hathaway (B-Aktien), Short January 2021 $200 Put auf Berkshire Hathaway (B-Aktien) und Short June 2020 $205 Call auf Berkshire Hathaway (B-Aktien).

Motley Fool Deutschland 2020